Walter von Lucadou

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Walter von Lucadou (* 24. Oktober 1945 in Löffingen) ist ein deutscher Psychologe und Physiker.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von Lucadou studierte Physik und Psychologie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und an der Freien Universität Berlin. Nach dem Diplom in Physik wurde er an der Universität Freiburg zum Dr. rer. nat. und an der FU Berlin zum Dr. phil. promoviert. Von 1977 bis 1978 arbeitete von Lucadou als Physiker am Kiepenheuer-Institut für Sonnenphysik in Freiburg. Von 1985 bis 1987 war er Gastdozent am Parapsychologischen Laboratorium der Universität Utrecht.

Beeinflusst von Hans Drieschs Schrift Parapsychologie – Die Wissenschaft der okkulten Erscheinungen und seinem Lehrer Hans Bender initiierte er ein Forschungsprojekt, das von September 1979 bis April 1985 am Lehrstuhl für Psychologie und Grenzgebiete der Psychologie am Psychologischen Institut der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg durchgeführt wurde. 1986 erfolgte die Promotion in Psychologie an der FU Berlin. 1989 gründete Lucadou die parapsychologische Beratungsstelle der Wissenschaftlichen Gesellschaft zur Förderung der Parapsychologie in Freiburg, die er seither leitet.

Forschungsgebiete[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Walter von Lucadou gilt weltweit als einer der führenden Forscher auf dem Gebiet der Parapsychologie. Er zählt zu den Herausgebern diverser Fachzeitschriften und fungierte auch als wissenschaftlicher Berater für die sechsteilige ARD-Dokumentation Dimension PSI, die im Jahr 2003 ausgestrahlt wurde. Seine Hauptuntersuchungsgebiete sind Systemtheorie und Grenzgebiete der Psychologie.

Thesen zur Parapsychologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Walter von Lucadou vertritt einen eigenständigen, unorthodoxen Ansatz zur Erklärung paranormaler Phänomene, der psychologische und physikalische Erklärungsmuster vereint.[1] Während die klassische Parapsychologie bisher davon ausging, dass bei Ereignissen wie Hellsehen oder Telepathie Informationen als Signal, wenn auch in unbekannter Form, übertragen werden und bei der Psychokinese letztlich eine bisher unbekannte Kraft einwirkt, vertritt Lucadou die Auffassung, dass dabei quantenmechanische Prozesse stattfinden. Zwischen den jeweiligen Ereignissen besteht demnach keine kausale Verbindung, sondern eine „Verschränkung“ im Sinne der Quantenmechanik, wobei Elementarteilchen sich zueinander entsprechend verhalten, ohne dass eine kausale Beziehung zwischen ihnen besteht. Daher seien parapsychologische Phänomene, geht man von der Hypothese ihrer realen Existenz aus, nicht operationalisierbar. Das heißt, sie wären nicht zweckgerichtet und willentlich nutzbar, sondern "passierten" situativ als eine Form pragmatischer Information.[2]

Ein Vorläufer dieses Erklärungsansatzes findet sich schon in der Jung-Paulischen Synchronizitätstheorie, die ebenfalls von einer akausalen Verbindung bei paranormalen Ereignissen ausgeht, die Ursache jedoch nicht in quantenphysikalischen Prozessen sieht, sondern in einem durch den Sinn beziehungsweise die Bedeutung oder die Symbolik gestifteten Zusammenhang. Gegen den quantenmechanischen Erklärungsansatz Lucadous wird von vielen Physikern eingewendet, dass quantenmechanische Prozesse nur auf der Ebene des Mikrokosmos, also im Bereich der Elementarteilchen, wirksam sind, nicht jedoch im Makrokosmos, also oberhalb der Molekularebene. Loucadou hält diese Argumentation nicht für stichhaltig, da es für diese Annahme bisher keine Belege gebe.[3]

Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Seit 1981 im Vorstand der Wissenschaftlichen Gesellschaft zur Förderung der Parapsychologie
  • Parapsychological Association (PA)
  • Society für Psychical Research (SPR), London
  • Society für Scientific Exploration (SSE), USA
  • European Society für the Study of Cognitive Systems (ESSCS), Niederlande
  • Deutsche Gesellschaft für Systemforschung (DGSF)

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1978: Untersuchungen chemischer Reaktionen in gekreuzten Molekularstrahlen. Dissertation Universität Freiburg im Breisgau.
  • 1982: mit J. Mischo: Outlines of a Multivariate PK-Experiment.
  • 1983: Spektrum der Parapsychologie.
  • 1984: mit Eberhard Bauer (Hrsg.): Psi – was verbirgt sich dahinter?
  • 1986: Experimentelle Untersuchungen zur Beeinflußbarkeit von stochastischen quantenphysikalischen Systemen durch den Beobachter. Dissertation FU Berlin. Haag u. Herchen, Frankfurt am Main, ISBN 3-89184-020-9.
  • 1989: Psyche und Chaos – Neue Ergebnisse der Psychokineseforschung.
  • 1992: mit Walter Schmidt, Hans-Dieter Mutschier und Albert Lampe: Psyche und Chaos – Jugendliche im Umgang mit dem Okkulten.
  • 1995: Psyche und Chaos – Theorien der Parapsychologie.
  • 1997: mit Manfred Poser: Geister sind auch nur Menschen.
  • 1997: PSI-Phänomene – Neue Ergebnisse der Psychokinese-Forschung.
  • 1998: mit Inge Stratenwerth und Thorsten Becker: Stimmen aus dem Jenseits.
  • 2003: Dimension PSI. Fakten zur Parapsychologie
  • 2012: mit Peter Wagner: Die Geister, die mich riefen, Bastei Lübbe, ISBN 978-3785760734

Filme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Geister sind auch nur Menschen, D 2000, 79 min
  • Sechsteilige Fernsehserie der ARD Dimension PSI. (Fachberater)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lucadou, W.v., Römer, H., Walach, H. (2007): Synchronistic Phenomena as Entanglement Correlations in Generalized Quantum Theory. Journal of Consciousness Studies, 14, No.4, pp. 50–74.
  2. Walter von Lucadou: Psyche und Chaos. Theorien der Parapsychologie. Frankfurt am Main 1995. ISBN 978-345816-740-2
  3. Die Geister, die mich riefen, s. unter Abschnitt Andere Veröffentlichungen, a.a.O., Seite 48 ff. u. 184 ff.