Ultima Ratio

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Ultima Ratio Regum – Inschrift auf einer Kanone vor dem Heeresgeschichtlichen Museum in Wien

Die Ultima Ratio (von lat.: ultimus, hier: „letzter“, „äußerster“; sowie ratio, hier: „Mittel“, „Möglichkeit“) bezeichnet den letzten Lösungsweg, das letzte Mittel oder den letzten Ausweg in einem Interessenkonflikt, wenn zuvor alle sonstigen im ethischen Sinne vernünftigen Lösungsvorschläge verworfen wurden, da mit ihnen keine – oder angeblich keine – Einigung erzielt werden konnte.

In der internationalen Politik wurden und werden mit dieser Bezeichnung kriegerische Handlungen aber auch wirtschaftliche Sanktionen gerechtfertigt, bei denen alles Vorhergegangene nicht zur Lösung des Konflikts beigetragen hatte. Vor allem zur Begründung eines sogenannten gerechten Krieges ist die Ultima Ratio ein zu erfüllender Punkt. Darüber hinaus findet das Ultima-ratio-Prinzip in der Rechtswissenschaft Verwendung. Das Strafrecht solle nur das letzte Mittel zur Sicherstellung des Rechtsfriedens sein. Ebenso wird der Begriff im Arbeitsrecht verwendet.

Begriffsherkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff stammt aus dem Dreißigjährigen Krieg. Kardinal Richelieu ließ auf die Geschützrohre die Formel gießen: „Ultima ratio regum“ („das letzte Mittel der Könige“). Dabei war nicht das letzte zur Verfügung stehende Mittel nach Ausschöpfung aller anderen Möglichkeiten gemeint, sondern das letzte Wort des Königs, um einen Konflikt definitiv zu entscheiden. Zur selben Zeit wie Richelieu erkannte der spanische Dramatiker Pedro Calderón de la Barca in seinem Drama „In diesem Leben ist alles wahr und alles Lüge“, im Felde seien Waffen die última razón der Könige.[1] Hundert Jahre später reagierte Friedrich II. von Preußen standesgemäß und nahezu wortgleich: Seit 1742 erhielten alle seine Kanonen die Inschrift „Ultima ratio regis“ – „das letzte Mittel des Königs“.[2]

Rechtswissenschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Strafrecht verfolgt Deutschland wie auch andere demokratische Rechtsstaaten das Prinzip der „ultima ratio“. Das heißt, es wird nach Möglichkeit als ein allerletztes Mittel zum Erzwingen des Rechtsfriedens angestrebt und gilt laut dem Rechtswissenschaftler Heribert Ostendorf als das „schärfste Steuerungsinstrument des Staates, weil hiermit in der Regel am härtesten in die Privatsphäre eingegriffen wird.“ Aufgrund des Grundsatz der Verhältnismäßigkeit gilt das Strafrecht als ein „letztes Mittel“ (lat. „ultima ratio“). Zuvor seien andere Steuerungsinstrumente wie das Zivilrecht oder das Verwaltungsrecht anzuwenden.[3] Angewandt wird das Verhältniskeitsprinzip etwa auch bei sogenannten Bagatelldelikten[4] oder im Jugendstrafrecht.[5] Im Arbeitsrecht findet das Prinzip insbesondere im Streikrecht sowie bei betriebsbedingten Kündigungen Verwendung.[6]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Ultima Ratio – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikisource: Ultima ratio – Quellen und Volltexte
 Commons: Ultima ratio regum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. "Que sepas que, en la campaña,/ última razón de reyes/ es la fuerza de las armas!" Calderon: En esta vida todo es verdad y todo mentira, 2. Akt, 2. Bild., 5. Szene archive.org
  2. Heribert Prantl: Krieg als letztes Mittel. In: Kai Ambos, Jörg Arnold: Der Irak-Krieg und das Völkerrecht. Berlin 2003, ISBN 978-3-83050-559-4, S. 31 ff. Zuerst als Leitartikel in der Süddeutschen Zeitung, 24. Februar 2003.
  3. Strafrechtsprinzipien und Strafverfahren auf den Seiten der Bundeszentrale für politische Bildung vom 27. April 2010, abgerufen am 15. März 2017
  4. Wessels/Beulke: Strafrecht Allgemeiner Teil. In: C.F. Müller Verlag 2010, ISBN 978-3-8114-9752-8, S. 3, Rn 9
  5. Jörg Wolff, Andrzej Marek: Erziehung und Strafe: Jugendstrafrecht in der Bundesrepublik Deutschland und Polen - Grundfragen und Zustandsbeschreibung S.72 ; Forum Verlag Godesberg, 1990 in einer Schriftenreihe der Jugendgerichte und Jugendgerichtshilfen e.V., online in Google Büchersuche
  6. Bernd Rüthers, Martin Henssler: Arbeitsrecht, W. Kohlhammer Verlag (2007); S. 171, online in Google Bücher