United Tribuns

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die United Tribuns ist ein Zusammenschluss von Erwachsenen aus Baden-Württemberg. Sie bezeichnen sich selbst als eine Vereinigung aus Bodybuildern, Kampfsportlern und Türstehern. Sie sind zurzeit in drei Ländern mit sogenannten „Chaptern“ (Orts- oder Landesclubs) vertreten. Weltweit hat die Organisation laut bayerischem Verfassungsschutz 1700 Mitglieder.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Vereinigung wurde 2004 vom ehemaligen bosnischen Boxer Almir Ćulum, genannt „Boki“, in Villingen-Schwenningen gegründet. Ćulum kam infolge des Bosnienkriegs aus Prijedor nach Deutschland.

Seit 2012 gibt es einen Ableger der United Tribuns, der sich United Tribuns Balkan nennt. Bei diesem Chapter erkennt man die Mitglieder daran, dass auf dem rechten Arm der Jacke nicht Tribuns sondern Balkan steht.

In Bayern haben sich die United Tribuns mit Chaptern in München, Augsburg, Passau und Ingolstadt etabliert und verzeichneten im ersten Halbjahr 2014 einen erheblichen Mitgliederzuwachs.[1] Sie sind ebenfalls in den Städten Duisburg, Aachen, Troisdorf, Regensburg und Köln vertreten.

Kriminelle Aktivitäten und Konflikte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ćulum hat zusammen mit weiteren Mitgliedern bis Sommer 2009 verschiedene Bordelle, darunter das Laufhaus und das La Notte in Villingen-Schwenningen betrieben. Im Sommer 2009 tauchte „Boki“ zusammen mit seinem Cousin „Dado“ rechtzeitig vor einer großangelegten Razzia der Polizei in Bosnien und Herzegowina unter. Seitdem leben die beiden in dem Dorf Sanica bei Ključ. Gegen ihn wurde ein internationaler Haftbefehl ausgestellt, bislang jedoch ohne Erfolg.[2]

Immer wieder sind die United Tribuns in Konkurrenzkämpfe mit anderen Rockerclubs bzw. Banden verwickelt. Mit den Hells Angels und Black Jackets haben die United Tribuns Konflikte um Einflussbereiche.[3]

Im Mai 2010 kam es in Rottweil seitens der United Tribuns zu gewaltsamen Übergriffen gegenüber Angehörigen der Black Jackets. Daraufhin mobilisierten die Black Jackets landesweit einige hundert Mitglieder, um sich an den Rottweiler United Tribuns zu rächen. Der Polizei gelang es, die Auseinandersetzung durch landesweite Polizeimaßnahmen zu verhindern.[4]

Im Juli 2010 wurden fünf Mitglieder wegen ausbeuterischer Zuhälterei, Körperverletzung und Menschenhandel in über 20 Fällen vor dem Landgericht Konstanz angeklagt.[5]

Im November 2011 kam es in Pforzheim zu einer Auseinandersetzung zwischen Mitgliedern der United Tribuns und der Hells Angels. Insgesamt waren an der Auseinandersetzung zwischen 30 und 50 Personen beteiligt, wobei insgesamt drei Personen schwer verletzt wurden. Bei der Auseinandersetzung kamen auch Stich- und Schusswaffen zum Einsatz. Mehrere Fahrzeuge, die in der Nähe des Vorfalls parkten, wurden durch Einschusslöcher beschädigt.[6]

Im Dezember 2011 griffen in Pforzheim rund 20 Mitglieder der United Tribuns vier Mitglieder der Black Jackets in einem Auto an. Einige Stunden nach dem Vorfall wollten etwa 500 Mitglieder der Black Jackets, die aus verschiedenen Städten anreisten, sich an den Tätern rächen. Die Polizeidirektion Pforzheim verhinderte den Kontakt zu den Tätern.[7] Im Februar 2011 stachen vier Mitglieder der United Tribuns ein Mitglied der Black Jackets in Straubenhardt nieder.[8][9] Nach monatelangen Ermittlungen verhafteten die Beamten bei einer Razzia am 22. Januar 2015 drei Männer zwischen 23 und 25 Jahren.[10]

Mitte des Jahres 2015 eskalierte ein Bandenkrieg mit der Gruppierung Sondame (Red Legion). Bei dem Konflikt mussten die United Tribuns mehrere ihrer Chapters schließen, da sie dem Druck der kurdischen Gruppierung Sondame nicht mehr standhalten konnten. Die Balkan Rocker erhielten einen enormen Imageschaden, da sie sich praktisch nicht zur Wehr setzten. Mehrere Mitglieder der United Tribuns gaben ihre Kutten freiwillig bei den Angehörigen von Sondame ab, um den Konflikt unversehrt verlassen zu können. In der Schweiz gaben alle Chapter die Auflösung bekannt, sodass die United Tribuns keine Ableger mehr in der Schweiz haben.[11]

Im April 2016 wurde der Vizepräsident des Ulmer Chapters Celal F. in Heidenheim mit drei Schüssen getötet, sein Bruder überlebte einen Bauchschuss. Als Hintergrund wurden andauernde Konflikte mit den rivalisierenden Black Jackets vermutet.[12]

Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Menschenhändler von nebenan, Dokumentarfilm, SWR, Ulrike Baur, 2011[13]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Halbjahresbericht Verfassungsschutz Bayern 2014, Pressemitteilung des Bayerischen Staatsministeriums des Inneren, für Bau und Verkehr, abgerufen am 22. November 2014
  2. United Tribunes Boss „Boki“ wehrt sich auf Facebook. In: Südkurier, abgerufen am 21. November 2011
  3. „Keiner, der die Frauen nur verprügelt…“. In: Südwest Presse, abgerufen am 21. November 2011
  4. Rottweil: Polizei erstickt Auseinandersetzung im Keim. In: Crime-Blog. 30. Mai 2010, abgerufen am 5. Februar 2012.
  5. Ulrike Baur: Ausbeuterische Zuhälterei und Körperverletzung: Die Menschenhändler von nebenan. In: Südwestrundfunk, abgerufen am 21. November 2011
  6. „United Tribuns“ vs. „Hells Angels“: Drei Verletzte nach brutaler Rocker-Attacke. In: stern, abgerufen am 21. November 2011
  7. Kripo ermahnt Black Jackets: Keine Rache an United Tribuns. In: Pforzheimer Zeitung, abgerufen am 21. November 2011
  8. United Tribuns-Mitglieder stechen Black-Jacket-Mitglied in den Bauch: Vier Tatverdächtige verhaftet. In: Pforzheimer Zeitung, abgerufen am 21. November 2011
  9. Drogendeal eskaliert: Sechs Jahre Haft für Mitglied der United Tribuns. In: Pforzheimer Zeitung. 6. Dezember 2011, abgerufen am 5. Februar 2012.
  10. http://www.general-anzeiger-bonn.de/bonn/themen/rockerbanden/schlag-gegen-rockerbande-aus-troisdorf-article1555759.html
  11. United Tribuns Schweiz angeblich aufgelöst. rocker-blog.to. Abgerufen am 27. Februar 2016.
  12. „Rockermord in Heidenheim“ auf focus.de; abgerufen am 3. Mai 2016
  13. Die Menschenhändler von nebenan, swr.de vom 11. Mai 2011