KZ Auschwitz

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Torgebäude des KZ Auschwitz-Birkenau, Aufnahme kurz nach der Befreiung 1945

Das Konzentrationslager Auschwitz war ein nationalsozialistischer Lagerkomplex. Er bestand aus dem Vernichtungslager Birkenau, dem Stammlager sowie dem Arbeitslager Monowitz und befand sich im deutsch-besetzten Polen. Die SS betrieb den Lagerkomplex von 1940 bis 1945 am Westrand der polnischen Stadt Oświęcim (deutsch: Auschwitz). Zu ihm gehörten auch weitere Außenlager.

Die europaweit gefangen genommenen Menschen wurden per Bahn in das KZ Auschwitz transportiert. Herkunftsländer der meisten dort Ermordeten waren Belgien, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Italien, Jugoslawien, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Polen, Rumänien, Sowjetunion, Tschechoslowakei und Ungarn. Es handelte sich um die räumlich größte Ansammlung von Konzentrationslagern des Deutschen Reichs, in denen über 1,1 Millionen Menschen ermordet wurden (siehe Opferzahlen der Konzentrationslager Auschwitz). In der Nachkriegszeit ist deshalb der Name „Auschwitz“ zu einem Symbol für den Holocaust geworden.
Am 27. Januar 1945 befreite die Roten Armee den Lagerkomplex. Der Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz ist seit 1996 in Deutschland, seit 2005 international der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus.

Lagerbestandteile

Auschwitz I (Stammlager)

Eingangstor des KZ Auschwitz I (Stammlager) mit der Aufschrift "Arbeit macht frei" (2007)
Hauptartikel: KZ Auschwitz I (Stammlager)

Der Reichsführer SS Heinrich Himmler hatte am 27. April 1940 die Errichtung eines KZ in Auschwitz angeordnet.

Die Lage war verkehrstechnisch günstig gewählt worden. Auschwitz hatte im 19. Jahrhundert zu Österreich-Ungarn gehört und in dieser Zeit die Bahnlinie Wien – Krakau erhalten. Dieser Bahnanschluss vereinfachte die rasche Deportation von Juden aus vielen Gebieten Europas nach Auschwitz. Die dünn besiedelte Umgebung mit ihren Flussläufen als natürlichen Näherungs- und Fluchthindernissen schotteten die Anlage ab, so dass öffentliche Einblicke erschwert wurden.

Der später sehr große Lagerkomplex Auschwitz startete mit der Errichtung des Stammlagers, auch Auschwitz I genannt. Die SS errichtete das Stammlager in den Gebäuden einer ehemals polnischen Kaserne. Sie war relativ neu gebaut worden und gut erhalten. Am 20. Mai 1940 trafen die ersten KZ-Häftlinge im Lager ein. Das Stammlager wurde später Verwaltungszentrum.

Auschwitz II (Vernichtungslager Birkenau)

Das Torgebäude des Vernichtungslagers Birkenau 2006
Hauptartikel: KZ Auschwitz-Birkenau

Bereits im März 1941 ordnete Himmler eine Vergrößerung des Lagers an. Im Oktober 1941 begann der Bau von Auschwitz II–Birkenau. Verwaltungstechnisch war es dem Stammlager untergeordnet. Den Lagerbereich Auschwitz–Birkenau ließ die SS als Vernichtungslager errichten, mit dem Ziel der industrialierten Vernichtung von Menschen. An diesem Ort wurden ungefähr eine Million Menschen, größtenteils Juden, Sinti und Roma aus ganz Europa, insbesondere Polen, ermordet. (Anm.: Auch außerhalb des KZ-Systems betrieb die SS industrialisierte Vernichtung, vgl. Überblick zu Vernichtungslagern des NS-Regimes).

Am 26. September 1941 erhielt Rudolf Höß von Himmler den Befehl, ein zusätzliches Arbeitslager für zunächst 100.000 sowjetische Kriegsgefangene zu bauen. Daraus wurde 1942 das Vernichtungslager. Es entstand, indem das polnische Dorf Brzezinka (dt. Birkenau) nach Umsiedlung der Bevölkerung komplett abgerissen und durch ein Baracken-Areal mit Verbindungswegen ersetzt wurde. Das etwas abseits stehende „Rote Haus“ wurde am 20. März 1942 erstmals für Vergasungen benutzt. Das umgerüstete „Weiße Haus“ wurde ab Mitte 1942 als Gaskammer genutzt. Ab dem ersten Halbjahr 1943 gingen die vier neu errichteten Krematorien in Betrieb, die im Untergeschoss die großen Gaskammern des Lagers enthielten.

Teile des 170 Hektar umfassenden Vernichtungslagers wurden Lagerblöcke (A, B, C etc.) genannt; sie waren nacheinander Haftort für verschiedene Opfergruppen. Es gab auf der rechten Seite (vom Eingang her gesehen) Holzbaracken für die Frauen und Kinder unter 14 Jahren. Dazu zählten das „Familienlager Theresienstadt“ bzw. das Frauenlager (Block B I ). Auf der linken Seite befanden sich Ziegelbaracken für die Männer. Ab Sommer 1944 hatten ungarische Nationalsozialisten, die Pfeilkreuzler, in Budapest die Macht übernommen, was zu „verstärkten“ Deportationen aus Ungarn führte (z. B die gesamte jüdische Bevölkerung Ungarns auf einen Schlag). Besondere Verfolgung erlitten neben jüdischen Menschen auch die sogenannten „Zigeuner“ (Sinti und Roma), für die ein besonderer Block errichtet wurde, das Zigeunerlager Auschwitz.

Auschwitz III (Arbeitslager Monowitz)

I.G. Farben: Monowitz, 1941
Hauptartikel: KZ Auschwitz III Monowitz

Im KZ Auschwitz–Monowitz, auch Auschwitz III genannt, mussten KZ-Häftlinge Zwangsarbeit verrichten. Das Lager wurde auf Initiative und Kosten der IG Farben AG zusammen mit Fabrikationsstätten ab 1941 im Ort Monowice, der auch über einen Bahnanschluss verfügte, errichtet und am 28. Oktober 1942 in Betrieb genommen. Es war ab November 1943 ebenfalls Stammlager mit einem auch für weitere Nebenlager zuständigen Kommandanten.

KZ-Außenlager

In der Region gab es etwa 50 KZ-Außenlager, in denen viele KZ-Häftlinge aufgrund der Arbeits- und Lebensbedingungen zu Tode kamen.

Die Außenlager unterstanden den Stammlager und wurden uneinheitlich als Arbeitslager, Außenlager, Außenkommando, KZ, SS-Arbeitslager oder Zweiglager bezeichnet. Zu den Außenlagern zählten unter anderem das KZ Althammer, das KZ Blechhammer, das KZ Eintrachthütte, das KZ Fürstengrube, Hindenburg in Zabrze, Janinagrube in Libiąż, das KZ Jawischowitz, das SS-Arbeitslager Neu-Dachs in Jaworzno sowie das Arbeitslager in Kraków-Płaszów. In einigen Außenlagern mussten die Häftlinge in Bergwerken arbeiten.

Die KZ-Außenlager befanden sich zum Teil im weiteren Umkreis, auch außerhalb des Landkreises, in dem durch die Flüsse Soła und Weichsel umgrenzbaren etwa 40 Quadratkilometer großen „Interessengebiet KL Auschwitz“ des WVHA.

Geographische Lage

Karte des SS-Interessengebiets

Die Reste der verschiedenen Konzentrationslager befinden sich in Südpolen bei Oświęcim. Das Stammlager Auschwitz (später A I) wurde am Westrand der Stadt Oświęcim in und bei einer ehemaligen polnischen Kaserne errichtet. Oświęcim und die darum befindlichen Gedenkorte liegen etwa 60 km westlich von Kraków, südlich von Katowice (deutsch: Kattowitz) und nördlich von Bielsko-Biała (deutsch: Bielitz-Biala). Die Region gehörte zum Grenzgebiet des 1939 durch Annexion erweiterten Deutschen Reiches und dem Generalgouvernement (übriges Polen) sowie dem Gebiet des Satellitenstaats Slowakei.

Das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau wurde 1941 drei Kilometer entfernt nordwestlich vom Stammlager Auschwitz I neu errichtet. Namensgebender Ort ist das Dorf Brzezinka.

Das Konzentrationslager Monowitz im Ort Monowice (deutsch: Monowitz), auch als Konzentrationslager Auschwitz III bezeichnet, wurde Ende Oktober 1942 durch die I.G. Farben AG eingerichtet. Es lag sechs km östlich vom Stammlager Auschwitz I entfernt auf dem Gelände der Buna-Werke der IG Farben AG, wo zumeist jüdische Häftlinge zur Zwangsarbeit herangezogen wurden.[1]

Die Anbindung des Bahnhofs von Auschwitz/Oświęcim an den internationalen Schienenverkehr erfolgte nach Norden über Strecken in die Richtungen Warschau und Breslau (weiter nach Berlin), nach Süden in die Richtungen Prag, Budapest, Wien und Bratislava. Zwei Strecken führten in östlicher Richtung nach Kraków (und von dort über Przemyśl weiter in die UdSSR, Ukraine).

Gaskammern und Krematorien

Der industrialisierte Massenmord fand in verschiedenen Gebäuden statt. Auch zur Bedienung des Vergasungsvorgangs und der Krematorien setzte die SS das besonders bewachte Sonderkommando KZ Auschwitz-Birkenau ein.

Opferzahlen

und

Zwischen 1940 und Januar 1945 waren knapp über 400.000 Häftlinge in den drei Konzentrationslagern Auschwitz und seinen Nebenlagern registriert. In dieser Zahl sind jene Häftlinge nicht erfasst, die bereits in den ersten Stunden nach ihrer Ankunft ermordet oder ohne Registrierung interniert wurden. In den ersten Jahrzehnten nach Kriegsende waren Teile der Häftlingsunterlagen verschollen, es konnten daher vielfach nur Schätzungen publiziert werden. Insgesamt hielten sich, nach Schätzungen des dortigen staatlichen Instituts, etwa 1,3 Millionen Menschen eine unterschiedlich lange Zeitspanne im Lager auf. Etwa 1,1 Millionen von ihnen kamen ums Leben.

Etwa zwei Drittel der registrierten Häftlinge waren Männer, ein Drittel Frauen.

Ein Artikel zu den Häftlingskategorien erklärt anhand der Kennzeichnung der Häftlinge in den Konzentrationslagern deren lagerinterne Stigmatisierung durch die Bewacher.

Lagerpersonal und Nachkriegsprozesse

Hauptartikel: Personal im KZ Auschwitz

Der Großteil des über 8000 Personen umfassenden Lagerpersonals setzte sich aus den Wachmannschaften der SS-Totenkopfverbände zusammen. Die SS-Inspektion der Konzentrationslager (IKL) bestimmte die personellen Strukturen und die Personalentscheidungen in den Konzentrationslagern.

Nach Kriegsende wurden diverse Gerichtsverfahren wegen NS-Gewaltverbrechen im KZ Auschwitz durchgeführt.

Todesmärsche und Befreiung des Lagers

Zwischen dem 17. Januar und dem 23. Januar 1945 wurden noch etwa 60.000 Häftlinge von der SS aus dem Gebiet „evakuiert“, d.h. zum Teil erschossen und größtenteils in Todesmärschen nach Westen getrieben. Am 27. Januar 1945 wurden die verbliebenen Häftlinge durch sowjetische Truppen der 322. Infanteriedivision der I. Ukrainischen Front befreit.[2][3] Von den noch angetroffenen überlebenden Häftlingen verstarben – trotz medizinischer Hilfe – in den folgenden Tagen viele. Die Angaben reichen z. B. im Lager Monowitz von 600 bis 850 Personen.

Zeit nach der Befreiung

Vorübergehende Nutzung als Internierungslager

Spätestens im April 1945 wurden im Gelände des ehemaligen Stammlagers und im ehemaligen KZ Auschwitz-Birkenau durch die sowjetische Militärverwaltung (SMAD) Durchgangslager für deutsche Kriegsgefangene eingerichtet, die bis Herbst 1945 (Stammlager) beziehungsweise Frühjahr 1946 (Birkenau) in die Sowjetunion überstellt wurden. Zudem waren dort auch deutsche Zivilisten und solche, die deutscher Nationalität verdächtigt wurden, interniert. Zwischen April 1945 und Mai 1946 starben etwa 150 der im ehemaligen KZ Auschwitz internierten Menschen.[4]

Teilweiser Abbruch des Lagers

Nach der Befreiung des KZ Auschwitz wurden bewegliche Gegenstände, darunter auch Maschinen aus den Fabrikhallen, durch die sowjetische Militäradministration in die Sowjetunion verbracht. Bei der Auslagerung ganzer Lagermagazine gelangten auch Dokumente, darunter 46 Sterbebücher, in die Sowjetunion und wurden erst 1992 an das Staatliche Museum in Polen zurückgegeben. Wahrscheinlich ab Anfang 1946 wurde durch polnische Behörden ebenfalls bewegliches Lagergut aus dem ehemaligen Konzentrationslager geschafft. Allein 1946 wurden etwa 200 Holzbaracken in Birkenau abgerissen. Auch Einwohner aus der Umgebung beschafften sich dort Baumaterial und anderes bewegliches Gut.[5]

Gedenkstätten

Ruinen der KZ-Baracken vom KZ Auschwitz-Birkenau, Aufnahme 2002 vom Museumsgelände
Blumen zum Gedenken auf den Bahngleisen der Entladerampe im KZ Auschwitz-Birkenau, März 2007

Neben verschiedenen Mahnmalen befindet sich auf dem Gelände der Hauptlager Auschwitz I und Auschwitz II heute eine polnische Gedenkstätte: das Staatliche Museum Auschwitz-Birkenau, in dem auch historisch geforscht wird. Seit dem 27. Juni 2007 trägt das Museumsgelände als UNESCO-Weltkulturerbe die Bezeichnung Auschwitz-Birkenau – deutsches nationalsozialistisches Konzentrations- und Vernichtungslager. Auch der Marsch der Lebenden findet auf dem ehemaligen Lagergelände statt. Das Internationale Auschwitz Komitee ist eine Vereinigung ehemaliger Häftlinge.

In der Stadt Oświęcim befindet sich das Jüdische Zentrum Oświęcim/Auschwitz als Gedenkort und als Museum der ehemaligen jüdischen Kultur in der Region.

Auszubildende des Volkswagenwerks Hannover schufen in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Auschwitz-Komitee eine Skulptur to B remembered. Sie zeigt ein großes B mit der großen Wölbung oben, der kleinen unten, symbolisierend einen bewusster Widerstandsakt[6] der Häftlinge: Das „B“ im Schriftzug „Arbeit macht frei“, der 1940 von Häftlingen geschmiedet wurde. Die Skulptur soll von Berlin über Paris, Budapest und andere europäische Stationen wandern und dann der UNO übergeben werden.[7] Seit Sommer 2013 wird in Peking eine Ausstellung über Auschwitz und den Holocaust gezeigt. Sie gilt als die erste derartige Ausstellung in China.[8]

Siehe auch

Literatur

Weblinks

 Commons: KZ Auschwitz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten

  1. KZ Buna/Monowitz auf www.wollheim-memorial.de
  2. Nikolai Politanow: Wir trauten unseren Augen nicht. In: einestages, 27. Januar 2008.
  3. Bundesministerium der Justiz: Verzeichnis der Konzentrationslager und ihrer Außenkommandos gemäß § 42 Abs. 2 BEG Nr.130, Birkenau = Brzezinka (Auschwitz II), 26. November 1941 bis 27. Januar 1945
  4. Andrzej Strzelecki: Endphase des KL Auschwitz – Evakuierung, Liquidierung und Befreiung des Lagers, Staatliches Museum Auschwitz-Birkenau 1995, ISBN 83-85047-48-4, S. 273 f.
  5. dto., Andrzej Strzelecki, 1995, S. 271 f.
  6. Ein einziger kollektiver Widerstandsakt ist bekannt: ein vorübergehend erfolgreicher Ausbruchsversuch von Häftlingen des Krematoriums III in Auschwitz-Birkenau. Siehe Andreas Kilian: Der “Sonderkommando-Aufstand” in Auschwitz-Birkenau bei shoa.de.
  7. Das umgedrehte B in neues deutschland vom 6. August 2013.
  8. sueddeutsche.de: Erste Auschwitz-Ausstellung schockiert Chinesen.

50.02638888888919.203888888889Koordinaten: 50° 1′ 35″ N, 19° 12′ 14″ O