Virginiazigarre

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Virginiazigarren oder Virginier (Einzahl: Virginia) sind lange, dünne Zigarren mit Mundstück.

Bezeichnung und Beschaffenheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ihre Bezeichnung schöpft die Virginiazigarre daraus, dass sie ursprünglich aus besonders gut abgelegenem Virginia-Tabak hergestellt wurde, der über Hickoryholzfeuern getrocknet wurde. Man nennt diesen (noch heute angewendeten) Vorgang „dark fire-cured“. Dieser dient zum einen als Konservation des Tabaks; zum andern gibt er der Zigarre auch ihren speziellen rauchigen Geschmack. Neben Virginia werden teilweise auch Burley-, Kentucky- und Maryland-Tabak eingesetzt. Erfinder sind die Azteken, die um ein Schilfrohr gewickelte Tabakblätter rauchten.

Das kennzeichnende Mundstück kann ein Stroh- oder Plastikrohr sein. Überdies kann ein getrockneter Grashalm eingearbeitet sein, der die ganze Zigarre durchzieht. Er muss vor dem Rauchen entfernt werden und gibt so einen Rauchkanal frei. Dieser Kanal ist dem Zugverhalten der Zigarre förderlich, da der Tabak besonders feucht verarbeitet und dadurch besonders dicht ist.

Ein – etwa aus den Filmen mit Wachtmeister Studer – bekanntes Anzündezeremoniell besteht darin, den Grashalm herauszuziehen, das Ende der Zigarre fingerbreit abzubrechen und mit dem brennenden Halm so lange anzuheizen, bis der Rauch durch das Mundstück tritt.

Hersteller[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Brissago originale
Original-Krumme Junior

In Österreich wurden Virginiazigarren seit 1844 hergestellt. Die ab 1920 errichtete Zigarrenfabrik Stein an der Donau produzierte nach ihrer Fertigstellung 1923 enorme Stückzahlen, wodurch 800 Frauen Beschäftigung fanden. 1931 wurden 75 Millionen Stück hergestellt, die zu einem guten Teil in den Export gingen. Ebenso schuf die Austria-Tabak mit ihren weiteren neuen Zigarrenfabriken, etwa in Hainburg, in der Ersten Republik tausende Arbeitsplätze für Frauen, noch dazu mit vorbildlichen Sozialleistungen.

Unter den Zigarren hatten sie (als Erzeugnis der Austria Tabak, vormals Österreichische Tabakregie) einen Marktanteil von zehn Prozent bei einem Absatzvolumen von 3,2 Millionen Stück (1997). Sie waren Kaiser Franz Josephs Lieblingszigarren, daher im Volksmund auch unter dem Namen „Kaiserliche“ bekannt. Auch Bundeskanzler Julius Raab rauchte diese Zigarren, sogar bei offiziellen Anlässen.

Die Produktion und der Vertrieb aller drei Sorten (Virginier, Spezial Regie Virginier und Jubiläumsvirginier) wurden vom neuen Eigentümer Japan Tobacco im Oktober 2008 eingestellt.

Seit September 2009 vertreibt die österreichische Firma R & G die Zigarren Virginia und Virginia Special, hergestellt von der Tabacalera Altagracia in der Dominikanischen Republik. Seit September 2011 wird in Österreich die Pedroni Virginia aus 100 % reinem darkfired Virginia-Tabak angeboten, hergestellt von der durch die Toscano-Zigarre bekannten italienischen Manifatture Sigaro Toscano.

Seit 1847 wird in Brissago unter dem Namen Brissago Originale eine leicht gekrümmte Zigarre mit eingearbeitetem Grashalm hergestellt. Die Tessiner Fabrik gehört heute zum Schweizer Tabakwarenhersteller Burger Söhne. Der Schweizer Mitbewerber Villiger ist mit seinen Virginia-Zigarren Original Krumme und Original Krumme Junior (vertrieben unter den Exportmarken Curly und Culebras) auch in Österreich und Deutschland flächendeckend vertreten. Seit Ende August 2009 bietet Villiger zudem die „klassische“ gerade Virginia an.

Eine weitere Anbieterin ist die deutsche Cigarrenmanufaktur Wolf & Ruhland, welche die vollständig handgefertigte Edelweiss Virginia (Sorte blau mit mildem Sumatra-Deckblatt sowie Sorte rot mit kräftigem Virginia-Deckblatt) sowie die ebenfalls in Handarbeit hergestellte mit echtem Strohhalm-Mundstück versehene Kleine Herren Virginia (gerade und gezöpfelt) im Sortiment hat. Es handelt sich um reine Tabak-Produkte; auf die Verwendung von Bandtabak sowie künstlichen Tabakzusatzstoffen (etwa Brandbeschleuniger oder Feuchthaltemittel) wird zur Gänze verzichtet. Die gesamte Produktion findet am Standort im niederbayerischen Perlesreut statt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]