Tukaram

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Tukaram wird in den Himmel (vaikunth) Vishnus aufgenommen

Tukaram auch Tuka (* 1608 auch 1607; † 1649[1]) war ein indischer Dichter und hinduistischer Mystiker aus dem 17. Jahrhundert. Er gilt als Heiliger und ist einer der geistigen Repräsentanten der Marathen[2].

Leben und Lehre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bedeutung des Namens ist nicht klar. Die dritte Silbe ram bezieht sich auf den Gott Rama.

Tukaram stammt aus einer Getreidehändlerfamilie, war Geschäftsmann und Familienvater[3]. Er gehörte der untersten Shudra-Kaste an. Er betete zu Vishnu nicht als Tier wiedergeboren zu werden, denn als Tier könnte er nicht mehr darum bitten als Mensch geboren zu werden[3]. Sein Krämergeist ging in mangelnde Geschäftstüchtigkeit über und er wandte sich dem Bhakti (Gottesliebe) zu[3]. Tukaram verließ seine Familie und lebte in Tempeln. Nach unglücklicher zweiter Ehe wandte er sich vertieft dem Hinduismus zu und lernte dafür Lesen. Er vertiefte sich ins Bhagavtupurana des brahmanischen Marathi-Gelehrten Ekantha (1555–1599) und begann Abhangu-Metrum Verse zu singen.

Während einer Meditation soll er den göttlichen Auftrag erhalten haben, eine Million Verse über Gott zu schreiben. Er verfasste 6000 Abhangas[3]. Sein Erfolg löste bei den Brahmanen Missgunst aus. Maranthenführer Siwadschi lud ihn ein jedoch reimte Tukaman eine Absage. Siwadschi ließ Tukaram eine Schüssel Gold überreichen, die er unter den anwesenden Brahmanen verteilte. Sein Selbstbewustsein schlug in eine Selbstvergottung um, und er verkündete, dass er nicht nur Gott, sondern sogar höher sei[3]. Nach zweistündiger regloser Verzückung in Alandi landeten mehrere Vögel auf ihm, so dass Tukaram ein meditierender Vogelbaum wurde. In Indrayami saß er am Ufer und sang seine Hymnen und löste sich mystisch der Überlieferung nach in Licht und Luft auf[3].

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tukaram war ein wichtiger Vertreter der Bhakti-Bewegung, deren höchstes Ziel die Gottesliebe ist. Er ging davon aus, dass Hingabe an Gott allein den Menschen heilige, nicht aber die Zugehörigkeit zu einer hohen Kaste. „Kastenstolz hat noch niemals irgend jemanden geheiligt, sagt Tuka, aber die Unberührbaren haben den Ozean des Lebens durch Hingabe an Gott überquert.“[4]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Leben Tukarams wurde in dem filmhistorisch bedeutenden indischen Heiligenfilm Sant Tukaram (1936) verfilmt.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Axel Michaels: Der Hinduismus. Geschichte und Gegenwart. C. H. Beck, München 1998, ISBN 3-406-44103-3, S. 63.
  2. R. C. Zaehner: Der Hinduismus. Seine Geschichte und seine Lehre. W. Goldmann Verlag, München 1980, ISBN 3-442-39028-1.
  3. a b c d e f Ulrich Holbein: Narratorium. 255 Lebensbilder. Ammann Verlag, Zürich 2008, ISBN 978-3-250-10523-7. S. 938–941
  4. R. C. Zaehner: Der Hinduismus. Seine Geschichte und seine Lehre. W. Goldmann Verlag, München 1980, ISBN 3-442-39028-1, S. 152.