Walter Süskind

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Walter Süskind (* 29. Oktober 1906 in Lüdenscheid; † 28. Februar 1945, möglicherweise im KZ Auschwitz) war ein deutscher Kaufmann, der während des Zweiten Weltkrieges rund 1000 Juden vor der Ermordung in den Vernichtungslagern des Nationalsozialismus bewahrte und 1944 selbst deportiert wurde.

Leben[Bearbeiten]

Süskind wuchs in Gießen auf. Nachdem er 1930 heiratete, musste er im Zuge der nationalsozialistischen Rassengesetze aus Deutschland fliehen. Aufgrund niederländischer Vorfahren und eines niederländischen Passes war es ihm möglich, 1938 nach Amsterdam zu emigrieren, wo er als leitender Angestellter bei dem Lebensmittelkonzern Unilever arbeitete. 1941 wurde in Amsterdam der Joodsche Raad gebildet, der ab 1942 die Deportation der Juden aus der Stadt in die deutschen Vernichtungslager organisierte. Süskind wurde für den Jüdischen Rat tätig und wurde von der NS-Kommandantur beauftragt, die Deportationen zu koordinieren. Die Juden mussten sich im niederländischen Theater im jüdischen Viertel sammeln und die Zeit bis zum Abtransport dort verbringen.

Im Rahmen seiner Tätigkeit versuchte Süskind, anderen Juden zu helfen, indem er Papiere fälschte, sich beim Erstellen der Quote „verzählte“ und Juden gelbe Armbinden verschaffte, wodurch sich deren Deportation als vermeintliche Mitglieder des Jüdischen Rats zumindest herauszögern ließ.[1] Er versuchte, Kleinkinder zu retten, indem er sie mit Rucksäcken, Waschkörben und Einkaufstaschen wegschaffen ließ und bei einer Untergrundorganisation versteckte. Für den Zählappell gab er den Eltern Strohpuppen, die heimlich hergestellt wurden. Etwa 1000 Kleinkinder sollen so gerettet worden sein.

Walter Süskind wurde am 2. September 1944 mit seiner Frau und seiner Tochter über Theresienstadt nach Auschwitz deportiert. Seine Frau und seine Tochter wurden dort kurz nach der Ankunft vergast. Walter Süskinds Todesumstände sind ungeklärt, er starb im KZ Auschwitz oder auf einem Todesmarsch; nach den Erinnerungen von Henriette Brandel starb er kurz nach der Befreiung in Bergen-Belsen.[2]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Der stille Held im Holocaust. In: FAZ, Nr. 23 vom 27. Januar 2012, Seite 36.
  2. Erinnerung von Henriette Brandel, Lochamei Haghettaot, 328