Ulrich Tengler

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Ulrich Tengler, urkundlich oft Tenngler, (* 1447 in Rottenacker; † 1511 in Höchstädt an der Donau) war ein deutscher Stadtschreiber, Jurist, Rentmeister und Landvogt. Er ging in die Rechtsgeschichte Deutschlands als Verfasser des Laienspiegels ein.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ulrich Tengler wurde als Sohn des Ortsvogtes Othmar Tengler in Rottenacker geboren. Mit 7 Jahren kam Ulrich an das Gymnasium in Ehingen, um Priester zu werden. Im Alter von 22 Jahren trat er in die Chorschule in Blaubeuren ein.[1]

Über seine Jugendzeit ist bislang wenig bekannt; ein gereimter Nachruf,[2] in dem unter anderem berichtet wird, er sei ein bettelnder Scholar auf Wanderschaft und Chorschüler in Blaubeuren gewesen, stimmt mit den erforschten Lebensdaten so wenig überein, dass sein Echtheitsgehalt bezweifelt werden muss.[3] Nach den Untersuchungen von Reinhard H. Seitz war Tengler adliger Herkunft,[4] hierzu passen seine spätere Karriere und bildliche Darstellungen mit Wappen und in vornehmer Kleidung.

Nach Tenglers eigenen Angaben war er als junger Mann zunächst Gerichtsschreiber im damals zu Bayern-Landshut gehörigen Heidenheim an der Brenz, um dort noch vor 1470 die Aufgabe eines Kastenschreibers, also Schreibers des herrschaftlichen Kastners, zu übernehmen.[5] Als erster größerer Karrieresprung folgt dann ab 1479 die Anstellung als Oberratsschreiber (Pronotarius) in Nördlingen. Obwohl der Vertrag 1483 auf Lebenszeit verlängert wurde mit 100 Gulden Jahresgehalt, freier Wohnung und der Vergünstigung „zwei redlich Substituten als Kantzleischreiber zu halten“ gab er Ende des gleichen Jahres die Stellung aus unbekannten Gründen auf. Er fühlte sich aber der Stadt verpflichtet zu „Dienst und Beistand“ aus Dankbarkeit, dass Bürgermeister und Rath „aus besonderer Neigung ihm und seynen Kindern aus Ergötzlichkeit ain Erung getan“.[6]

Ab 1485 war er dann selbst Kastner in Heidenheim an der Brenz, ab etwa 1495 Landrichter und Landvogt in Graisbach bei Donauwörth.[7] Anschließend erhielt er die bedeutende Landvogtei Höchstädt an der Donau, die 1505 als Teil des Herzogtums Pfalz-Neuburg an die Kurpfälzer Linie fiel. In den fürstlichen Diensten gewann er eine reiche Summe praktischer Erfahrungen und holte sich nach eigenen Angaben „bei hochgeübten, geleerten und rechtweysen Rath Unterricht und gute lehren“. Unter anderem aus dem Briefwechsel mit seinem Sohn Christoph, Professor für Kirchenrecht an der Ingolstädter Universität, weiß man, dass Tengler mit Ingolstädter Gelehrten wie dem Poesieprofesser Jakob Locher (Philomusus), in Verbindung stand.

Bislang war die Wissenschaft davon ausgegangen, dass Tengler den Laienspiegel kurz vor seinem Tode verfasste und der (erheblich erweiterte) Neue Laienspiegel erst nach seinem Tode gedruckt wurde. Untersuchungen aus Anlass des 500. Entstehungsjahrs des Rechtsbuchs ergaben aber, dass Ulrich Tengler bis zirka 1521/22 gelebt hat und auch für die Erweiterungen der Neuausgabe verantwortlich zeichnet.[8][9]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Strafvollstreckung.
Holzschnitt im Layenspiegel (Straßburg, 1510).

Der Laienspiegel, auch Layenspiegel oder Laijen Spiegel genannt, ist ein bedeutendes Rechtsbuch der frühen Neuzeit. Tengler beabsichtigte mit ihm, römisch-rechtliche Inhalte in deutscher Sprache populär zu vermitteln. Unter dem Titel „Laijen Spiegel. von rechtmässigen ordnungen in Burgerlichen vnd peinlichen regimenten. mit allegation[en] vn[d] bewerungen auß geschribnen rechten vnnd gesatzen“ wurde das Rechtsbuch 1509 erstmals gedruckt. Herausgeber war der bedeutende Verleger Johann Rynmann von Öhringen. Der Humanist, Straßburger Stadtschreiber und Beisitzer am Reichskammergericht Sebastian Brant unterstützte und lobte Tenglers Unternehmen.

Der Laienspiegel erlebte im Laufe des 16. Jahrhunderts eindrucksvolle 14 Auflagen und war 70 Jahre lang überall in Deutschland in Gebrauch. Gemeinsam mit dem konzeptionell verwandten Klagspiegel des Conrad Heyden prägte er die sogenannte populäre Literatur zum römischen Recht in Deutschland. Einander ergänzend förderten die beiden Werke die Übernahme des römischen Rechts in die deutsche Rechtspraxis vermutlich nachhaltiger als jede andere Schrift, dienten als Vorbild für zahlreiche weitere Rechtsbücher. Erst später verdrängte langsam die gelehrte Literatur z. B. des Zasius und seiner Schule diese Literaturgattung.

Tengler meinte, sich auch bei der Verfolgung der Hexen einbringen zu müssen. Er kritisierte die Zweifel der Juristen an der Wirklichkeit des Hexenwesens und macht sie für das Ausmaß und die Zunahme verantwortlich. Immer wieder wird ihm unterstellt, dass er durch seine unbestreitbare Popularität in Rechtsfragen zu dieser leidvollen und traurigsten Verirrung der Rechtspflege beigetragen hat. Doch sind Hexenverfolgungen im Verbreitungsgebiet des Laienspiegels erst verstärkt nach 1580 belegbar – also nach der Hauptnutzungszeit des Laienspiegels.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Museum Rottenacker, Dorfberühmtheiten (2001)
  2. Hierzu: Erich Kleinschmidt, Das „Epitaphium Ulrici Tenngler“. Ein unbekannter Nachruf auf den Verfasser des „Laienspiegels“ von 1511, in: Daphnis 6 (1977), 41-64.
  3. Andreas Deutsch: Tengler und der Laienspiegel, in: Andreas Deutsch (Hrsg.): Ulrich Tenglers Laienspiegel – Ein Rechtsbuch zwischen Humanismus und Hexenwahn, Akademiekonferenzen Bd. 11, Heidelberg 2011, ISBN 978-3-8253-5910-2, S. 11–40, hier S. 12 m.w.N.
  4. Reinhard H. Seitz, Zur Biographie von Ulrich Tenngler (ca. 1441–1521), Landvogt zu Höchstädt a.d. Donau und Verfasser des Laienspiegels, in: Andreas Deutsch (Hrsg.): Ulrich Tenglers Laienspiegel – Ein Rechtsbuch zwischen Humanismus und Hexenwahn, Akademiekonferenzen Bd. 11, Heidelberg 2011, ISBN 978-3-8253-5910-2, S. 55–98, 69 ff.
  5. Andreas Deutsch: Tengler und der Laienspiegel, in: Andreas Deutsch (Hrsg.): Ulrich Tenglers Laienspiegel – Ein Rechtsbuch zwischen Humanismus und Hexenwahn, Akademiekonferenzen Bd. 11, Heidelberg 2011, S. 13.
  6. Roderich von Stintzing, Geschichte der populären Literatur des römisch-kanonischen Rechts in Deutschland, Leipzig 1867, S. 414.
  7. Andreas Deutsch, Laienspiegel, in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/artikel/artikel_45831> (11. November 2011)
  8. Reinhard H. Seitz: Zur Biographie von Ulrich Tenngler (ca. 1441–1521), Landvogt zu Höchstädt a.d. Donau und Verfasser des Laienspiegels, in: Andreas Deutsch (Hrsg.): Ulrich Tenglers Laienspiegel – Ein Rechtsbuch zwischen Humanismus und Hexenwahn, Akademiekonferenzen Bd. 11, Heidelberg 2011, insb. S. 78 ff.
  9. Franz Fuchs, Jacob Locher Philomusus und Ulrich Tenngler, in: Andreas Deutsch: Tengler und der Laienspiegel, in: Andreas Deutsch (Hrsg.): Ulrich Tenglers Laienspiegel – Ein Rechtsbuch zwischen Humanismus und Hexenwahn, Akademiekonferenzen Bd. 11, Heidelberg 2011, ISBN 978-3-8253-5910-2, S. 99–116, insb. S. 108 ff.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann August Ritter von EisenhartUlrich Tengler. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 37, Duncker & Humblot, Leipzig 1894, S. 568–670.
  • Adalbert Erler: Artikel Tenngler, in: Handwörterbuch zur deutschen Rechtsgeschichte 5, Berlin 1998, S. 145–146.
  • Reinhard H. Seitz: Zur Biographie von Ulrich Tenngler (ca. 1441–1521), Landvogt zu Höchstädt a.d.Donau und Verfasser des Laienspiegels, in: Andreas Deutsch (Hrsg.): Ulrich Tenglers Laienspiegel – Ein Rechtsbuch zwischen Humanismus und Hexenwahn, Akademiekonferenzen Bd. 11, Heidelberg 2011, ISBN 978-3-8253-5910-2, S. 55–98.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wikisource: Ulrich Tengler – Quellen und Volltexte