Volkskammerwahl 1986

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Sitze in der Volkskammer nach der Wahl 1986

Die Wahl zur Volkskammer der DDR 1986 war die Wahl zur 9. Volkskammer der DDR und fand am 8. Juni 1986 statt.[1] Sie war eine Scheinwahl. Es konnte lediglich über die Einheitsliste der Nationalen Front abgestimmt werden. Die Wahl hatte auf die Stärke der Fraktionen keinen Einfluss. Deren Größe wurde im Voraus festgelegt.

Wahlergebnis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wahlbeteiligung lag nach offiziellen Angaben mit 12.402.013 abgegebenen Stimmen bei 12.434.444 registrierten Wählern bei 99,74 %. 2407 Stimmen wurden als ungültig gewertet. Damit wurden 99,94 % Zustimmung (12.392.094 Stimmen) zum Wahlvorschlag der Nationalen Front gezählt, 7512 Personen oder 0,06 % hatten demnach gegen ihn gestimmt.[2][3]

Partei/Gruppe Akronym Sitze
Sozialistische Einheitspartei Deutschlands SED 127
Freier Deutscher Gewerkschaftsbund FDGB 61
Christlich-Demokratische Union Deutschlands CDU 52
Liberal-Demokratische Partei Deutschlands LDPD 52
Demokratische Bauernpartei Deutschlands DBD 52
National-Demokratische Partei Deutschlands NDPD 52
Freie Deutsche Jugend FDJ 37
Demokratischer Frauenbund Deutschlands DFD 32
Kulturbund KB 21
Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe VdgB 14

Wahlfälschungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wahlrecht der DDR erlaubte auf dem Papier die öffentliche Kontrolle der Wahlauszählung. In der Praxis fand dies aus Angst vor Repressionen nicht statt. Bei den Volkskammerwahlen 1986 wagte eine Gruppe um Pfarrer Rainer Eppelmann diese Kontrolle in acht Wahllokalen in Berlin-Friedrichshain. Allein in diesen acht Wahllokalen nahmen 547 Wähler nicht an der Wahl teil. Das offizielle Wahlergebnis wies jedoch für ganz Ost-Berlin lediglich 840 Bürger auf, die nicht zur Wahl gegangen seien. Mit hoher Wahrscheinlichkeit lag somit Wahlfälschung vor. Bei den Kommunalwahlen in der DDR 1989 wurden nach dem gleichen Muster Kontrollen durch Bürger vorgenommen. Die dort aufgedeckten Wahlfälschungen waren ein Auslöser der Wende.[4]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sekretariat der Volkskammer im Auftrag des Präsidenten der Volkskammer der DDR (Hrsg.): Die Volkskammer der Deutschen Demokratischen Republik. 9. Wahlperiode. Staatsverlag der DDR, Berlin 1987.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Volkskammer (9th period) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wahlsystem der DDR-Volkskammerwahlen. wahlrecht.de; abgerufen am 6. Juni 2015.
  2. Historical Archive Of Parliamentary Election Results - Germany (PDF; 15,3 kB). Inter-Parliamentary Union (englisch).
  3. Hermann Weber: Die DDR 1945–1990 (= Oldenbourg Grundriss der Geschichte. 20). 5., aktualisierte Auflage. Oldenbourg, München 2012, ISBN 3-486-70440-0, S. 107.
  4. Hans Michael Kloth: Vom „Zettelfalten“ zum freien Wählen. Die Demokratisierung der DDR 1989/90 und die „Wahlfrage“. Links, Berlin 2000, ISBN 3-86153-212-3, S. 269 ff. (online; Zugleich: Lüneburg, Universität, Dissertation, 1999).