Senkrechtstartanlage für Flugkörper

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VLS-Zellen an Bord der USS San Jacinto (CG-56)

Eine Senkrechtstartanlage für Flugkörper, im englischen Sprachraum als Vertical Launching System (VLS) bezeichnet, ist ein System, mit dem Raketen sowohl von U-Booten als auch von Überwasser-Kriegsschiffen gestartet werden können. Die Raketen stehen dabei aufrecht in Startrohren.

Entwicklung und Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laden eines Kanisters für vier RIM-162 ESSM in einen VLS-Schacht der USS McCampbell

Ursprünglich entwickelt, um die riesigen Interkontinentalraketen von SSBNs starten zu können, ist auf vielen Schiffen heute ein verkleinertes VLS vorhanden, mit dem beispielsweise Marschflugkörper vom Typ BGM-109 Tomahawk oder Flugabwehrraketen gestartet werden können. Der große Vorteil gegenüber anderen Systemen ist hierbei die höhere Feuerrate (alle Raketen können sehr schnell hintereinander gefeuert werden). Dies bedeutet jedoch auch, dass ein Nachladen auf hoher See (im Gegensatz etwa zu Torpedorohren) nur mit Hilfe eines Tenders (Versorgungsschiff) möglich ist. Weitere Vorteile liegen in der größeren Toleranz gegenüber Schäden sowie der Verringerung des Radarquerschnitts im Vergleich zu Aufdeck-Startersystemen.

Heißstart und Kaltstart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Umleitung der Flammen beim heißen Raketenstart

Es gibt zwei Arten Raketen vertikal starten zu lassen. Den Heißstart (eng. hot launch), bei dem die Rakete bereits im Schacht gezündet wird, und den Kaltstart (eng. cold launch) bei dem die Raketen mittels Gasdruck (Druckluft) aus dem Startcontainer herausgeschleudert wird und nach Verlassen des Containers in der Luft ihre Triebwerke zündet. Letzteres Verfahren hat den Vorteil, dass es sicherer für die Umgebung ist, während beim Heißstart ein Umlenksystem für Flammen und Abgase nötig ist.

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Start einer SM-3 von Bord der USS Lake Erie.
Deutlich sichtbar sind die umgeleiteten Flammen vom Raketenstart.

Das System der United States Navy, bekannt als MK 41 VLS, kann Flugkörper vom Typ RIM-7 Sea Sparrow, RIM-162 Evolved Sea Sparrow Missile (Quadpack, s. u.) und Standard Missile (Kurz- bzw. Mittel- bis Langstrecken-FlaRak), VLASROC (Anti-U-Boot-Waffe, die einen Torpedo Mk 46 über Wasser ins Zielgebiet befördert) und Tomahawk laden und feuern, über eine Erweiterung dieser Palette wird nachgedacht.

Besonders auf Schiffen mit Aegis-Kampfsystem (z. B. Ticonderoga-Klasse) ist ein VLS sehr verbreitet; es wird jedoch auch auf Nicht-Aegis-Schiffen eingesetzt. Ausgehend von den britischen Fregatten der Duke-Klasse, hat sich das VLS inzwischen auch auf europäischen Kriegsschiffen verbreitet. Moderne Lenkwaffenzerstörer wie die Daring-Klasse oder Lenkwaffenfregatten wie die deutsche Brandenburg- oder Sachsen-Klasse sowie die italienisch-französische Horizon-Klasse verfügen über VLS für Luftabwehr- und Marschflugkörper.

Westliche Marinen benutzen ein System, das pro Zelle einen Flugkörper enthält, während Russland und die Volksrepublik China ein Revolvermagazin bevorzugen, das mehrere Flugkörper pro Schacht enthält. Einzige Ausnahme bilden die neuen ESSM-Flugkörper der westlichen Marinen, sie werden in sogenannten Quad-Packs gelagert, wodurch vier Flugkörper in einer Zelle gelagert werden können.

Systeme und Verwender[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sylver VLS-Zellen an Bord des italienischen Zerstörers Caio Duilio (D 554)
  • MK 41 Vertical Launching System: USA, Kanada, Deutschland, Spanien, Niederlande, Norwegen, Türkei, Südkorea, Japan, Australien
  • MK 48 VLS: Kanada, Belgien, Japan, Portugal
  • MK 56 VLS: Dänemark
  • Sylver VLS: Frankreich, Italien, Großbritannien, Saudi-Arabien, Singapur
  • GWS 26 VL Sea Wolf: Großbritannien, Brasilien, Chile, Malaysia

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Senkrechtstartanlagen für Flugkörper – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien