Urmensch-Museum

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Urmensch-Museum
Vitrine mit der Schädelkopie

Das Urmensch-Museum in Steinheim an der Murr wurde am 31. Mai 1968 eingeweiht. Das wichtigste und namensgebende Exponat ist eine Nachbildung des Urmenschen-Schädels des Homo steinheimensis, der 1933 in Steinheim gefunden wurde und etwa 400.000 Jahre alt ist. Weitere Ausstellungsexponate und Themen sind die Geologie und Tierwelt aus Steinheim und Umgebung von der Altsteinzeit bis zur Würmeiszeit.

Ausstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Homo steinheimensis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nahansicht des Exponats

Hauptausstellungsstück ist die Schädelkopie des „Steinheimer Urmenschen“. Der Schädel wurde am 24. Juli 1933 in der Mitte einer 15 Meter hohen Kieswand der Sigristschen Kiesgrube von Karl Sigrist (1901–1972), dem Juniorchef beim Kiesabbau, gefunden. Die Ausgrabung wurde von Fritz Berckhemer vorgenommen. Der Originalfund ruht heute im Museum am Löwentor in Stuttgart in einem Stahlschrank.

Der Schädel stammt von einer circa 25 Jahre alten Frau, die vor rund 400.000 Jahren lebte.[1] Beschädigungen an der linken Schädelseite und an der Schädelbasis gaben früher zu der Vermutung Anlass, dass die Frau möglicherweise erschlagen wurde. Nach neueren gerichtsmedizinischen Untersuchungen haben die Beschädigungen jedoch natürliche Ursachen. Aufnahmen im Computertomographen ergaben, dass die Frau an einem Meningeom litt, einem gutartigen Gehirntumor.[1]

Die Bezeichnung Homo steinheimensis besagt nach heutigem Verständnis nur, dass der Schädel in Steinheim gefunden wurde. Es ist keine Bezeichnung einer bestimmten Menschenart. Die Einordnung in die Stammesgeschichte des Menschen ist bis heute umstritten. Das Fossil wird häufig der Art Homo heidelbergensis zugerechnet, andererseits auch als Vorläufer des Neandertalers interpretiert. Gewisse Merkmale des Neandertalers sind allerdings nur undeutlich ausgeprägt.[1]

Seit dem 5. November 2017 steht ein lebensecht wirkendes Körpermodell der Steinheim-Frau als weitere Hauptattraktion im Museum.[2][3][4][5]

Großsäuger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Steinheimer Steppenelefant
Geweih eines Riesenhirsches, Spannweite ca. 2,60 Meter

Das größte Exponat des Museums ist das 1910 in der Kiesgrube Sammet gefundene, rund 4 Meter hohe Skelett des Steinheimer Steppenelefanten (siehe Abbildung rechts; Inventarnummer 12837 des Stuttgarter Museums am Löwentor).

Die Geweihschaufel eines Riesenhirsches (Megaloceros giganteus subsp. inc.) stammt aus dem pleistozänen Schotter der Kiesgrube Sammet und wurde 1937 gefunden (siehe Abbildung rechts; Inventarnummer 18270 des Stuttgarter Museums am Löwentor).

Auch Reste von Europäischen Waldelefanten, Schädel von Auerochse, Wasserbüffel und Steppenbison sowie viele weitere Exponate sind heute im Museum zu sehen. Die meisten Funde stammen aus den kalt- und warmzeitlichen Terrassenschottern der nahegelegenen Flüsse Murr und Bottwar.

Ausstellungsräume[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausstellungsplan

Das Museum besteht aus mehreren Ausstellungsräumen und erstreckt sich über zwei Etagen. In der unteren Etage befinden sich Fundstücke pleistozäner Großsäuger, während in der oberen Etage die Entwicklung der Frühmenschen dargestellt ist.

Geschichte des Museums[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach einem Beschluss des Steinheimer Gemeinderates vom 10. Juni 1966 konnte die Einweihung am 31. Mai 1968 stattfinden. Das Museum bestand zunächst nur aus einem einzigen Raum, einem ehemaligen Klassenzimmer des Kirchschulhauses im sogenannten Hans-Trautwein-Haus.[6] Das Haus trägt seinen Namen nach dem von den Bürgern sehr geschätzten Steinheimer Bürgermeister zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges.

Bereits 1974 konnte das Museum durch einen Anbau erweitert werden. Komplett neu gestaltet wurde das Museum 1982 bis 1983, zu diesem Zeitpunkt erhielt es auch seinen heutigen Namen.

Im März 2017 wurde die in Paris lebende Künstlerin Elisabeth Daynès beauftragt, ein lebensecht wirkendes Modell der Steinheim-Frau zu erschaffen, das anschaulich demonstrieren soll, wie ihr ganzer Körper ausgesehen haben könnte.[7][8] Am 5. November 2017 wurde die fertige Skulptur im Museum enthüllt. Die Kosten betrugen insgesamt 45.000 Euro, davon wurden 30.000 Euro durch eine private Großspende aufgebracht.[2]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl Dietrich Adam: Der Mensch der Vorzeit – Führer durch das Urmensch-Museum Steinheim an der Murr. Theiss, Stuttgart 1984, ISBN 3-8062-0404-7.
  • Karl Dietrich Adam: Der Urmensch von Steinheim an der Murr und seine Umwelt – Ein Lebensbild aus der Zeit vor einer viertel Million Jahren.
  • Raimund Waibel: Urmensch Museum – Steinheim an der Murr. In: Schwäbische Heimat. 2, 1994.
  • Homo steinheimensis – Zur 60. Wiederkehr des Fundtages und zum 25jährigen Bestehen des Urmensch-Museums in Steinheim an der Murr. In: Beiträge zur Heimatkunde. Bd. 43, Steinheim an der Murr 1993.
  • Reinhard Ziegler: 75 Jahre Homo steinheimensis. In (Hrsg.) Historischer Verein Bottwartal e.V.: Geschichtsblätter aus dem Bottwartal Bd. 11, Großbottwar 2008, ISSN 0948-1532.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Steinheimer Urmensch foerderverein-urmensch-museum.de
  2. a b Die Urmenschfrau ist der neue Star Ludwigsburger Kreiszeitung, 6. November 2017.
  3. Die Ur-Steinheimerin von Kopf bis Fuß Detaillierte Erklärung des Körpermodells, in: Stuttgarter Zeitung/Marbacher Zeitung, 18. November 2017 (PDF).
  4. Weitere Presseberichte zu der Skulptur siehe Medienspiegel bei foerderverein-urmensch-museum.de
  5. Bilder der Skulptur foerderverein-urmensch-museum.de, siehe dort auch weitere Bilder (Erschaffung der Skulptur, Transport usw.).
  6. Urmensch-Museum deutsche-museen.de
  7. Urmensch-Museum bekommt eine neue Attraktion Marbacher Zeitung, 15. März 2017.
  8. Urmensch als lebensechte Skulptur Ludwigsburger Kreiszeitung, 17. März 2017.

Koordinaten: 48° 57′ 53,1″ N, 9° 16′ 45,5″ O