Todesmärsche von KZ-Häftlingen

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Todesmärsche ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Für Todesmärsche im Allgemeinen siehe Todesmarsch.
Gedenkstein an den Todesmarsch vom KZ Dachau nach Süden im April 1945. Standort: Krailling, errichtet 1989
Gedenktafel in Nassenheide
Wegmarkierung eines Todesmarsches in Breitenfeld

Als Todesmärsche von KZ-Häftlingen (teils auch euphemistisch Evakuierungsmärsche genannt) werden verschiedene „Räumungsaktionen“ der SS-Wachmannschaften in der Schlussphase des Zweiten Weltkriegs bezeichnet. Dabei löste die SS ab 1944 frontnahe Konzentrationslager, so auch z. B. das berüchtigte Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau, auf und zwang die meisten KZ-Häftlinge zum Abmarsch in Richtung Reichsmitte oder sperrte sie als Passagiere zum Abtransport in Eisenbahnwagen ein. Sehr oft wurden nicht marschfähige Häftlinge in großer Zahl erschossen. Viele Lagerteile wurden von der SS in Brand gesetzt.

Zahlreiche KZ-Häftlinge überlebten die tage- und wochenlang dauernden Märsche bzw. Transporte nicht: Sie erfroren, verhungerten oder brachen geschwächt zusammen und wurden dann von den SS-Wachmannschaften erschossen. Einzelne Züge gerieten zufällig unter Beschuss durch im Bodenkampf eingesetzte Kampfflieger der alliierten Truppen, andere blieben unversorgt auf Ausweichstrecken liegen; manche Todesmärsche endeten mit einer Katastrophe wie in Zusammenhang mit der Versenkung der Cap Arcona oder in einem Massaker wie bei der Isenschnibber Feldscheune.

Begriff[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bezeichnung „Todesmarsch“ wurde im Nachhinein von Opfern geprägt und ist in der wissenschaftlichen Literatur ein geläufiger Begriff geworden. Das Standardwerk Enzyklopädie des Nationalsozialismus definiert Todesmarsch als ein „Phänomen im Dritten Reich, v. a. gegen Ende des Krieges, als die Häftlinge etlicher KZ evakuiert, d. h. in großer Zahl gezwungen wurden, unter unerträglichen Bedingungen und brutalen Misshandlungen über weite Entfernungen zu marschieren, wobei ein großer Teil von ihnen von den Begleitmannschaften ermordet wurde.“[1]

Bei einigen Märschen schloss sich für die Überlebenden ein Weitertransport in Zügen an. Manchmal wurden die Häftlinge bei der Räumung von Lagern auch von Lastwagen abgeholt oder unmittelbar in Eisenbahnwagen verfrachtet. Auch diese Transporte, die gleichfalls tagelang dauerten, unter widrigen Umständen stattfanden und zahlreiche Todesopfer forderten, werden oft als Todesmärsche bezeichnet.

Im Zusammenhang mit der Auflösung der Konzentrationslager wird häufig der Ausdruck „Evakuierung“ verwendet. Dieser Begriff bezieht sich gemeinhin jedoch auf eine Rettungsmaßnahme, bei der Menschen angesichts drohender Gefahr vorübergehend an einen sicheren Ort gebracht werden. Bei den hier angesprochenen „Evakuierungen“ verhinderte die SS die rettende Befreiung durch alliierte Truppen und verursachte mit dem schonungslosen Abtransport weitere Todesopfer. Daher erscheinen die Begriffe „Räumung“ oder „Auflösung“ der Lager treffender.[2] Die Historikerin Katrin Greiser weist darauf hin, dass ‚Evakuierung’ keine Tätersprache sei, sondern in Texten von Überlebenden gebräuchlich und durch die deutschsprachige Übersetzung der Nürnberger Prozesse-Protokolle weit verbreitet (evacuation[3]). Ehemalige SS-Angehörige hätten von ‘Räumung’, ‘Rückführung’, ‘Umquartierung’, ‘auf Transport schicken’ oder ‘Bergung von Menschen’ gesprochen.[4]

Bei den meisten Todesmärschen wurden zahlreiche erschöpfte Häftlinge am Wegesrand von den Wachmannschaften erschossen. Besonders diese willkürlichen Tötungen führten zur Bezeichnung Todesmarsch. Diana Gring definiert „Todesmarschverbrechen“ als „nichtstationär verübte NS-Gewalttaten in der Kriegsendphase, die im Zusammenhang mit den Räumungen der Konzentrationslager standen und während der Märsche bzw. an den entsprechenden Aufenthalts- und Endpunkten des Routenverlaufs verübt wurden.“[5] Die Verbrechen in dieser Zeitspanne insgesamt werden als Endphase-Verbrechen (1944/1945) bezeichnet.

Systematische vergleichende Analysen liegen erst im Ansatz vor. Als wichtige gemeinsame Merkmale der Todesmärsche stellt Diana Gring heraus: Zufälligkeit des Tatortes, Heterogenität der Tätergruppen und Abtrennung der oberen von der unteren Befehlsebene.[6] Katrin Greiser hat herausgearbeitet, dass die Todesmärsche und -transporte als Fortsetzung des Systems der Konzentrationslager zu sehen sind. Dessen grundlegenden Strukturen haben auch in seiner letzten Phase weiterfunktioniert und sich wieder, wie schon mehrfach seit 1933, flexibel angepasst.[7]

Zeitliche Einordnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Todesmärsche Auschwitz-Loslau: Mahnmal in Wodzisław Śląski (Loslau)

Der erzwungene Rückzug der deutschen Truppen führte ab Sommer 1944 dazu, dass die in Frontnähe geratenen Konzentrationslager mit ihren zahlreichen Außenlagern aufgelöst und geräumt wurden. Mit der Räumung der Lager von Auschwitz im Januar 1945 begannen die Todesmärsche der Gefangenen. Beim Herannahen der Roten Armee beziehungsweise der westalliierten Truppen wurden die Häftlinge in Marschkolonnen „evakuiert“ oder mit Eisenbahnzügen – oftmals in offenen Güterwagen − abtransportiert. Zuletzt wurden vom KZ Neuengamme aus noch Mitte April 1945 mehr als 10.000 Häftlinge von der SS auf einen Marsch gezwungen.

Bei der Räumung von Konzentrationslagern lassen sich drei Phasen unterscheiden:
In einer ersten Phase zwischen August 1944 und Mitte Januar 1945 wurden die Lager weitgehend geordnet aufgelöst. Meist wurden die Häftlinge der Außenlager im Stammlager zusammengezogen und ein Teil schon Wochen vor der Auflösung des Lagers abtransportiert.
Es folgte bis Anfang April 1945 eine Zeitspanne, in der es zu immer hektischeren und kaum vorbereiteten Räumungen kam. Oft ermordete die SS-Wachmannschaft vor dem Aufbruch die „marschunfähigen“ Häftlinge wie auch viele meist deutsche politische Funktionshäftlinge, denen man eine Widerstandshandlung zutraute.[8]
In der letzten Phase kam es zu überstürzten und chaotischen Abmärschen, für die es kaum noch Ausweichlager als Zielorte gab.[9]

Kontroverse Deutungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenktafel mit der Route des Todesmarsches für das KZ Buchenwald

Der Entscheidungsprozess zur Räumung der Lager lässt sich wegen der lückenhaften Quellenlage nicht rekonstruieren. Ob ein „Führerbefehl“ zur „Vernichtung aller Häftlinge samt Wachen“, der in den Memoiren von Felix Kersten erwähnt wird, tatsächlich gegeben wurde, ist höchst zweifelhaft; auch angeblich örtlich erteilte entsprechende Vernichtungsbefehle, über die zu fast jedem Konzentrationslager berichtet wird, lassen sich nicht belegen und wurden auch in keinem Konzentrationslager durchgeführt.[10]

Möglicherweise gab Heinrich Himmler schon am 17. Juni 1944 einen Befehl aus, die KZ-Häftlinge nicht einfach in die Hände der alliierten Befreier fallen zu lassen. Die höheren SS- und Polizeiführer erhielten die Befugnis, bei unmittelbar bevorstehendem Angriff eine „Evakuierung“ anzuordnen.[11]

Gedenktafel in Wallitz bei Rheinsberg für das KZ Sachsenhausen

Offenbar verfolgten die Verantwortlichen „eine Politik voller Widersprüche“.[12] Himmlers „Judenpolitik“ war in den letzten Kriegsmonaten wechselhaft und inkonsequent.[13] Himmler selbst versuchte, Kontakte zu den Westalliierten zu knüpfen, und hielt darum jüdische Häftlinge lange in Geiselhaft zurück.[14] Noch im März 1945 schickte er Oswald Pohl mit dem unmissverständlichen Auftrag in verschiedene Lager, das Massensterben einzudämmen und insbesondere verbliebene jüdische Häftlinge zu verschonen.[15] Am 15. April 1945 erreichte ein Kurier den Leiter eines „Evakuierungsmarsches“ aus Helmbrechts und übermittelte den ausdrücklichen Befehl Himmlers, die Juden nicht zu töten.[16] Andererseits gab Himmler am 18. April 1945 – oftmals wird fälschlich der 14. April genannt – einen nicht im Original überlieferten Befehl an das KZ Flossenbürg, die Häftlinge unter keinen Umständen lebend der US-Armee zu überlassen, da sich in Buchenwald die befreiten Häftlinge „grauenhaft gegen die Zivilbevölkerung benommen“ hätten und eine Gefahr für die Zivilbevölkerung darstellten.[17]

Dem Hamburger Gauleiter Karl Kaufmann wird zugeschrieben, er habe KZ-Häftlinge aus der Stadt entfernen lassen, weil er befürchtet habe, dass die Siegermächte beim Anblick halbverhungerter Gefangener eine sofortige strenge Bestrafung angeordnet hätten.[18] Als „faktisches Geschehen“ stellte die Historikerin Karin Orth heraus, dass die SS die KZ-Häftlinge bis zum Schluss in ihrer Gewalt halten wollten: „Zu welchem Zweck auch immer – als Arbeitssklaven, die eine uneinnehmbare Festung für den 'Endkampf' errichten sollten, als Opfer eines […] apokalyptischen Untergangs, als Geiseln für etwaige Verhandlungen mit den Westmächten oder als Verfügungsmasse für den erwarteten antikommunistischen Neubeginn.“[19]

Für Daniel Goldhagen stellen die Todesmärsche die bewusste Fortsetzung des Holocaust mit anderen Mitteln und eine planvolle Strategie zur Vernichtung des jüdischen Volkes dar.[20] Andere Historiker weisen darauf hin, dass die Mehrzahl der Evakuierten nichtjüdische Häftlinge waren, und führen die zahlreichen Opfer auf das vollständige Chaos der letzten Kriegsmonate und den Zusammenbruch der Versorgung zurück. Der Historiker Eberhard Kolb kommt zum Schluss: Nicht zentrale Anordnungen, sondern „niedrige SS-Chargen haben auf den Todesmärschen über das Schicksal Tausender von Häftlingen entschieden.“[21] Karin Orth stellt als wesentliche Motive für das ungezügelte mörderische Tun der Begleitmannschaft heraus: „Sie töteten, um die eigene Flucht zu beschleunigen – und weil das Leben der KZ-Häftlinge in ihren Augen keinerlei Wert besaß.“[22]

Opfer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unbekannte KZ-Häftlinge auf dem Ortsfriedhof von Ruppertsgrün

An vielen Orten, besonders in Ostdeutschland, sind Stellen, an denen Menschen auf Todesmärschen starben, auf den Straßen mit Gedenksteinen markiert. Diese – meist in der unmittelbaren Nachkriegszeit errichteten – Mahnmale geben keinen Hinweis darauf, um welche Menschen es sich jeweils handelte.

Zur Anzahl der auf diesen Todesmärschen zu Tode gekommenen Menschen gibt es nur weit auseinanderliegende Schätzungen. Von den im Dezember 1944 registrierten 714.000 KZ-Häftlingen kamen bis Mai 1945 wahrscheinlich mindestens ein Drittel[23][24] ums Leben: Durch erschöpfende Zwangsarbeit, durch Hunger, Kälte und Erschöpfung während der Todesmärsche sowie durch gezielte Tötungen, die sich nicht allein auf geschwächt Zurückbleibende beim Fußmarsch beschränkten, durch Seuchen und Mangelernährung in überfüllten Aufnahmelagern oder als Opfer von Kampfhandlungen.

Die Todesopfer wurden, sofern sie nicht sofort verscharrt worden waren, auf Befehl der Siegermächte nach deren Eintreffen auf Friedhöfen der umliegenden Orte bestattet. Diese meist anonymen Gräber tragen oft Tafeln oder Kreuze mit der Inschrift „Opfer des Nationalsozialismus“. Meist fehlt jeglicher Hinweis auf den Grund des Todes und den genauen Todesort.

Einzelne Märsche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Isenschnibber Feldscheune bei Gardelegen
Deutsche Zivilisten werden am 11. Mai 1945 in Volary von US-Militär zum Vorbeigehen an Opfern eines Todesmarsches gezwungen
Todesmarsch-Gedenktafel für die Häftlinge des KZ Sachsenhausen (in Putlitz)

Vom KZ Buchenwald[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Ostsee[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Von Königsberg Ende Januar 1945 nach Palmnicken – Der Todesmarsch endete am 31. Januar mit einem Massaker an den verbliebenen 3.000 überwiegend weiblichen Häftlingen an der Ostsee. Nur 15 Menschen überlebten den Massenmord.
Gedenkstein zwischen Volkmarst und Basdahl
  • Todesmarsch Bremen-Blumenthal - -Farge – Sandbostel und weiter: Vom KZ Neuengamme zu Schiffen an der Ostsee. Der Todesmarsch begann am 9. April 1945 mit 2.500 bis 3.000 Häftlingen in Farge; Ziel war das Stammlager Neuengamme. Alleine in Brillit / Kreis Rotenburg wurden über 300 Tote begraben. Von Neuengamme aus marschierten rund 10.000 Häftlinge an die Lübecker Bucht, wo die Überlebenden auf die Cap Arcona, Thielbek und Athen verladen wurden. Die Schiffe wurden versehentlich durch britische Bomber beschossen. 6.400 der Häftlinge kamen ums Leben.
  • Der KZ Fürstengrube-Todesmarsch von 1.283 Gefangenen, der mit einer Erschießungsaktion an 250 Personen begann, führte zunächst in das schleswig-holsteinische Ahrensbök, den Heimatort des Lagerleiters. Die überlebenden 400 Häftlinge wurden auf die Cap Arcona verbracht, die am 3. Mai 1945 in der Lübecker Bucht von Flugzeugen der Alliierten versenkt wurde.
Mahnmal für die Opfer des Dachauer Todesmarsches, München-Allach

Zum und vom KZ Dachau, München[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dachau, Todeszug aus Buchenwald, US-Aufnahme nach dem 28. April 1945
Dieser Marsch nahm nach den vorliegenden Zeugenaussagen am 4. April 1945 seinen Ausgang im Konzentrationslager Buchenwald. Er soll zu Beginn etwa 1.500 Häftlinge umfasst haben und über Flossenbürg nach Oberbayern gelangt sein, wo er am 29. April bzw. 1. Mai 1945 in zwei Kolonnen in Kraiburg ankam.
Es ließ sich feststellen, dass eine Marschkolonne KZ-Häftlinge am 29. oder 30. April und eine weitere wahrscheinlich am 1. Mai 1945 durch Kraiburg zog. Die erste Kolonne marschierte von Kraiburg über Ensdorf, Oberneukirchen mit dem Ziel, über Laufen nach Österreich zu gelangen, während die zweite von Kraiburg aus in Richtung Wasserburg zog. Auf ihrem Weg wurden laufend marschunfähige Häftlinge von der SS-Bewachungsmannschaft erschossen. Die Leichen wurden jeweils neben der Straße liegen gelassen oder nur ganz oberflächlich mit Erde überdeckt.[27]

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Serbien und Ungarn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im September 1944 wurde mit der Auflösung des Zwangsarbeitslagers in Bor begonnen. Am 17. September 1944 verließ eine Kolonne von zirka 3600 Häftlingen mit einer zirka 100 Mann starken ungarischen Wachmannschaft das Lager. Die Wachmannschaft bestand überwiegend aus Lagerhäftlingen und ungarischem Militär. Von Bor wurden die Häftlinge bis zu einer Pontonbrücke bei Smederovo und dann weiter nach Novi Sad, Sombor, Mohács bis nach Szentkirályszabadja (Balaton) geführt. Von dort wurden sie in die Konzentrationslager Flossenbürg, Sachsenhausen und Oranienburg deportiert. Während des Gewaltmarsches kam es zu mehreren Angriffen von Partisanen auf die Wachmannschaft. Einige Häftlinge konnten dadurch während der Angriffe zu den Partisanen flüchten und lebensrettenden Schutz finden. Laut Aussagen von überlebenden Zeitzeugen entschied sich der verantwortliche ungarische Kommandant nach Überquerung der Donau für eine Umgehung von Dörfern mit teilweise in der Nacht zurückzulegenden Strecken. Während der gesamten Strecke wurden bei jeder möglichen Gelegenheit den Häftlingen mehrheitlich von serbischer Bevölkerung Nahrungsmittel zugesteckt. Am 19. September 1944 verließ eine Kolonne von zirka 2500 Häftlingen mit ungarischer Wachmannschaft unter dem Kommando von Einheiten des SS-Polizei-Gebirgsjäger-Regiments Nr. 18 das Lager. Die Häftlinge wurden bis nach Belgrad, dann weiter nach Pančevo, Perlez, Titel, Crvenka bis Szentkirályszabadja (Balaton) getrieben. Von Pančevo bis Titel wurde die Kolonne unter das Kommando von einer Wachmannschaft der paramilitärischen Einsatzstaffel der Deutschen Mannschaft der Volksgruppenführung gestellt. In Titel wurde die ungarische Wachmannschaft wieder unter das Kommando von ungarischem Militär gestellt. In Szentkirályszabadja angekommen, musste ein Teil der Kolonne wieder zurück ins südliche Baja marschieren, wo sie dann weiter in die Konzentrationslager Flossenbürg und Buchenwald deportiert wurden. Ein anderer Teil wurde zum Bau des Südostwalls nach Westen getrieben. Eine hohe Anzahl von Häftlingen wurde bereits während der Todesmärsche misshandelt und erschossen. Überlebende Zeitzeugen waren u.a. Gyula Trebitsch und László Lindner.[28] Den Gewaltmarsch zum Bau des Südostwalls beschrieb Miklós Radnóti in einem Gedicht:

Verrückt, wer niederstürzt dann aufsteht, weitergeht,
als wandelnder Schmerz Füße und Knie bewegt
und trotzdem geht, als ob ihn Flügel tragen,
und vergebens ruft der Graben, zu bleiben wagt er nicht.[29]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Cord Arendes, Edgar Wolfrum, Jörg Zedler (Hrsg.): Terror nach Innen. Verbrechen am Ende des Zweiten Weltkrieges. (= Dachauer Symposien zur Zeitgeschichte. Band 6). Wallstein, Göttingen 2006, ISBN 978-3-8353-0046-0.
  • Daniel Blatman: Die Todesmärsche 1944/45. Das letzte Kapitel des nationalsozialistischen Massenmords. Aus dem Hebräischen von Markus Lemke. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2011, ISBN 978-3-498-02127-6; Rezension von Wolfram Wette in der Badischen Zeitung, 23. Juli 2011: badische-zeitung.de, Nachrichten, Literatur, Wolfram Wette: Vernichtung vor der eigenen Haustür. (23. Juli 2011)
  • Thomas Buergenthal: Ein Glückskind: Wie ein kleiner Junge zwei Ghettos, Auschwitz und den Todesmarsch überlebte und ein zweites Leben fand. bzw. … ein neues Leben …. Fischer, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-10-009652-4 (Lizenzausgabe Büchergilde, Frankfurt; Rezensionen von shoa.de, Wilfried Weinke: Tag für Tag. In: Die Zeit. 13/2006, S. 45; von Soraya Levin: Kindheit im Holocaust. bei rezensionen.ch am 14. Mai 2007; Autobiographie eines Überlebenden)
  • Joseph Freeman: The road to hell: recollections of the Nazi death march. Paragon House, St. Paul (Minn.) 1998, ISBN 1-55778-762-X.
  • Katrin Greiser: Die Todesmärsche von Buchenwald. Räumung, Befreiung und Spuren der Erinnerung. Wallstein, Göttingen 2008, ISBN 978-3-8353-0353-9.
  • Netzwerk für demokratische Kultur e. V. (Hrsg.): Verschleppt, gequält, ausgebeutet, vertrieben. Netzwerk, Wurzen 2002, ISBN 3-9808903-2-5.
  • Martin Bergau: Todesmarsch zur Bernsteinküste. Das Massaker an Juden im ostpreußischen Palmnicken im Januar 1945. Zeitzeugen erinnern sich. Universitätsverlag Winter, Heidelberg 2006, ISBN 3-8253-5201-3.
  • Erich Selbmann: Die lange Nacht. Roman. 4. Auflage. Mitteldeutscher Verlag, Halle 1979.
  • Heimo Halbrainer, Christian Ehetreiber (Hrsg.): Todesmarsch Eisenstraße 1945. Terror, Handlungsspielräume, Erinnerung. Menschliches Handeln unter Zwangsbedingungen. CLIO – Verein für Geschichts- u. Bildungsarbeit, Graz 2005, ISBN 3-9500971-9-8.
  • Ernö Lazarovits, Heimo Halbrainer, Ingrid Hauseder: Mein Weg durch die Hölle: Ein Überlebender erzählt vom Todesmarsch. Verlag Geschichte der Heimat, 2009, ISBN 978-3-902427-65-6.
  • Christine Schmidt: April 1945 in Tharandt. In: Rund um den Tharandter Wald. Amtsblatt der Stadt Tharandt. Ausgabe 02, 13. Jgg., 15. Februar 2011, S. 8–9.
  • Zwischen Harz und Heide. Todesmärsche und Räumungstransporte im April 1945. Herausgegeben von Regine Heubaum und Jens-Christian Wagner i.A. der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora und der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, Wallstein, Göttingen 2015, ISBN 978-3-8353-1713-0.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Todesmärsche von KZ-Häftlingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wolfgang Benz (Hrsg.): Enzyklopädie des Nationalsozialismus. 1997 ff, ISBN 3-608-91805-1, S. 759.
  2. Katharina Hertz-Eichenrode (Hrsg.): Ein KZ wird geräumt. Häftlinge zwischen Vernichtung und Befreiung. Bremen 2000, ISBN 3-86108-764-2, S. 33.
  3. leo.org
  4. Katrin Greiser: Die Todesmärsche von Buchenwald. Räumung des Lagerkomplexes im Frühjahr 1945 und Spuren der Erinnerung. Göttingen 2008, ISBN 978-3-8353-0353-9, S. 10 in Anm. 8
  5. Diana Gring: Das Massaker von Gardelegen. Ansätze zur Spezifizierung von Todesmärschen am Beispiel Gardelegen. In: Detlef Garbe, Carmen Lange: Häftlinge zwischen Vernichtung und Befreiung. Bremen 2005, ISBN 3-86108-799-5, S. 155.
  6. Diana Gring: Das Massaker von Gardelegen. S. 159ff.
  7. Katrin Greiser: Die Todesmärsche von Buchenwald. Räumung des Lagerkomplexes im Frühjahr 1945 und Spuren der Erinnerung. Wallstein, Göttingen 2008, ISBN 978-3-8353-0353-9, S. 133 ff. u. 452.
  8. Karin Orth: Planungen und Befehle der SS-Führung zur Räumung des KZ-Systems. In: Detlef Garbe: Häftlinge zwischen Vernichtung und Befreiung. Die Auflösung des KZ Neuengamme und seiner Außenlager durch die SS im Frühjahr 1945. Bremen 2005, ISBN 3-86108-799-5, S. 36f.
  9. Katharina Hertz-Eichenrode (Hrsg.): Ein KZ wird geräumt…. S. 32 (mit Lit. und Karte S. 72).
  10. Joachim Neander: Vernichtung durch Evakuierung? Die Praxis der Auflösung der Lager – Fakten, Legenden und Mythen. In: Detlef Garbe, Carmen Lange (Hrsg.): Häftlinge zwischen Vernichtung und Befreiung. Bremen 2005, ISBN 3-86108-799-5, S. 45f; ausgeliefert mit ISBN 3-86106-779-5.
  11. Karin Orth: Planungen und Befehle der SS Führung zur Räumung des KZ-Systems. S. 34.
  12. Daniel Blatman: Die Todesmärsche… . S. 1068 in: Ulrich Herbert, Karin Orth, Christoph Dieckmann: Die nationalsozialistischen Konzentrationslager. Fischer TB, Frankfurt 1998, ISBN 3-596-15516-9.
  13. Karin Orth: Planungen und Befehle der SS Führung zur Räumung des KZ-Systems…. S. 33–44.
  14. Daniel Blatman: Die Todesmärsche… . S. 1069.
  15. Karin Orth: Planungen und Befehle der SS Führung zur Räumung des KZ-Systems, S. 39.
  16. Daniel Jonah Goldhagen: Hitlers willige Vollstrecker. Taschenbuchausgabe Berlin 1998, ISBN 3-442-75500-X, S. 418.
  17. Daniel Blatman: Die Todesmärsche… . S. 1076 / Zum Befehl: Herbert Diercks, Michael Grill: Die Evakuierung des KZ Neuengamme und die Katastrophe am 3. Mai 1945 in der Lübecker Bucht. Eine Sammelrezension. In: Kriegsende und Befreiung. Bremen 1995, ISBN 3-86108-266-7 (Beiträge zur Geschichte der nationalsozialistischen Verfolgung in Norddeutschland 2 / 1995) S. 175–176.
  18. Christina Weiss in: Katharina Hertz-Eichenrode (Hrsg.): Ein KZ wird geräumt. S. 11.
  19. Karin Orth: Das System der nationalsozialistischen Konzentrationslager Hamburg 1999, ISBN 3-930908-52-2, S. 332.
  20. Daniel Jonah Goldhagen: Hitlers willige Vollstrecker. Kapitel 13 und 14.
  21. Eberhard Kolb: Die letzte Kriegsphase… . S. 1133.
  22. Karin Orth: Planungen und Befehle der SS-Führung zur Räumung des KZ-Systems, S. 35.
  23. Eberhard Kolb: Die letzte Kriegsphase… . In: Ulrich Herbert, Karin Orth, Christoph Dieckmann: Die nationalsozialistischen Konzentrationslager. Fischer TB, Frankfurt 2002, ISBN 3-596-15516-9, S. 1135.
  24. Diskussion neuer Forschungsergebnisse zu Todesmärschen Internationaler Suchdienst, its-arolsen.org, abgerufen am 1. Dezember 2011.
  25. Gerda Weissmann-Klein: Nichts als das nackte Leben Gerlingen 1999.
  26. Constanze Werner: KZ-Friedhöfe und -Gedenkstätten in Bayern, Schnell und Steiner, Regensburg 2011, hier 15 -36.
  27. Angaben aus den staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsakten beim Landgericht München I, 119 b u. JS 3/71.
  28. Randolph L. Braham: The Politics of Genocide. The Holocaust in Hungary. Band 1. Guildford: Columbia University Press, New York 1981, ISBN 0-231-05208-1, Seiten 335-337; Daniel Blatman: The Death Marches. The Final Phase of Nazi Genocide. Belknap Press of Harvard University Press, Cambridge, Massachusetts und London 2011, ISBN 978-0-674-05049-5, S.65-66. Erhard Roy Wiehn (Hrsg.): Zwangsarbeit, Todesmarsch, Massenmord. Erinnerungen überlebender ungarischer Zwangsarbeiter des Kupferbergwerks Bor in Jugoslawien 1943-1944. Hartung-Gorre, Konstanz 2007, ISBN 978-3-86628-129-5, S. 44–46, 53, 54, 78, 79 u. 81.
  29. Miklós Radnóti: Gewaltmarsch. http://das-blaettchen.de/2013/11/gewaltmarsch-27354.html (abgerufen am 17. März 2016).