Würfelzucker

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Würfelzucker

Würfelzucker (auch Stückenzucker) ist befeuchteter, zu kleinen meist quaderförmigen Portionen gepresster und anschließend getrockneter Kristallzucker.

Würfelzucker wird im Handel in unterschiedlichen Formen und mit unterschiedlichen Zuckerarten angeboten. Neben den handelsüblichen Zuckerwürfeln aus weißem Kristallzucker existiert entsprechend auch Würfelzucker aus braunem Rüben- und Rohrzucker. Auch die Form kann variieren – dabei werden neben den Würfeln auch Zuckerstücke in Form von Kleeblättern, Herzen, Spielkartensymbolen und anderen Formen produziert. Ein in Deutschland handelsüblicher Zuckerwürfel (Weißzucker) wiegt ca. 3 g,[1] wobei die Kantenlängen 16, 16 und 11 mm betragen. Als Würfel-Zucker werden allgemein alle in Quader- oder andere Formen vergleichbarer Größe gepressten Produkte bezeichnet, auch wenn sie keine Würfel im geometrischen Sinne sind.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Würfelzucker wurde vom Handel als Alternative zu den bis in das 19. Jahrhundert üblichen, ähnlich hergestellten Zuckerbroten und Zuckerhüten vertrieben. Bei letzteren handelte es sich um große Stücke Kristallzucker in Kegelform, die nach dem Trocknen der Zuckermasse steinhart waren. Solch ein Zuckerhut kam in Größen bis zu 1,50 m Höhe auf den Markt und war teuer. Wurde Zucker im Haushalt, etwa für einen Kaffeeklatsch, benötigt, waren aus diesem Kegel kleinere Stücke herauszulösen. Man bediente sich dazu eines Werkzeugs: Verwendet wurde ein Zuckerhammer, eine Zuckerhacke oder ein Zuckerbrecher.

Als Erfinder des Würfelzuckers gilt Jacob Christoph Rad; er war Leiter einer Zuckerfabrik im mährischen Datschitz (tschech. Dačice). Für die Herstellung schuf Rad ein Model aus Blechstreifen, das einer heutigen Schale für Eiswürfel ähnelte, und für das er 1843 ein Patent erhielt. Der feuchte Zucker wurde in das Model gefüllt und getrocknet; anschließend konnten die Zuckerwürfel entnommen werden.

1875 erfand der Franzose Eugène François eine Maschine, um Zuckerstücke in Würfel zu zerkleinern. Der Belgier Théophile Adant goss um 1900 das vor der Kristallisation stehende Zucker-Magma in Platten, die dann zu Riegeln oder Würfeln zersägt wurden (Adant-Prozess).[2] Dieser Herstellungsweg war bis in die 1940er Jahre der Standardweg zur Würfelzuckerproduktion. 1949 entwickelte der Franzose Louis Chambon eine Rotationsmaschine, in der Zuckerkristalle zu Würfeln gepresst werden (Chambon-Prozess).[3][4] Diese Technik, Streuzucker, in der Regel feuchten, feinkristallinen Zucker, in Würfel- oder auch andere Formen zu pressen, ist seitdem in unterschiedlichen Varianten (Höveler-, Elba-, Chamdon- und Vibro-Prozess) das übliche Verfahren, um Würfelzucker industriell herzustellen.[2]

Verpackung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verpackungsbeispiele

Bis in die 1990er Jahre war es weit verbreitet, dass in Cafés, Restaurants, Hotels usw. eingepackte Zuckerwürfel, meist zwei in einer Einheit, zum Kaffee gereicht wurden. Die Packungen waren bedruckt mit Angaben zum Gastronomiebetrieb oder zur Kaffeesorte oder sie zeigten Firmenwerbung, Astrologisches, neutrale Muster oder – weniger häufig – politische Statements (siehe Beispiele). Inzwischen ist diese Art der Darreichung seltener geworden, und es haben sich Tütchen mit losem Zucker mehr und mehr durchgesetzt. In Cafés der gehobeneren Preisklasse findet sich noch häufig Würfelzucker in einer Zuckerdose mit beigelegter Zuckerzange.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Harry Kaysers, Hubert Schweck, Hans-Joachim Delavier: Special crystal sugar products. Cube sugar, nib sugar and loaf sugar. In: Pieter van der Poel, Hubert M. Schieweck, Thomas K. Schwartz: Sugar Technology. Beet and Sugar Cane Manufacture. Verlag Dr. Albert Bartens KG, Berlin 1998, ISBN 3-87040-065-X, S. 962–964.
  • Eintrag Zucker. In: Meyers Enzyklopädisches Lexikon. Band 25. Bibliographisches Institut, Lexikonverlag, Mannheim/Wien/Zürich 1975, S. 778.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Würfelzucker – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Würfelzucker – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Beschreibung auf einer Packung Würfelzucker von der Südzucker AG zu 500 g mit 168 Zuckerwürfeln
  2. a b Harry Kaysers, Hubert Schweck, Hans-Joachim Delavier: Special crystal sugar products. Cube sugar, nib sugar and loaf sugar. In: Pieter van der Poel, Hubert M. Schieweck, Thomas K. Schwartz: Sugar Technology. Beet and Sugar Cane Manufacture. Verlag Dr. Albert Bartens KG, Berlin 1998, ISBN 3-87040-065-X, S. 962–964.
  3. Wer hat den Zuckerwürfel erfunden? In: Basler Zeitung. 21. Dezember 2009, archiviert vom Original am 5. Mai 2010; abgerufen am 2. Dezember 2010.
  4. Le sucre en morceau. Darstellung auf www.lesucre.com.