Virtuelle Fachbibliothek Recht

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Die Virtuelle Fachbibliothek Recht (ViFa Recht) ist eine virtuelle Fachbibliothek, die Fachinformationen im Internet auf dem Gebiet der Rechtswissenschaft in einem Internetportal unter einer einheitlichen Oberfläche zur Recherche bereitstellt. Sie ist seit 2014 Teil des Fachinformationsdienstes für internationale und interdisziplinäre Rechtsforschung.

Organisation und Finanzierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Virtuelle Fachbibliothek Recht wurde am 18. Januar 2005 freigeschaltet.[1] Sie wurde an der Staatsbibliothek zu Berlin eingerichtet, wo auch das Sondersammelgebiet Recht betreut wurde. Während sich letzteres auf die Beschaffung und den Nachweis „konventioneller fachwissenschaftlicher Literatur“ beschränkte, bezieht die Virtuelle Fachbibliothek Recht digitale Quellen mit ein. Das Portal wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziert.[2]

Seit 2014 wurde die ViFa Recht in den Fachinformationsdienst für internationale und interdisziplinäre Rechtsforschung eingegliedert, der an der Staatsbibliothek zu Berlin errichtet worden ist.

Vorbereitungen und Zielsetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Einrichtung der ViFa Recht waren seit 2001 umfangreiche Untersuchungen über den speziellen Informationsbedarf von Rechtswissenschaftlern vorausgegangen.[3] Die Studien kamen zu dem Ergebnis, dass die rechtswissenschaftliche Forschung und Lehre im Vergleich zu anderen Fächern einen überdurchschnittlichen Informationsbedarf aufweise.[4] Rechtswissenschaftler benötigten demnach im Vergleich zu den Wissenschaftlern anderer Fächer deutlich mehr Zeit sowohl für die Recherche von Fachinformationen als auch für das Aussondern irrelevanter Fundstellen.[5] Die Suche nach gedruckten Quellen stehe ganz im Vordergrund, während im Vergleich zu anderen Disziplinen damals sehr viel weniger in Online-Datenbanken recherchiert worden sei.[6] Die Befragten wünschten sich vor allem eine Verbesserung der Verschlagwortung von Dokumenten und aussagefähige Abstracts. Die Suchergebnisse sollten besser strukturiert werden als es bisher in den Bibliothekskatalogen üblich gewesen sei, und der Zugang zu Volltexten sollte erleichtert werden.[7]

Die in der ViFa Recht verfügbaren Quellen wurden daraufhin in einem Sammelprofil zusammengefasst, aus dem sich zusammen mit bestimmten Qualitätskriterien ergeben soll, welche Onlinequellen nachgewiesen werden. Bei der Auswahl stehen die Bedürfnisse von Wissenschaftlern im Verhältnis zu denjenigen praktisch arbeitender Juristen im Vordergrund. Rechtswissenschaftliche Laien gehören nicht zur Zielgruppe.[8] Das Angebot umfasste demnach insbesondere keine Gesetzestexte als Volltexte und keine Rechtsprechung. Es sollte ausdrücklich keine Konkurrenz zu den bestehenden kommerziellen Datenbankanbietern in diesem Segment aufgebaut werden.[9]

Module[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Virtuelle Fachbibliothek Recht umfasst folgende Module:

  • Ein Discovery-System bietet über EBSCOHost einen Zugriff auf die an der Staatsbibliothek Berlin gesammelte juristische Literatur und auf weitere Datenbankdienste.
  • Eine benutzerdefinierte Google-Suche bietet einen Zugriff auf juristisch relevante Internetseiten (einschließlich journalistischer Angebote).
  • Eine systematische Suche stellt in Form eines kommentierten Webverzeichnisses etwa 4500 rechtswissenschaftlich relevante Internetquellen zusammen, die nach Rechtsgebieten, Art der Ressource und Ländern geordnet sind.
  • Eine Aufsatzsuche weist die rechtswissenschaftliche Aufsatzliteratur aus dem Online-Katalog des Südwestdeutschen Bibliotheksverbundes nach. Benutzer mit entsprechenden Zugriffsrechten können – ebenfalls über ein Webinterface – auf den Katalog Online Contents Recht des Gemeinsamen Bibliotheksverbunds zugreifen.
  • Rechtswissenschaftliche Zeitschriften werden aus der Zeitschriftendatenbank (ZDB) nachgewiesen.
  • Außerdem werden Volltexte aus Open-Access-Repositorien nachgewiesen.
  • Von von der Deutschen Nationalbibliothek erstellter wöchentlicher Neuerscheinungsdienst ist in das Portal eingebunden.
  • Angeschlossen an das Portal ist seit 2015 ein Repositorium für rechtswissenschaftliche Volltexte (intR²Dok).

Kritik und Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon beim Start der ViFa Recht wurde vielfach kritisiert, dass das Portal im Vergleich zu den einzelnen Angeboten, die es unter seiner Oberfläche zugänglich macht, keinen wirklichen Mehrwert biete.[10] Die anfangs noch frei abrufbaren Online Contents Recht konnten seit 2007 nicht mehr von jedermann genutzt werden.[11] Auch wurde beklagt, dass juristische Weblogs nicht erfasst würden.[12] Hinsichtlich des Repositoriums intR²Dok wurde beklagt, dass dies nur den Angehörigen von Forschungseinrichtungen offenstehe, also beispielsweise nicht Rechtsanwälten oder den anderen juristischen Berufsträgern.[13] Das Angebot wurde seitdem leicht erweitert, vor allem wurde das deutsche Bundesrecht sowie diverse Urteilssammlungen in die Suche nach Internetquellen aufgenommen. Vier Jahre nach dem Start der Fachbibliothek war das Angebot unter Rechtswissenschaftlern wenig bekannt und wurde vergleichsweise selten genutzt.[14]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Angela Pohl, Ivo Vogel: Die Virtuelle Fachbibliothek Recht - Fachportal für die Rechtswissenschaft!? In: RBD - Recht - Bibliothek - Dokumentation. Band 36, Nr. 3, 2006, S. 110–128.
  • Angela Pohl/Ivo Vogel: Die Virtuelle Fachbibliothek Recht: Fachportal für die Rechtswissenschaft!?, in: Recht, Bibliothek, Dokumentation: Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft für Juristisches Bibliotheks- und Dokumentationswesen 36 (2006), S. 110–128. ISSN 2194-9646

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nina Causemann: ViFa Recht - Virtuelle Fachbibliothek Recht ist online! Mailingliste InetBib, 19. Januar 2005, abgerufen am 19. Februar 2011.
  2. Nina Causemann, Ivo Vogel: Die Virtuelle Fachbibliothek Recht: Konzept, Module, Ausblick. In: Bibliotheksdienst. Band 39, Nr. 5, 5, S. 599–614 (Die Virtuelle Fachbibliothek Recht: Konzept, Module, Ausblick (Memento vom 20. August 2013 im Internet Archive) [PDF] 599, wörtliches Zitat ebenda).
  3. Nina Causemann, Ivo Vogel: Die Virtuelle Fachbibliothek Recht: Konzept, Module, Ausblick. In: Bibliotheksdienst. Band 39, Nr. 5, 5, S. 599–614 (Die Virtuelle Fachbibliothek Recht: Konzept, Module, Ausblick (Memento vom 20. August 2013 im Internet Archive) [PDF] 602ff.).
  4. Nina Causemann, Ivo Vogel: Die Virtuelle Fachbibliothek Recht: Konzept, Module, Ausblick. In: Bibliotheksdienst. Band 39, Nr. 5, 5, S. 599–614 (Die Virtuelle Fachbibliothek Recht: Konzept, Module, Ausblick (Memento vom 20. August 2013 im Internet Archive) [PDF] 603).
  5. Nina Causemann, Ivo Vogel: Die Virtuelle Fachbibliothek Recht: Konzept, Module, Ausblick. In: Bibliotheksdienst. Band 39, Nr. 5, 5, S. 599–614 (Die Virtuelle Fachbibliothek Recht: Konzept, Module, Ausblick (Memento vom 20. August 2013 im Internet Archive) [PDF] 603, Zitat=Während der Durchschnitt aller Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für die Recherche und Beschaffung monatlich etwa 25 Stunden der eigenen Zeit aufwendet, sind es in der Rechtswissenschaft 32 Stunden. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter rechtswissenschaftlicher Institutionen recherchieren und beschaffen 46 Stunden im Monat Informationen, während der Durchschnitt bei knapp 25 Stunden liegt).
  6. Nina Causemann, Ivo Vogel: Die Virtuelle Fachbibliothek Recht: Konzept, Module, Ausblick. In: Bibliotheksdienst. Band 39, Nr. 5, 5, S. 599–614 (Die Virtuelle Fachbibliothek Recht: Konzept, Module, Ausblick (Memento vom 20. August 2013 im Internet Archive) [PDF] 603).
  7. Nina Causemann, Ivo Vogel: Die Virtuelle Fachbibliothek Recht: Konzept, Module, Ausblick. In: Bibliotheksdienst. Band 39, Nr. 5, 5, S. 599–614 (Die Virtuelle Fachbibliothek Recht: Konzept, Module, Ausblick (Memento vom 20. August 2013 im Internet Archive) [PDF] 602f.).
  8. ViFa Recht (Hrsg.): Sammelprofil für den Fachinformationsführer der Virtuellen Fachbibliothek Recht. November 2005, S. 1 f. (vifa-recht.de [PDF; abgerufen am 19. Februar 2011]).
  9. ViFa Recht (Hrsg.): Sammelprofil für den Fachinformationsführer der Virtuellen Fachbibliothek Recht. November 2005, S. 6 (vifa-recht.de [PDF; abgerufen am 19. Februar 2011]).
  10. Klaus Graf: Virtuelle Fachbibliothek Recht: Fall für den Rechnungshof? In: Archivalia. 20. Januar 2005 (hypotheses.org [abgerufen am 25. Oktober 2016]).
  11. Klaus Graf: Aufsatzdatenbanken zur Rechtsgeschichte. In: Archivalia. 26. Mai 2007 (hypotheses.org [abgerufen am 25. Oktober 2016]).
  12. Jürgen Plieninger: ViFaRecht online. In: Netbib. 19. Januar 2005, abgerufen am 19. Februar 2011.
  13. Klaus Graf: Rechtsanwälte diskriminiert: Rechtswissenschaftliches Repositorium nur für institutionengebundene Forscher. In: Archivalia. 24. März 2015 (hypotheses.org [abgerufen am 25. Oktober 2016]).
  14. Henning Ernst Müller: Kennen Sie die „Virtuelle Fachbibliothek Recht“? In: beck-blog. 30. September 2009, abgerufen am 19. Februar 2011.