Wanda (Dvořák)

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Werkdaten
Titel: Wanda
Originaltitel: Vanda
Form: durchkomponiert
Originalsprache: tschechisch
Musik: Antonín Dvořák
Libretto: Václav Benes-Sumavsky
Literarische Vorlage: Julian Surzycki
Uraufführung: 17. April 1876
Ort der Uraufführung: Národní divadlo, Prag
Ort und Zeit der Handlung: Polen, 10. Jahrhundert
Personen
  • Wanda, Tochter des verstorbenen polnischen Fürsten Krak (Sopran)
  • Bozena, ihre Schwester (Mezzosopran)
  • Slavoj, Krakauer Ritter (Tenor)
  • Heidnischer Hohepriester (Bass)
  • Lumír, Krakauer Barde (Bariton)
  • Homena, Zauberin (Mezzosopran)
  • Roderich, deutscher Fürst (Bariton)
  • Bote/Herold (Tenor)
  • Velislav, Vserad und Vitomír, Stammeshäuptlinge
  • Chor (Chor): Adlige niederen Standes, Soldaten, die Ältesten des Krakauer Landes, Mädchen aus dem Gefolge der Wanda, heidnische Priester, fremde Ritter

Wanda (tschechisch Vanda) op. 25 ist eine tragische Oper in fünf Aufzügen von Antonín Dvořák. Sie entstand von April bis Dezember 1875. Mit der Uraufführung am 17. April 1876 eröffnete Rudolf Wirsing seine Amtszeit als Direktor des Prager Prozatímní Theaters.

Handlung[Bearbeiten]

Die polnische Fürstentochter Wanda kämpft leidenschaftlich gegen Roderich, einen deutschen Fürsten, und stürzt sich zur Errettung ihres Landes in die Wellen der Weichsel. Vor allem der Kampf zwischen den heidnischen Slawen und den christlichen Germanen wurde herausgearbeitet. Einige Motive, wie der Streit zwischen den Bewerbern um die Hand der Herrscherin, die Wahl des Gemahls und des Herrschers aus niedrigem Stand und der Übergang der Regierungsgewalt von der Frau auf den Mann stehen in Verbindung mit den böhmischen Sagen um die Fürstin Libuše.

Rezeptionsgeschichte[Bearbeiten]

Die Uraufführungsinszenierung erlebte nur vier weiteren Aufführungen während der Spielzeit 1876/77, bevor sie vom Spielplan genommen wurde. Unter Jan Nepomuk Mayr, Wirsings Nachfolger im Amt des Direktors, gab es 1880 vier weitere Wanda-Vorstellungen, allerdings in drastisch gekürzter Fassung. Beiden Inszenierungen fehlte es an Sängerkapazitäten sowie adäquaten Bühnenmöglichkeiten, um das Werk richtig zur Aufführung zu bringen. Geplante Aufführungen wie in Wien oder Budapest wurden nicht realisiert.

1881 erwarb August Alwin Cranz die Verlags- und teilweise auch die Aufführungsrechte vom Komponisten.

Im 20. Jahrhundert wurde die Oper ganze 3 Mal auf die Bühne gebracht, jedoch nicht in der Originalfassung. 1925 spielte man sie in Plzeň. Das Nationaltheater in Prag nahm sich ihrer 1929 an. Schließlich gab es 1989 eine Inszenierung in Olomouc.

Am 15. März 2014 erfolgte die deutsche Erstaufführung am Theater Osnabrück in einer Inszenierung von Robert Lehmeier.

Quellenlage[Bearbeiten]

Die autographe Partitur sandte Dvořák vermutlich 1883 nach Leipzig. Dort scheint sie Anfang Dezember 1943 bei einem Bombenangriff der Alliierten vernichtet worden zu sein.

Eine noch existente, beurkundete Kopie eines Cranz-Kopisten weist viele schwerwiegende Diskrepanzen mit dem originalen Aufführungsmaterial auf, die aus Fehlerkorrekturen resultieren dürften, welche Dvořák um 1900 selbst vornahm. Anlässlich seines 60. Geburtstags im Jahr 1901 war nämlich ein Zyklus seiner Opern im Nationaltheater geplant. Unter Zeitdruck konnte er jedoch nur einige der offensichtlichsten Fehler beheben. Zum Großteil sind seine Änderungen und Verbesserungen in der vorhandenen Partitur, die Cranz ihm anstelle des Autographs zusandte, zu entziffern.

Weitere Zusätze oder komplette Radierungen, die während der vergangenen 20 Jahre vorgenommen wurden, machten jedoch viele seiner Korrekturen unleserlich. Die gravierendsten Änderungen im dramaturgischen wie musikalischen Ablauf zog jedoch die Entscheidung des Operndirektors Edmund Chvalovsky und des Dirigenten Adolf Cech nach sich, 1880 eine Neuinszenierung auf die Bühne zu bringen.

Bis auf ein zur Zeit der Uraufführung gedrucktes Libretto liegen die gesamten Primärquellen der Oper lediglich als Manuskripte vor. Nur drei einzelne Nummern aus der Oper wurden bis heute veröffentlicht, darunter die neue Ouvertüre, die Dvořák gegen Ende 1879 für die revidierte Fassung der Inszenierung von 1880 im Prozatímní Theater komponierte.

Eine von Dirigent Gerd Albrecht initiierte Neuedition enthält alle Zusätze und Änderungen, die Dvořák selbst im Verlauf von 25 Jahren seit ihrer Uraufführung 1876 bis zum Jahr 1901 vornahm. Albrecht, der bereits die Dvořák-Opern Dimitrij und Armida eingespielt hat, ließ dafür Teile der Partitur aus den originalen Orchesterstimmen rekonstruieren.

Librettistenfrage[Bearbeiten]

Dem Titelblatt des gedruckt vorliegenden Textbuches und zeitgenössischer Zeitungs- und Zeitschriftenartikel zufolge stammt das Libretto von Václav Benes-Sumavsky und Frantisek Zákrejs, das handschriftliche Material als Vorlage dazu von einem Professor Julian Surzycki aus Warschau, dessen wirkliche Identität jedoch nur schwer zu ermitteln ist. Da es als höchst unwahrscheinlich einzuschätzen ist, dass Dvořák einem Libretto die Präferenz gegeben hat, das auf der Vorlage eines Autors basiert, der ihm persönlich gänzlich unbekannt war und zudem als Schriftsteller kein Renommee hatte, nimmt man an, dass die Originalquelle für Wanda von einer Person verfasst wurde, die ihm näherstand, aber womöglich aus politischen Gründen anonym bleiben wollte. Wenn die Originalquelle in französischer oder, was wahrscheinlicher ist, in deutscher Sprache verfasst wurde, wäre es angesichts des politischen Klimas, das in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts durch die nationaltschechischen Erneuerungsbewegungen in Böhmen herrschte, äußerst hinderlich für einen etwaigen Erfolg der Oper gewesen, wenn ihr Libretto auf einer Vorlage in einer nicht-slawischen Sprache basierte.

Zur Musik[Bearbeiten]

Dvořáks Musik zum "Historien-Epos" Wanda zeugt von harmonischem Reichtum, farbenreicher Instrumentierung, feiner und transparenter Textur und rhythmischer Lebendigkeit. Ausgeprägte lyrische Themen sind die ganze Oper hindurch zahlreichen Transformationen unterworfen, um sich unterschiedlichsten dramatischen Situationen anzupassen. Beeindruckende Solo-Arien, komplizierte Ensembles, Balletteinlagen und vor allem Chornummern zusammen gestalten ausgedehnte Szenenkomplexe in der Art der Grand Opéra.

Weblinks[Bearbeiten]