Unterbrechungsfreie Wiedergabe

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Unterbrechungsfreie Wiedergabe (auch lückenlose Wiedergabe bzw. englisch Gapless Playback) bezeichnet die unterbrechungsfreie Wiedergabe von zusammengehörenden aufeinanderfolgenden Audiodateien, zum Beispiel auf einem tragbaren MP3-Abspielgerät.

Ohne Gapless Playback sind bei durchgängigen Aufnahmen Unterbrechungen zwischen den Tracks wahrnehmbar. Beim Abspielen von Musikstücken, die nahtlos ineinander übergehen, beispielsweise zwischen aufeinanderfolgenden Sätzen einer Sinfonie (etwa bei Beethovens 5. Sinfonie) oder bei Aufnahmen von Live-Konzerten mit durchgehend zu hörendem Publikum, wird die kurze Pause zwischen den Stücken bzw. Liedern als störend empfunden.

Dieser Artikel behandelt primär Probleme der unterbrechungsfreien Wiedergabe, die in der Definition des zugrundeliegenden Dateiformats (beispielsweise MP3) begründet und somit quasi prinzipbedingt sind. Daneben bestehen vielfach Mängeln in der Abspielsoftware bzw. Firmware des Abspielgeräts, die dazu führen, dass keine unterbrechungsfreie Wiedergabe erfolgt, auch wenn das zugrundeliegende Medien-Dateiformat eigentlich die Voraussetzungen zur unterbrechungsfreien Wiedergabe mitbringt.

Schwächen in den Dateiformaten[Bearbeiten]

Die besagten Pausen sind nicht Bestandteil der Originalaufnahme, sondern entstehen dadurch, dass Audio-Datenformate auf Blöcken fester Dauer basieren, den sogenannten Frames. Endet eine Audioaufnahme beim Erstellen einer solchen Datei vor dem Ende des letzten Frames, wird der Rest des Frames mit Stille gefüllt. Die Dauer eines Frames liegt im Bereich von zig Millisekunden, beispielsweise bei MP3-Dateien mit 44.100 Samples je Sekunde etwa 26,1 ms, sodass die zusätzliche Pause im ungünstigsten Fall fast ebenso lang ist. Daneben entsteht durch den Kodiervorgang eine Verzögerung, die zu einer Pause zu Beginn der Darbietung führt; sie liegt in etwa im Bereich einer halben Framedauer.[1]

Der erste Audiocodec, der Gapless Playback unterstützt, ist ATRAC. Das proprietäre Format wurde von Sony ursprünglich ausschließlich für die MiniDisc entwickelt. Neuere Audioformate wie Vorbis, Musepack, Speex und Windows Media Audio sowie alle verlustlosen Kompressionsverfahren (z. B. FLAC) unterstützen Gapless Playback von Haus aus, indem neben den bloßen Audiodaten auch Informationen über die genaue Länge der Audiodaten und der Encoder-Verzögerung gespeichert werden.

Frühere Audioformate beherrschten noch keine unterbrechungsfreie Wiedergabe. Dazu zählen der erste MP3-Codec der Fraunhofer-Gesellschaft und AAC. Allerdings gibt es Erweiterungen: Im Open-Source-Encoder LAME für das MP3-Format ist eine Funktion implementiert, die den erzeugten Dateien Informationen für das Gapless Playback hinzufügt. Geeignete Abspielgeräte oder -Software, beispielsweise foobar2000, VUPlayer oder mpg123, können unter Nutzung dieser Informationen die Fülldaten des letzten Frames entfernen und die Kodierverzögerung kompensieren und so Gapless Playback ermöglichen. Dieses Verfahren ist nicht durch den MP3-Standard abgedeckt. Die notwendigen Informationen werden in einem Frame zu Beginn der Datei gespeichert, der so präpariert ist, dass er zu Stille dekodiert wird.[2] Player, die nicht mit dieser Erweiterung zurechtkommen, geben mitunter diesen Frame wieder, wodurch sich die Unterbrechung vergrößert.

Schwächen in der Abspielsoft-/-firmware[Bearbeiten]

Von oben genannten Tatsachen zu unterscheiden sind zusätzlich entstehende Pausen bei manchen MP3-Playern. Diese entstehen beispielsweise durch ungenügendes Zwischenspeichermanagement, d. h. der nächste Titel wird zu spät zum Abspielen in den Speicher geladen.

Hardwareseitig bieten die wenigsten Geräte – ob mobile Player oder DVD-Abspielgeräte aus dem Heimvideo-Bereich – eine Lösung für Audioformate, die unterbrechungsfreie Wiedergabe von Haus aus nicht unterstützen. Einige Modelle unterstützen lückenlose Wiedergabe durch die Verwendung alternativer Firmware wie Rockbox. Ähnliches gilt für den TrekStor Vibez, der allerdings einer höheren Preisklasse angehört. Billigere Geräte verfügen oft höchstens über eine kaum brauchbare Überblendfunktion. Die lückenlose Wiedergabe von AAC- und MP3-Dateien auf einem iPod wird durch Aufbereitung in der zur Übertragung genutzten Software iTunes realisiert.

Compact Discs[Bearbeiten]

Bei gebrannten Audio-CDs tritt ein ähnlicher Effekt auf, wenn die CDs im Track-At-Once-Verfahren geschrieben wurden.

Weblinks[Bearbeiten]

Belege[Bearbeiten]

  1. Gapless playback. In: Hydrogenaudio Knowledgebase. HAK Community, 12. Januar, abgerufen am 7. Juni 2015.
  2. MP3. VBRI, XING, and LAME headers. In: Hydrogenaudio Knowledgebase. HAK Community, 29. Januar, abgerufen am 7. Juni 2015.