Wassermannzeitalter

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Als Wassermannzeitalter (auch aquarianisches oder Neues Zeitalter genannt) wird in der westlichen Astrologie und der Esoterik seit den 1960er Jahren von verschiedenen Seiten einen Zeitraum von rund 2000 Jahren genannt, der im Rahmen des so genannten Platonischen Jahres durch den Durchzug des Frühlingspunktes durch das Ekliptiksternbilder des Wassermannes geprägt werden soll.

Weltanschaulicher Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Auffassung von manchen heutigen Esoterikern und Okkultisten, von anglo-indischen Theosophen und New-Age-Anhängern steht die Welt seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts im Wassermannzeitalter. Dies wird damit erklärt, dass um Christi Geburt der Frühlingspunkt vom Sternbild Widder in das Sternbild Fische gewandert sei und von dort aus betrachtet etwa 2000 Jahre später in den Wassermann. In der Anthroposophie hingegen wird das Wassermannzeitalter mit der in rund 1500 Jahren beginnenden sechsten „Kulturepoche“ unserer „nachatlantischen Zeit“ gleichgesetzt.

Das 1968 uraufgeführte Musical Hair nimmt bereits im ersten Song (Aquarius) Bezug darauf mit dem Refrain „This is the dawning of the Age of Aquarius“ (deutsch: „Dies ist der Beginn des Wassermannzeitalters“). Der Text geht mit dem Thema jedoch sehr frei um: When the moon is in the 7th house, and Jupiter aligns with Mars, then peace will guide the planets... ("wenn der Mond im siebten Haus steht und Jupiter sich an Mars ausrichtet, dann wird Friede die Planeten leiten"). Doch dies hat wiederum nichts mit dem Frühlingspunkt oder dem Wassermannzeitalter selber zu tun.

Marilyn Ferguson veröffentlichte 1982 eine Hauptschrift der New-Age-Bewegung unter dem Titel Die sanfte Verschwörung. Persönliche und gesellschaftliche Transformation im Zeitalter des Wassermanns, mit einem Vorwort von Fritjof Capra[1], die weite Verbreitung fand.

Zu den prominenteren Anhängern der Ära des Wassermannzeitalters zählt etwa der Modeschöpfer Paco Rabanne.[2]

Astronomie und Astrologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die zur Bestimmung der Zeitalter verwendeten Ekliptiksternbilder sind nicht zu verwechseln mit den Tierkreiszeichen – auch wenn sie hier miteinander in Relation gesetzt werden.

Astronomisch beginnt der tropische Tierkreis am Frühlingspunkt, an dem das Tierkreiszeichen Widder beginnt und das Tierkreiszeichen Fische endet. Von dort aus wird der Tierkreis in zwölf Kreisbögen bzw. Abschnitte à 30°, die zwölf Tierkreiszeichen, geteilt. Der Beginn des Tierkreises mit dem Tierkreiszeichen Widder soll in der westlichen Astrologie beispielsweise eine Art Initialzündungs-Energie für alles geben, was ganz konkret werden und sich neu durchsetzen will. Analog hätten nun im zurück liegenden Fischezeitalter, während dessen Dauer sich der Frühlingspunkt durch des Ekliptiksternbild Fische bewegte, etwa die geistigen Impulse von Mitgefühl und Erlösung wirksam werden sollen, so die Idee hinter der Formel vom Wassermann-Zeitalter.

Aus astronomischer Sicht bleibt zu beachten, dass die Dauer der Wanderung des Frühlingspunktes durch ein Ekliptiksternbild nicht 2000, sondern rund 2160 Jahre betragen würde, wenn die Sternbilder auf der Ekliptik 30° lang wären, was sie nicht sind. Ein Zeitabschnitt von 2000 Jahren entspräche also einem Sternbild, das statt der pauschal angenommenen 30° ungefähr 28° der Ekliptik umfasste. Das Sternbild Fische nimmt jedoch rund 37° der Ekliptik ein, während das Sternbild Widder nur etwa 24° besetzt. In diesem Zusammenhang würde das Fischezeitalter mit dem Eintritt des Frühlingspunktes in das astronomische Sternbild Fische wohl etwa 100 Jahre vor der Zeitenwende begonnen haben, wenngleich die Ekliptiksternbilder teilweise keinen so exakten 'Anfang' besitzen; der Größe des Sternbilds Fische entsprechend würde das Wassermannzeitalter dann aber erst um das Jahr 2600 beginnen, da sich das Fischezeitalter über knapp 2700 Jahre erstrecken würde.

Werden hingegen die Ekliptiksternbilder in gleich lange 'Zeichen' eingeteilt, wie in der Vedischen Astrologie, bei der jedes siderische Zeichen ebenso wie ein Tierkreiszeichen 30° lang ist, befindet sich der siderische 0°-Widder-Punkt ziemlich genau 180° gegenüber von Spica, das heißt im Jahr 2010 auf 24° im - tropischen - Tierkreiszeichen Widder im astrologischen Tierkreis. Aufgrund der Präzession wird dieser siderische 0°-Widder-Punkt in ungefähr 6 × 72 Jahren auf der Ekliptik bei 0° Stier angekommen und somit genau 30° vom Frühlingspunkt entfernt sein, auf den sich dann das (angeglichene) Sternbild Wassermann bewegt. Demnach dürfte das Wassermann-Zeitalter um das Jahr 2442 beginnen, aber auch das Fische-Zeitalter könnte dann nicht mit Christi Geburt, sondern erst um das Jahr 282 begonnen haben.

Datierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anthroposophische Datierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für Rudolf Steiner begann das Fischezeitalter um das Jahr 1413; das Wassermannzeitalter kommt 2.160 Jahre (also einem Zwölftel des Platonischen Weltenjahres) später, also um das Jahr 3573. Nach Angaben der anthroposophischen Astrologin Gisela Gorrissen datiert zwar der astronomische Zeitalterwechsel bereits ab 2200, aber die eigentliche Kulturepoche des Wassermannes – das „johanneische Zeitalter der Bruderliebe“ (nach der sechsten Gemeinde „Philadelphia“ der Sieben Sendschreiben in der Offenbarung des Johannes) – beginne aufgrund der notwendigen Bewusstseinsevolution erst etwa 1400 Jahre später. Weil es außerdem zwischen den beiden Tierkreisbildern Fische und Wassermann einen Überlappungsbereich von rund 200 Jahren gebe, würden viele andere Astrologen den entsprechenden Beginn des astronomischen Zeitalterwechsels bereits vor dem Jahr 2000 ansetzen.[3]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sphinx-Verlag, Basel 1982
  2. Paco Rabanne: Das Ende unserer Zeit, München 1996, S. 215f
  3. Vgl. dazu auch die Erläuterungen unter Wurzelrasse.