Versöhnungskirche (Taizé)

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Das Portal der Versöhnungskirche, wie es sich nach zahlreichen Anbauten heute präsentiert
Mittagsgebet in Taizé

Die Versöhnungskirche (Eglise de la Réconciliation wörtlich: Kirche der Versöhnung) der Communauté de Taizé ist ein moderner Kirchenbau in Taizé.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von oben betrachtet, erinnert der Grundriss der Versöhnungskirche den Formen eines Flugzeugträgers. Die Pläne stammen von Frère Denis Aubert, einem Bruder der Communauté. Auf Bänke und Stühle wurde in der Kirche weitgehend verzichtet. Auch die Brüder sitzen, soweit es ihre Gesundheit zulässt, auf Meditationshockern oder direkt auf dem Boden.

Die acht Glasfenster an der Südseite wurden von Frère Éric de Saussure gestaltet.

Die moderne Architektur der Kirche wurde gelobt, insbesondere der mit Kopfsteinen gepflasterte Wandelgang, auch das Chorgestühl und der große Lüster fanden begeisterte Aufnahme. Nicht so bei der Communauté. Frère Roger schreibt in seinem Tagebuch sogar, am liebsten würde er diese riesige Kirche in die Erde versenken oder zumindest hinter Bäumen verstecken. Den Brüdern missfielen die schroffen Formen und die starre, kühle Innengestaltung. Schon bald wurde das (betonierte) Chorgestühl entfernt, der Fußboden mit Spannteppichen überzogen und die Apsis mit orangen Tüchern gestaltet.

Die Versöhnungskirche ist das ganze Jahr über geöffnet. Von früh morgens bis spät in der Nacht wird die Kirche permanent von Gläubigen besucht. Bei den drei gemeinsamen Gebeten sitzen die etwa 100 Brüder von Taizé in der Mitte, während die an Festtagen und im Sommer bis zu 5.000 Gäste um diesen mittleren Bereich herum auf dem Boden Platz nehmen. Nach dem Abendgebet werden nicht selten bis um Mitternacht Lieder angestimmt, die mehrstimmig gesungen werden. Im deutschsprachigen Raum haben sie Einzug in die Kirchengesangbücher gefunden.

Die Kirche hat zwar eine Art Turm an der Ostseite und kleinere Kuppeln über den modernen Anbauten, diese beherbergen aber keine Glocken. Der Glockenturm von Taizé befindet sich etwa hundert Meter weiter südlich über dem Portal zum Essplatz. Dort finden sich 5 offen sichtbare Glocken.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seiteneingang und Turmhaube der Versöhnungskirche

Die Versöhnungskirche entstand, als die bisher von der Communauté de Taizé verwendete romanische Dorfkirche Hl. Maria Magdalena Welt-Icon zu klein geworden war. Nachdem die Aktion Sühnezeichen sich angeboten hatte, bei einem Kirchenbau mitzuhelfen, plante Frère Denis Aubert das Gotteshaus.

Ab Sommer 1961 halfen Freiwillige aus Deutschland beim Bau. Am 6. August 1962, dem Fest der Verklärung Christi, wurde die Kirche geweiht.[1] Das Kirchweihfest wurde damals bewusst auf den 17. Jahrestag des Atombombenabwurfs auf Hiroshima gelegt.

Ostern 1971 fand die erste große Kirchenerweiterung statt, bei der es auch zum Abriss eines Teils der Fassade kam. Das große „Fenster von der Zukunft Gottes“ (vermutlich von Frère Marc) am Portal wurde dabei entfernt. Seit dieser Kirchenerweiterung wurde die Versöhnungskirche zunächst mit Zelten erweitert, die mittlerweile durch feste Anbauten ersetzt wurden.[2] Jede dieser Erweiterungen ist jedoch so ausgelegt, dass sie auf den Ambo, von dem die Bibellesung erfolgt, ausgerichtet ist. Die einzelnen Teile sind mit Rolltoren versehen, so dass die Kirche - je nach Besucherzahl - erweitert bzw. verkleinert werden kann.

Am 16. August 2005 wurde Frère Roger, der Gründer der ökumenischen Bruderschaft von Taizé, während des Abendgebets in der Versöhnungskirche von einer psychisch kranken Frau erstochen.

Im Frühjahr 2008 wurde das Hauptschiff renoviert. Dazu fanden die Gebete mehrere Wochen lang im abgetrennten hinteren Bereich statt. Die Stufen wurden geebnet und eine Fußbodenheizung installiert. Außerdem wurde die nicht mehr restaurierbare Orgel entfernt und 2009 durch eine neue Orgel ersetzt. Ebenso wurde ein neuer Altar geschaffen.

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2009 wurde eine neue Orgel aus der Werkstatt von Gerhard Grenzing eingebaut. Das Instrument hat 19 Register auf zwei Manualen und Pedal. Die Register des I. Manuals stehen (mit Ausnahme der Register 1 und 9) auf Wechselschleifen und lassen sich vom II. Manual aus anspielen.[3]

I Manual C–g3
1. Montre 8′
2. Bourdon 8′
3. Suavial 8′
4. Prestant 4′
5. Flûte à Cheminée 4′
6. Nazard 223
7. Doublette 2′
8. Tierce 135
9. Fourniture III 113
Tremblant doux
II Manual C–g3
10. Bourdon (= Nr. 2) 8′
11. Suavial (= Nr. 3) 8′
12. Prestant (= Nr. 4) 4′
13. Flûte à Cheminée (= Nr. 5) 4′
14. Nasard (= Nr. 6) 223
15. Doublette (= Nr. 7) 2′
16. Tierce (= Nr. 8) 135
Pedal C–f1
17. Soubasse 16′
18. Basse 8′
19. Bombarde douce 16′
  • Koppeln: II/I (auch als Suboktavkoppel), I/P, II/P

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. vgl. Christian Feldmann: Frère Roger, Taizé: Gelebtes Vertrauen. Herder, Freiburg u. a. 2005, ISBN 978-3-451-29103-6, S. 43.
  2. Christian Feldmann: Frère Roger, Taizé: Gelebtes Vertrauen. Herder, Freiburg u. a. 2005, ISBN 978-3-451-29103-6, S. 8.
  3. Zur Orgel der Versöhnungskirche

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Reconciliation church in Taizé – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 46° 30′ 56,4″ N, 4° 40′ 41,2″ O