Wehrmann in Eisen

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Dieser Artikel erläutert das Vorbild in Wien, zu anderen Skulpturen siehe Wehrmann in Eisen (Leipzig) und die Liste in Kriegsnagelungen.
Der Wehrmann in Eisen als Kriegsnagelung von 1915 in Wien
Wehrmann in (im) Eisen
Theodor Hartig (Idee), Josef Müllner (Bildhauerei); 1914/1915
Lindenholzskulptur, benagelt
Öffentlich: Wiener Stadtplanungshaus, Arkaden; Wien 1, Ecke Felderstraße–Ebendorferstraße Koordinaten: 48° 12′ 42,85″ N, 16° 21′ 24,55″ O

Wehrmann im Eisen, auch Wehrmann in Eisen, Eiserner Wehrmann genannt, ist eine Skulptur in Wien. Sie war die erste der Holzobjekte, die zur Kriegsfinanzierung im Ersten Weltkrieg aufgestellt und gegen eine Spende benagelt wurden. Sie steht heute beim Amtshaus Ecke FelderstraßeEbendorferstraße, gegenüber vom Rathaus an der Ringstraße.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Idee der Kriegsnagelungen ging in Anlehnung an den Stock im Eisen am Stock-im-Eisen-Platz von Wien aus, und verbreitete sich nicht nur in Österreich-Ungarn, sondern auch rasant im Deutschen Kaiserreich und anderen Ländern.

Die Idee für den Wehrmann in Eisen hatte Korvettenkapitän Theodor Graf Hartig und nach einem einstimmigen Beschluss des Gemeinderats von Wien für die Übernahme der Fundamentierungs- und Erhaltungskosten wurde der Stadtbaudirektor Heinrich Goldemund mit der Planung und Durchführung beauftragt.

Der Bildhauer Josef Müllner schuf 1914 in Wien die Lindenholzfigur eines Ritters. Ursprünglicher Aufstellungsort war der Schwarzenbergplatz in Wien beim Schwarzenberg-Denkmal.

Die ersten von rund 500.000 Nägeln schlugen der österreichische Erzherzog Leopold Salvator, der deutsche Botschafter Tschirschky-Bögendorff und der türkische Botschafter Hüseyin Hilmi Pascha als Verbündete in diesem Krieg in den Eisernen Wehrmann. Die Tageszeitung Reichspost vermeldete am Montag, dem 8. März 1915, dass an den ersten beiden Tagen jeweils rund 1400 Personen einen Nagel in den Eisernen Wehrmann geschlagen hatten. Darunter befand sich unter anderem auch der Minister des Inneren, Doktor Freiherr von Heinold.

Wie die Zeitung Die Zeit aus Wien am 10. August 1916 berichtete, war bis September der Zutritt zum Wehrmann in Eisen am Schwarzenbergplatz nur zeitlich begrenzt oder für angemeldete Gruppen möglich. Grund war die drastisch gesunkene Besucherfrequenz. Zwar nannte der Autor des Artikels als Entschuldigung für dieses Nachlassen die gestiegene Anzahl der möglichen Spendenorte und erwähnte auch das im Rahmen einer Kriegsausstellung zur Benagelung aufgestellte Holzmodell eines Unterseebootes, welches anscheinend sehr beliebt war, trotzdem war er mit dem Spendenverhalten der Wiener nicht zufrieden. Er nannte einen Spendenertrag von bisher rund 700.000 Kronen für eine Millionenstadt wie Wien nicht sehr zufriedenstellend, besonders wenn man es mit dem Ertrag im von den Russen befreiten Drohobycz in Galizien vergleicht, wo allein am ersten Tag Meldungen zufolge 400.000 Kronen gespendet worden waren.

Am 5. Mai 1918 berichteten die Neue Freie Presse und einige andere Zeitungen aus Wien unter Berufung auf bereits früher erfolgte Meldungen, dass der Gemeinderat der Stadt Wien beschlossen habe, den Wehrmann aus Eisen unter den Arkaden des Hauses Rathausstraße/Felderstraße aufzustellen und mit einem Vers von Ottokar Kernstock zu versehen. Laut Tristan Loidl[1] wurde der Wehrmann nach Kriegsende vom Standort Schwarzenbergplatz entfernt (dies kommentierten auch mindestens zwei Zeitungen) und in einem Depot gelagert, von wo ihn Soldaten des Infanterieregiments „Alt Starhemberg Nr. 2“ entführten und in das Regimentsmuseum brachten.

1934 wurde er wieder in Dienst gestellt.[2] Am Schwarzenbergplatz sollte er wieder Geld sammeln. Diesmal für den Umbau des Äußeren Burgtors in ein Heldendenkmal. Um den Spendenerlös wurden zehn Ehrenbücher angeschafft, in denen die Namen der gefallenen Österreicher aufgeschrieben wurden und die in der Krypta aufliegen. Der Wehrmann wurde im gleichen Jahr in den Arkaden an der Rückseite des Wiener Stadtplanungshauses, einem der Arkadenhäuser (Felderstraße Nr. 6–8, heute MA18 und MUSA)[3] aufgestellt. Eine gleichzeitig angebrachte Gedenktafel trägt folgenden Text von Ottokar Kernstock:

„Wehrmann Wiens gemahne an die Zeit,
Da unerschöpflich wie des Krieges Leid
Die Liebe war und die Barmherzigkeit!“

Ob dies in später Erfüllung des Gemeinderatsbeschlusses aus dem Jahr 1918 erfolgte, ist ungewiss.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zeitgenössisches:

  • Kleine Bilder vom großen Kriege. In: Oesterreichische Illustrirte Zeitung / Österreichs Illustrierte Zeitung. Modernes Familienblatt / Wiener Illustrierte Zeitung. Modernes Familienblatt, Jahrgang 1914, Heft Nr. 25, 28. März, S. 616 (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/oiz mit Bildern der Erstbeschlagung; Text auf S. 621.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Tristan Loidl: Andenken aus Eiserner Zeit. Patriotische Abzeichen der österreichisch-ungarischen Monarchie von 1914 bis 1918. Militaria-Verlag, Wien 2004, ISBN 3-9501642-4-3.
  2. Eine kritische Betrachtung zu Spuren austrofaschistischer Symbolik, auf austrofaschismus.at (Memento vom 4. Mai 2009 im Internet Archive)
  3. Wiener Stadtplanungshaus. wien.gv.at → Stadtentwicklung → Dienststellen → MA18 (abgerufen 23. März 2016).