Untersteinbach (Pfedelbach)

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Untersteinbach
Gemeinde Pfedelbach
Wappen von Untersteinbach
Koordinaten: 49° 8′ 29″ N, 9° 34′ 13″ O
Höhe: 268 m ü. NN
Fläche: 11 km²
Einwohner: 1419 (31. Dez. 2016)
Bevölkerungsdichte: 129 Einwohner/km²
Postleitzahl: 74629
Vorwahl: 07949
Karte
Die Lage von Untersteinbach in Pfedelbach

Untersteinbach war bis zur Gemeindereform eine selbständige Gemeinde und ist seit dem 1. Januar 1972 ein Ortsteil der baden-württembergischen Gemeinde Pfedelbach.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Untersteinbach liegt 6 km südöstlich von Pfedelbach vor und an einer durch den Zulauf des rechten Steinbachs zur oberen Ohrn im abwärtigen Teil des Hauptortes gebildeten Weitung des Flusstales und ist staatlich anerkannter Erholungsort. Es umfasst das Dorf Untersteinbach selbst, Bühl, Ohnholz, Floßholz, Schuppach, Heimaten, Kohlhof, Simonsberg und Mittelsteinbach.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es ist anzunehmen, dass Untersteinbach während der Rodungszeit des 11. oder 12. Jahrhunderts entstand. Erstmals findet es urkundliche Erwähnung im Jahre 1266 als Steinbach apud Oren. 1680 wurde das erste Schulhaus eingeweiht. Die höchstbesteuerten Gemeindemitglieder nahmen im Krisenjahr 1853 die Kinder aus sehr armen Familien in Kost, um den Kinderbettel abzustellen. Es wird berichtet, dass die Armut bei einigen Familien so groß war, dass die Kinder keine Schuhe im Winter besaßen und es ihnen an der allernotwendigsten Kleidung fehlte. 1889 wurde die erste Kleinkinderschule eingerichtet. Im Jahr 1935 konnte das Freibad eingeweiht werden. Seit 1967 besteht nur noch eine Grundschule. Die Hauptschüler besuchen seitdem die Creutzfelderschule in Pfedelbach. Am 1. Januar 1973 wurden die bis dahin zur Altgemeinde Geißelhardt gehörenden Weiler Heimaten und Schuppach nach Pfedelbach eingemeindet und damit der Ortschaft Untersteinbach zugeschlagen.[1] Ebenfalls 1973 konnte der Kindergarten eingeweiht werden. Oberhalb der Sportanlagen und des Freibades befindet sich das Freizeitgelände des Sportkreises Ludwigsburg. Untersteinbach beheimatet ein AOK-Bildungszentrum und ist ein staatlich anerkannter Erholungsort. In Schuppach befand sich im 15. Jahrhundert eine Wallfahrtskapelle.[2] Von 1919 bis 1927 war Pastor Ernst Hirzel Gemeindepfarrer, dessen Kinder Hans (1924–2006) und Susanne (1921–2012) hier zur Welt kamen. Sie wurden 1943 von Volksgerichts-Präsident Roland Freisler für ihre Teilnahme an der Flugblatt-Aktion der Widerstands-Gruppe Weiße Rose zu Gefängnisstrafen verurteilt.[3]

Kinderfest[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1830 fand das erste Kinderfest statt. Im Jahr 1912 wurde beschlossen, keine alkoholische Getränke mehr für Kinder auszuschenken. Seit 1981 wird das Kinderfest im zweijährigen Rhythmus in den ungeraden Jahren mit einem Festumzug gefeiert. Vom Ursprung her ist das Kinderfest ein kirchliches Fest. Die ganze Kirchengemeinde mit Harsberg, Gleichen, Obersteinbach und Büchelberg beteiligte sich an dem Fest. Als in diesen Ortschaften die Schulen aufgelöst wurden, wurde es immer schwerer, dort die Bürger zur Mithilfe zu gewinnen. Nur Harsberg und Gleichen feiern bis zum heutigen Tag mit.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen von Untersteinbach am ehemaligen Rathaus

Das ehemalige Gemeindewappen von Untersteinbach zeigt in Schwarz einen auffliegenden silbernen Schwan. Die Wappendeutung lautet so: „Der auffliegende Schwan ist das Wappen der Herren von Krautheim, denen der Ort im 13. Jahrhundert gehörte. Die Farben Weiß und Schwarz sind die umgekehrten Farben des Hauses Hohenlohe, das später Besitzer des Ortes war.“ Das Schwan-Wappen wurde am 2. April 1957 durch das Innenministerium (Nr. IV, 31/27, Untersteinbach 1) verliehen. Bevor der Schwan zum Wappenvogel von Untersteinbach wurde, gab es für ihn nicht nur Zustimmung. „Hat nichts mit irgendwelcher Tradition zu tun“, hieß es von kompetenter Seite. Schon 1936 hatte sich Untersteinbach bemüht, ein Wappen zu bekommen. Es wurden sogenannte Faustskizzen vorgelegt. Eine davon zeigt ein schräges Wellenband und einen Leoparden. Ein anderer Wappenvorschlag sah so aus: Über einem gewellten blauen Schildfuß eine aus Steinen zusammengesetzte, mit drei Zinnen versehene weiße Mauer in rotem Feld. Aber: „Eine Entscheidung auf Vorschlag der Archivdirektion wurde damals wohl nicht getroffen“, ist in Stuttgart vermerkt.[4]

Ortschaftsrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ortschaft Untersteinbach verfügt über einen Ortschaftsrat mit insgesamt neun Mitgliedern. Ortsvorsteher ist Manfred Metzger.[5]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ortsmitte ist bestimmt durch kleine Anwesen mit zum Teil gestelzten Seldnerhäuschen. Kleine bäuerliche Höfe und Seldnerhäuschen schließen sich an. Im Mittelalter war die Kirche Untersteinbach Filial der Stiftskirche Öhringen. Evangelische Kirche Zu unseren Lieben Frau, 1368 erstmals erwähnt, die aber nur den Rechtsstatus einer Kapelle besaß. Der heutige Kirchenbau wurde 1623 bis 1625 errichtet. Einschiffiger, flachgedeckter Bau mit quadratischem Turmchor, romanische Baureste. Der Herrenkeller (unter der Turn- und Festhalle) ist von 1623. 1887/1888 wurde ein neues Schulhaus gebaut, in dem heute noch die Grundschule untergebracht ist. In den Jahren 1954 und 1955 wurde das ehemalige Bandhaus zu einer Turn- und Festhalle umgebaut. 2010 wurde die neugebaute Sporthalle Steinbacher Tal eingeweiht.

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heimatmuseum in Untersteinbach im ehemaligen Rathaus.

Sport und Freizeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Campingplatz in Untersteinbach mit Minigolfanlage und Beachvolleyball-Spielfeld
  • Öffentliches Freibad (seit 1935)
  • Campingplatz
  • Sportanlage des TSV Untersteinbach mit zwei Rasenplätzen, Laufbahn und Kleinspielfeld
  • Tennisplätze
  • Minigolfplatz
  • Beachvolleyball-Spielfeld
  • Kneipp-Anlage
  • Zeltlager Untersteinbach

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Untersteinbach sind die Einrichtungen zur Deckung des täglichen Bedarfs noch vorhanden. Ein Lebensmittelmarkt, Metzgerei, Gaststätten sowie Handwerksbetriebe, Kindergarten und Grundschule sowie eine Außenstelle der Pfedelbacher Verwaltung sind anzutreffen. Obst- und Weinbau bilden den landwirtschaftlichen Schwerpunkt.

Pflege und Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund der räumlichen Lage und der Anerkennung als Erholungsort sind in Untersteinbach mehrere Einrichtungen der Bildung und Pflege angesiedelt. Neben den Alten- und Pflegeheimen besteht seit 1976 das Haus Schönblick, eine gemeinnützige Einrichtung für Menschen, die chronisch psychisch krank sind. Die Anlage wurde 2006 um eine gerontopsychiatrische Abteilung erweitert.

Im Jahre 1972 wurde das Schulungszentrum des AOK-Landesverbandes Baden-Württemberg seiner Bestimmung übergeben. Jährlich werden über 750 Aus- und Fortzubildende in mehreren Lehrgangsabschnitten von vier haupt- und über 100 nebenamtlichen Lehrkräften für die Praxis anforderungsgerecht qualifiziert. Mit dem Schulungszentrum werden darüber hinaus über 800 Beschäftigte der Ortskrankenkassen weitergebildet. Delegationen aus den anderen Bundesländern, aber auch aus Afrika und Asien sowie von Übersee waren schon zu Gast, um sich über die Gesundheitspolitik, die soziale Sicherung in der Bundesrepublik und die Bildungseinrichtung zu informieren. Der gesamte Bedarf der Einrichtung führt zu über 30.000 jährlichen Übernachtungen, von denen etwa ein Drittel von Gasthöfen und privaten Zimmervermietern übernommen werden.[6]

Das AOK-Bildungszentrum, im Hintergrund die Pflegegemeinschaft Haus Schönblick

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Untersteinbach liegt an der Landesstraße 1049 von Öhringen nach Mainhardt und ist über den Nahverkehr Hohenlohe an die Stadtbahn angeschlossen.

Bekannte Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur und Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gerhard Taddey (Red.): Pfedelbach 1037–1987. Aus Geschichte und Gegenwart (= Forschungen aus Württembergisch-Franken. Bd. 30). Herausgegeben von der Gemeinde Pfedelbach. Thorbecke u. a., Sigmaringen u. a. 1987, ISBN 3-921429-30-7.
  1. Altgemeinde Geißelhardt Webseite der Gemeinde Mainhardt (abgerufen am 22. August 2012)
  2. Schuppach bei leo-bw (abgerufen am 23. Juli 2012)
  3. Volksgerichtsurteil vom 19. April 1943: http://www.pehawe.de/klaus/Gewalt/Urteil2.htm (Memento vom 28. August 2003 im Internet Archive)
  4. Hartmut Müller: Ein Schwan fliegt auf. In: Hohenloher Zeitung. 17. August 2011 (bei stimme.de [abgerufen am 17. August 2011]).
  5. Bürgerinfo der Gemeinde Pfedelbach 6. Auflage/2007
  6. Website (Memento vom 31. Dezember 2008 im Internet Archive) (abgerufen am 3. Mai 2008)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]