Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt (Dorfen)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Kirche Mariä Himmelfahrt

Die Wallfahrts- und Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt Dorfen auf dem Ruprechtsberg über Dorfen ist ein fast kompletter Neubau von 1784. Nach Einsturz des Langhaus-Gewölbes im Jahr 1782 erfolgte unter Einbeziehung des spätgotischen Chors und Turmunterbaus ein Wiederaufbau durch Mathias Rösler. Es entstand ein frühklassizistischer Wandpfeilerbau von 54 Meter Länge.

Kirchen- und Wallfahrtsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Hochmittelalter stand an gleicher Stelle eine Marienkapelle, die um 1350 durch die große gotische Hallenkirche ersetzt wurde. Von Anbeginn an war Dorfen eine Filiale der Pfarrei Oberdorfen. Die ersten Wallfahrten zur Muttergottes nach Dorfen dürften schon im 15. Jahrhundert eingesetzt haben. Sicheres darüber gibt es jedoch erst seit 1632, da davor liegende Aufzeichnungen im Dreißigjährigen Krieg verlorengegangen sind. Die oberhirtliche Bestätigung des wundertätigen Marienbildes war im Jahre 1707. Da der rasant ansteigende Pilgerzustrom nur von einer großen Zahl Priester bewältigt werden konnte, entstand 1717–19 im Westen der Wallfahrtskirche ein Priesterhaus, zwischen 1775 und 1804 war dort auch ein Teil des Freisinger Priesterseminars untergebracht. Im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts erreichte die Wallfahrt ihren Höhepunkt: an die vier Millionen Wallfahrer kamen zum heiligen Berg Dorfens, zuweilen zweitausend an einem Tag. Im Jahr 1785 empfingen 58.000 Pilger in Dorfen die Kommunion, zwischen April und November wurden 5.400 Messen gelesen. 1782 stürzte das Langhaus der Kirche ein und daraufhin wurde die Kirche unter Einbeziehung des spätgotischen Chors und Turmunterbau von Mathias Rösler als frühklassizistische Hallenkirche wieder aufgebaut. Nach der Säkularisation 1803 ließ der Zustrom an Pilger stark nach. 1813 wurde Dorfen zur eigenständigen Pfarrei, mit den Filialen Marktkirche St. Vitus, Pestkirche St. Sebastian, St. Andreas Kleinkatzbach, St. Peter und Paul Hampersdorf, St. Johannes d. T. Jaibing, St. Jakobus Jakobrettenbach, St. Nikolaus Staffing sowie die mittlerweile abgebrochene Hl. Blut Rinning. Von 1953 bis 1957 war Georg Ratzinger Kooperator, Organist und Kapellmeister der Dorfener Kirchengemeinde.

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Altar

Das Innere, dreiachsig durch kräftige Kompositwandpfeiler und Kappengewölbe raumgestaltet, wird geprägt von dem sparsamen Stuck und den Deckenfresken von 1786 sowie dem spätbarocken Hochaltar. An den Wandpfeilern sind hervorragende Figuren der Zwölf Apostel (teilweise von Christian Jorhan dem Älteren) angebracht. Die Deckenfresken, die Johann Huber angefertigt hat, zeigen von der Empore zum Chor Engelskonzert, Geburt Mariä, Mariä Heimsuchung, Darstellung Jesu im Tempel sowie (im Chor) fünf Ausrufungen aus der Lauretanischen Litanei und dem Maria Himmelfahrts-Patrozinium. Die beiden in blau gehaltenen Seitenaltäre mit Altarblättern von Josef Huber sind den Heiligen Johann Nepomuk und Bischof Nikolaus gewidmet; auf deren Leuchterbänken Silberbüsten von Hll. Joachim und Anna. Die klassizistische Stuckmarmor-Kanzel stammt vom Erdinger Franz Schussmann. Bedeutendstes Kunstwerk, obwohl nur eine Rekonstruktion, ist der Hochaltar. Der originale Spätbarockaltar (1748/49) von Egid Quirin Asam wurde bis auf den unteren Bereich 1868 durch einen Historismus-Altar ersetzt. Pfarrer Hermann Eigner ließ 1963–1971 den Asam-Altar wieder rekonstruieren, in dem wie seit dem Mittelalter das Gnadenbild integriert ist.

Orgeln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptorgel

Hauptorgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Orgel wurde 1964 von Orgelbau Zeilhuber gebaut, und hatte 34 Register auf drei Manualen und Pedal. Im September 2013 wurde sie durch den Orgelbauer Utz aus Regensburg und den Orgelbauer Weber aus Landshut restauriert und erweitert. Ostern 2014 wurde sie wieder eingeweiht. Sie verfügt heute über 40 Register, verteilt auf drei Manuale und Pedal. Auch ein neuer Spieltisch wurde gebaut und das Schwellwerk erhielt eine neue Dämmung. Die Spiel- und Registertrakturen sind elektrisch. Die Disposition lautet wie folgt:

I Hauptwerk C–g3
Großgedackt 16′
Prinzipal 8′
Voce umana 8′
Rohrflöte 8′
Oktave 4′
Schweizerpfeife 4′
Quinte 223
Waldflöte 2′
Terz 135
Mixtur V 113
Trompete 8′
II Positiv C–g3
Gedackt 8′
Koppelflöte 4′
Prinzipal 2′
Spitzquinte 113
Sifflöte 1′
Zimbel III 12
Krummhorn 8′
III Schwellwerk C–g3
Bordun 16′
Bordun 8′
Holzflöte 8′
Weidenpfeife 8′
Vox coelestis 8′
Ital. Prinzipal 4′
Blockflöte 4′
Nasat 223
Schwiegel 2′
Rauschpfeife III 2′
Oboe 8′
Tremulant
Pedal C–f1
Prinzipalbass 16'
Subbass 16′
Quintbass 1023
Oktavbass 8′
Pommer 8′
Choralbass 4′
Flachflöte 2′
Pedalmixtur II 223
Bombarde 16′
Fagott 8′
Feldtrompete 4′

Chororgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor dem Altarraum befindet sich eine Chororgel mit 10 Registern. Auch sie wurde zusammen mit der Hauptorgel renoviert. Die Trakturen sind pneumatisch. Die Disposition:

I Hauptwerk C–
Holzgedackt 8′
Prinzipal 4′
Rohrnasard 223
Mixtur IV 1′
II Oberwerk C–
Quintade 8′
Rohrflöte 4′
Oktave 2′
Sifflöte 113
Pedal C–
Subbaß 16′
Rohrpfeife 4′
  • Koppeln: II/I, I/P, II/P
  • Spielhilfen: eine freie Kombination, Tutti, Sperrventil für alle Register

Glocken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Turm hängen sechs Glocken, von denen die fünf großen nach dem Zweiten Weltkrieg 1949 vom Bochumer Verein in Schlagtonfolge c1 – d1 – e1 – g1 – a1 aus Stahl gegossen wurden. Die kleinste Glocke ist historisch, aus Bronze und stammt aus dem Jahr 1795.

Bauten im Umkreis der Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfarrkirche mit Schwestern-Ruheheim von Südwesten
  • Kapelle des Schulterwunden-Christus, südlich neben der Pfarrkirche gelegen, ist ein spätbarocker Bau von 1715. Die Kapelle hatte im Osten beim heutigen Eingang, wie alte Ansichten zeigen, einen 3/8-Schluss. Im Innern befinden sich die Figuren des ehem. neuromanischen Hochaltars der Pfarrkirche.
  • Ehem. Priesterseminar (Schwestern-Ruheheim), wenige Meter westlich der Wallfahrtskirche von 1717 bis 1719 unter der Leitung von Ph. Lindmayer als Petrinerinstitut errichtet. Durch den Ausbau von 1775 bis 1778 wurde es zu einer stattlichen Vierflügelanlage mit integrierter großer Hauskapelle. Zwischen 1956 und 1975 kam im Südwesten noch ein großer Erweiterungsbau hinzu. Die Kapelle St. Peter und Paul ist 1778 im frühen Rokokostil ausgestattet mit einem sehenswerten Hochaltar, der die Taufe Christi darstellt, assestiert von Peter und Paul. Seit 1914 ist der Bau im Besitz des Ordens der Armen Schulschwestern von Unserer Lieben Frau, der dort ein Schwestern-Ruheheim eingerichtet hat.
  • Pfarrhof, 60 Meter östlich gelegen, ist ein entsprechend der Bedeutung der Pfarrkirche großer Neubarockbau von 1914.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Georg Brenninger: Die Kirchen der Pfarrei Dorfen. 4. Auflage. Verlag Schnell & Steiner, Regensburg 2004, ISBN 3-7954-4119-6.
  • Josef Gammel: Dorfener Land in Geschichtsbildern. Präbst, Dorfen 1980.
  • Heimatbuch der Stadt Dorfen. Von der Stadterhebung bis ins 3. Jahrtausend. (= Dorfener Heimatbuch; Band 1). Dorfen 2006.
  • Iris Nestler: Die Wallfahrtskirche Maria Dorfen. Eine Monographie. Präbst, Dorfen 1994.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt (Dorfen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 48° 16′ 31,8″ N, 12° 8′ 49,7″ O