Walter Jerven

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Walter Jerven (* 30. November 1889 in Hannover; † 3. Februar 1945 in Berlin; eigentlich Johann Wilhelm Wucherpfennig[1]) war ein deutscher Filmhistoriker, Regisseur und Autor.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits 1915 veröffentlichte er in der Reihe Fünfzig-Pfennig-Bücher beim Reuß & Itta-Verlag eine Sammlung von Prosatexten unter dem Titel 1870/71-Lieder und Gedichte. Vom 3. Januar 1916 bis April 1917 war er Redakteur beim Bodenseebuch.[2] In dieser Eigenschaft schrieb er u.a. Eine Literarische Bodenseewanderung.[3]

Mit Karl Valentin produzierte er neben Franz Osten 1929 den Spielfilm Der Sonderling, bei dem er das Drehbuch schrieb und Regie führte. Später geriet er mit Valentin in Streit. Im Film-Kurier vom 21. September 1928 veröffentlichte er ein Glosse über die Arbeit mit Karl Valentin.[4] Von 1933 an verdiente Jerven sein Geld durch die Vorführung kleiner Kompilationsfilme, zu deren Vorführung er launige Geschichten erzählte. In einer Zeitungsrezension von 1931 wird Jervens Vorführung in einem Kino gelobt für Wortspiele, Kabaretteinlagen und witzige Erklärungen von Regiefehlern.[5]

In seiner Regiearbeit Von Zeppelin 1 bis LZ 130 zeigt sich Jervens Begeisterung für die Fliegerei. Diese machte sich die nationalsozialistische Propaganda in dem Vorbehaltsfilm Himmelstürmer zu nutze. Für diesen Film durchforschte Walter Jerven diverse Sammlungen und Archive, insbesondere konnte er auf die Bestände des 1935 gegründeten Reichsfilmarchivs zurückgreifen.

Jerven starb 1945 kurz vor Kriegsende bei einem Luftangriff in Berlin.

Nachlass[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Nachlass von Walter Jerven ist nirgends nachgewiesen. Im Nachlass des KPÖ-Politikers Max Haller, der im Franz-Michael-Felder-Archiv der Vorarlberger Landesbibliothek in Bregenz verwahrt wird, befinden sich Werkmanuskripte und Briefe an Jerven aus den Jahren 1913–1923 (u.a. von Hermann Hesse, René Schickele, Ferdinand Hardekopf). [6]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1915: 1870/71
  • 1915: Heldinnen
  • 1916: Alte Kalendergeschichten
  • 1916: Konstanza
  • 1917: Das heitere Buch
  • 1918: Das Weihnachtsbuch
  • 1922: Seltsame Erlebnisse
  • 1923: Das badische Buch
  • 1928: Laotse, Tao-te-King [7]

Filmografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1926: Fräulein Mama (Drehbuch)
  • 1927: Das Spielzeug einer schönen Frau (Drehbuch)
  • 1927: Die Königin des Varietés (Drehbuch)
  • 1929: Der Sonderling (Regie, Drehbuch, Produzent)
  • 1932: Asta Nielsen. Eine Grosse Künstlerin (Drehbuch, Regie) Kurzfilm
  • 1933: Die Welt von Einst. Eine Filmfolge (Drehbuch, Regie) Kurzfilm
  • 1934: La Paloma. Ein Lied der Kameradschaft (Drehbuch, Regieassistenz)
  • 1934: Toi que j'adore (Drehbuch)
  • 1934: Ich kenn' dich nicht und liebe dich (Drehbuch)
  • 1935: Punks kommt aus Amerika (Drehbuch mit Curt J. Braun)
  • 1937: Von Zeppelin 1 bis LZ 130 (Regie)
  • 1941: Himmelstürmer. Geburt und Geschichte des Fliegens (Regie, Produzent).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. NS-Akte eines Komikers. In: Der Spiegel. 23/2007 vom 4. Juni 2007.
  2. Thomas Dietzel, Hans-Otto Hügel, Deutsche literarische Zeitschriften 1880-1945: Ein Repertorium, Walter de Gruyter 1988, Seite 171
  3. Renate Heuer, Andrea Boelke-Fabian: Encyclopaedia of German-Jewish Authors, Walter de Gruyter.2009, Seite 366
  4. "Als Karl Valentin filmte" In:Film-Kurier Nr.227, vom 21. September 1928.
  5. "Pressemitteilung Filmreihe anlässlich 50 Jahre Deutsche Kinemathek Filmspotting. Erkundungen im Filmarchiv der Deutschen Kinemathek"
  6. Katalog der Vorarlberger Landesbibliothek, abgerufen am 14. November 2014
  7. Otto Wilhelm Barth Verlag, München