Untersuchungshaftanstalt Hamburg

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Untersuchungshaftanstalt Hamburg
Haupteingangsbereich, Holstenglacis 3
Justizvollzugsanstalts-Information
Name Untersuchungshaftanstalt Hamburg
Bezugsjahr 1881

Die Untersuchungshaftanstalt Hamburg (UH) im Hamburger Justizvollzug, früher auch die Mutteranstalt bzw. bei den Gefangenen kurz Dammtor genannt, befindet sich an der Straße Holstenglacis. Hier werden zunächst alle festgenommenen Personen Hamburgs (mehrere tausend pro Jahr) untergebracht.

Die Untersuchungshaftanstalt dient als Untersuchungsgefängnis, Polizeigefängnis, Anstalt für Zivilhaft (beispielsweise Erzwingungshaft), Vorführungsabteilung für Gerichtsverhandlungen und Transportabteilung. Außerdem verfügt sie über ein Vollzugskrankenhaus (Zentralkrankenhaus-ZKH). Das Gebäude verfügt über unterirdische Verbindungsgänge, durch die das Strafjustizgebäude direkt erreichbar ist.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Untersuchungshaftanstalt wurde in den Jahren 1877–1881 erbaut. Die panoptische Bauweise, welche u. a. auch in der Justizvollzugsanstalt Fuhlsbüttel angewandt wurde, erlaubte einen Blick in alle Flügel des damaligen Gebäudes. Zunächst wurden ausschließlich Einzelhaftplätze eingerichtet.

Bis zum Jahr 1930 folgten das Aufnahmehaus (Haus A) sowie die Frauenabteilung der UHA. Außerdem wurde ein weiterer Flügel mit Haftplätzen fertiggestellt. In diesem befinden sich allerdings keine Einzelhafträume, sondern Säle für bis zu acht Gefangene. Der Verwaltungsflügel der UHA wurde im selben Zeitraum fertiggestellt. Hier sind keine Hafträume anzufinden.

Zentrale Hinrichtungsstätte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenktafel an der Untersuchungshaftanstalt Hamburg für die Opfer der Zeit von 1933–1945
Gedenktafeln an der rückwärtigen Mauer in den Wallanlagen

Am 28. Dezember 1936 legte das Reichsjustizministerium fest, dass Hinrichtungen im Reichsgebiet in 11 ausgewählten Strafvollzugsanstalten mit dem Fallbeil (Guillotine) zu vollziehen seien. Die Untersuchungshaftanstalt Hamburg-Stadt wurde bis 1944 zum Standort einer zentralen Hinrichtungsstätte bestimmt und 1938 mit einem Hinrichtungstrakt und einem neuen, in Berlin-Tegel hergestellten, dauerhaft aufgestellten Fallbeil ausgestattet.[1] Bis 1944 wurden auf dem Hof und im Desinfektionsraum der UHA 468 Hinrichtungen vollstreckt. Zu den bekanntesten Opfern zählen die sogenannten Lübecker Märtyrer, die drei katholischen Priester Johannes Prassek, Eduard Müller und Hermann Lange sowie der evangelische Pastor Karl Friedrich Stellbrink, die am 10. November 1943 enthauptet wurden. Sowohl neben dem Eingang zur Haftanstalt am Holstenglacis als auch an der Rückseite des Geländes, an einer Mauer in den Kleinen Wallanlagen befinden sich Gedenktafeln und Stolpersteine die an die Opfer erinnern, zum Einen allgemein und im Speziellen an die Lübecker Märtyrer sowie an Suzanne Masson und France Bloch-Sérazin, zwei Frauen aus der französischen Résistance, die ebenfalls 1943 an diesem Ort hingerichtet wurden. Am 15. Dezember 1944 fanden die letzten drei Hinrichtungen im Untersuchungsgefängnis statt. Danach wurde die Guillotine in die Strafanstalt Bützow-Dreibergen gebracht und war dort bis zum Kriegsende im Einsatz.[2]

Nach dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Selbst nach dem Krieg stand die Guillotine nicht still. Die britische Besatzungsmacht ließ vom 14. Dezember 1945 bis zum 9. Mai 1949 15 Männer unter anderem wegen Mord, Waffenbesitz und Kriegsverbrechen hinrichten.[3] In den 1950er, 1960er, 1990er und den 2000er Jahren wurden in der Untersuchungshaftanstalt diverse Umbaumaßnahmen und Sanierungen durchgeführt, u. a. wurde das Zentralkrankenhaus der Freien und Hansestadt Hamburg erbaut. Zurzeit erfolgt in einzelnen Bauabschnitten eine Sanierung der bisher noch unsanierten Flügel der UHA. Hierdurch soll die Qualität der Unterbringung verbessert werden und dennoch der Stil dieser Anstalt bewahrt bleiben. Allerdings ist es bis heute immer noch der Fall, dass in einigen Hafträumen keine Steckdosen vorhanden sind.

Sachliche Zuständigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Untersuchungshaftanstalt ist im Bezirk des Hanseatischen Oberlandesgerichtes für den Vollzug der Untersuchungshaft der erwachsenen männlichen und aller weiblichen Untersuchungshaftgefangenen zuständig. Die minderjährigen männlichen Untersuchungshaftgefangenen werden in die JVA Hahnöfersand verlegt.

Bedingt durch Sanierungsarbeiten, welche planmäßig im Frühjahr 2015 beginnen sollen, ist die UHA dann nur noch für den Vollzug der Untersuchungshaft bei männlichen Gefangenen zuständig. Die Jugendlichen und Frauen werden dann durch die JVA Hahnöfersand aufgenommen.

Ein Teil der Männer wird weiter durch die JVA Billwerder aufgenommen.

Dies gilt aber nur bis zum Abschluss der Sanierungsmaßnahmen.

Polizeihaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anders als in anderen Bundesländern werden in Hamburg alle vorläufig Festgenommenen bis zur Anhörung durch den Haftrichter ebenfalls in der Untersuchungshaftanstalt untergebracht. Dies ist in der Bundesrepublik einmalig, da die Polizei ihre Gefangenen bereits vor Erlass eines Haftbefehles an den Justizvollzug übergibt.

Zentralkrankenhaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zentralkrankenhaus arbeiten Ärzte, Krankenpflegepersonal sowie weitere Bedienstete. Selektive chirurgische Eingriffe werden hier vorgenommen, es gibt eine Röntgenabteilung, EEG und Gastroskopie. Außerdem gibt es fachärztliche Konsiliardienste. Sowohl Gefangene aus Hamburg, aber auch aus Schleswig-Holstein und Niedersachsen, werden hier ambulant und stationär medizinisch versorgt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Horst Gädtke: Zeit, Tod und Ewigkeit. Books on Demand GmbH, Norderstedt 2006, S. 290 f. ISBN 3-8334-0491-4
  • Martin Krieger: Geschichte Hamburgs. Reihe Wissen, Verlag C.H. Beck oHG, München 2006, S. 100 f. ISBN 978-3-406-53595-6
  • Andreas Seeger/Fritz Treichel: Hinrichtungen in Hamburg und Altona 1933–1944, Hamburg 1998

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Untersuchungsgefängnis Holstenglacis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Matthias Gretzschel: Ein Fallbeil als Museumsstück. In: Hamburger Abendblatt vom 30. Januar 2014, S. 19.
  2. Andreas Seeger/Fritz Treichel: Hinrichtungen in Hamburg und Altona 1933 - 1944, Hamburg 1998, S. 18
  3. Andreas Seeger/Fritz Treichel: Hinrichtungen in Hamburg und Altona 1933 - 1944, Hamburg 1998, S. 9

Koordinaten: 53° 33′ 29″ N, 9° 58′ 44″ O