Wechseldusche

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Unter einer Wechseldusche versteht man das mehrfach abwechselnde Duschen mit warmem und kaltem Wasser, eine Art vereinfachte Hydrotherapie nach Kneipp.

Wirkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt bis heute keinen wissenschaftlichen Beleg für einen gesundheitlichen Nutzen von Wechselduschen. Wissenschaftlicher Fakt ist, dass sich die Blutgefäße bei kühleren Temperaturen verengen und bei wärmeren Temperaturen ausdehnen. Durch extreme, plötzlich einsetzende Temperaturunterschiede, zu denen es zum Beispiel beim saunieren kommt, lässt sich die Thermoregulation des Körpers verbessern.[1]

Das Ergebnis einer Studie mit 20 älteren Patienten, welche an einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung litten, kam zu dem Ergebnis, dass bei dieser Erkrankung ein gewisser Abhärtungseffekt in der Gestalt einer erhöhten Anzahl von Lymphozyten im Blut eintritt.[2] Allerdings bildet diese These durch die geringe Zahl der Studienteilnehmer keine belastbare Datenlage.

Eine Durchsicht verschiedener Literatur zum Thema Erholung von Athleten durch Wechselduschen von 2004 kam zu dem Schluss, dass es weitere Forschungsarbeit benötige um fundierte Aussagen treffen zu können.[3] Spätere sportmedizinische Studien sprechen für eine positive Wirkung der Wechselduschen auf die Erholung von Laufsportlern,[4] Radsportlern[5] oder Fußballspielern[6] sowie gegen Muskelkater.[7]

Wechselduschen werden heutzutage in der Medizin kaum noch therapeutisch angewendet und werden meist dem Wellness-Bereich zugeordnet. Gelegentlich finden sie gegen Hypotonie[8] oder in der Altenpflege Anwendung.[9]

Innerhalb der Volksmedizin und der sogenannten Alternativmedizin, werden diverse Annahmen propagiert:

  • Wechselduschen wird eine belebende Wirkung nachgesagt. (Der Temperaturschock stellt für den Körper eine Stresssituation dar, wodurch Adrenalin ausgeschüttet wird und sich die Wachheit kurzzeitig erhöht.)
  • Die Durchblutung der Haut werde gesteigert, wodurch sie straffer werde.
  • Niedriger Blutdruck werde erhöht.[10][11][12] (Dies ist lediglich akut der Fall, durch die plötzliche Verengung der Gefäße, der Blutdruck wird also nicht dauerhaft gesenkt.)
  • Das Immunsystem werde gestärkt, wodurch Erkältungskrankheiten vorgebeugt würden.[13] (Es ist wissenschaftlicher Konsens, dass es so etwas wie eine Stärkung des Immunsystems nicht gibt. Siehe auch: Immunsystem#„Stärkung“ des Immunsystems)

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wechselbäder wurden im Römischen Reich (in Thermen), sowie in China und Japan praktiziert.[14] Mit Pfarrer Sebastian Kneipp aus Bad Wörishofen erlebte es im 19. Jahrhundert eine Renaissance.[15]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Philipp Laage: Mythos Abhärten: So stärken Sie das Immunsystem. In: Spiegel online. 11. Oktober 2013.
  2. K. Goedsche, M. Förster: Serielle Kaltwasserreize (Kneippscher Oberguss) bei Patienten mit chronisch obstruktiver Bronchitis (COPD). In: Forsch Komplementmed. 14(3), Jun 2007, S. 158–166; doi:10.1055/s-2007-988722. PMID 17596696
  3. Physical Therapy in Sport – Alternating hot and cold water immersion for athlete recovery: a review. auf: ScienceDirect.com
  4. N. G. Versey, S. L. Halson, B. T. Dawson: Effect of contrast water therapy duration on recovery of running performance. In: International Journal of Sports Physiology and Performance. Band 7, Nummer 2, Juni 2012, S. 130–140, ISSN 1555-0265. PMID 22173197.
  5. N. Versey, S. Halson, B. Dawson: Effect of contrast water therapy duration on recovery of cycling performance: a dose-response study. In: European journal of applied physiology. Band 111, Nummer 1, Januar 2011, S. 37–46, ISSN 1439-6327. doi:10.1007/s00421-010-1614-4. PMID 20809231.
  6. M. De Nardi, A. La Torre, A. Barassi, C. Ricci, G. Banfi: Effects of cold-water immersion and contrast-water therapy after training in young soccer players. In: The Journal of sports medicine and physical fitness. Band 51, Nummer 4, Dezember 2011, S. 609–615, ISSN 0022-4707. PMID 22212263.
  7. J. Vaile, S. Halson, N. Gill, B. Dawson: Effect of hydrotherapy on the signs and symptoms of delayed onset muscle soreness. In: European journal of applied physiology. Band 102, Nummer 4, März 2008, S. 447–455, ISSN 1439-6319. doi:10.1007/s00421-007-0605-6. PMID 17978833.
  8. Erland Erdmann: Klinische Kardiologie: Krankheiten des Herzens, des Kreislaufs und der herznahen Gefäße. Springer DE, 2005, ISBN 3-540-23742-9, S. 457 (google.com [abgerufen am 17. September 2012]).
  9. Ilka Köther: Altenpflege. Georg Thieme Verlag, 2011, ISBN 978-3-13-160053-0, S. 205 (google.com [abgerufen am 17. September 2012]).
  10. Wechselduschen und Sport gegen niedrigen Blutdruck. In: Welt Online.
  11. Wechselduschen und Sport helfen gegen niedrigen Blutdruck. (Memento vom 22. August 2010 im Internet Archive) In: Frauenärzte im Netz.
  12. Krankheits-Lexikon. (Memento vom 9. Februar 2016 im Internet Archive) In: sueddeutsche.de
  13. 10 Tipps, um ohne Erkältung durch den Winter zu kommen. In: Badische Zeitung.
  14. August Mau: Frigidarium. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band VII,1, Stuttgart 1910, Sp. 103 f.
  15. Kirsten Mathiske-Schmidt: Mit Wasser Blutdruck senken. In: www.hochdruckliga.de