Westbahnhof (Braunschweig)

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Luftbild des Westbahnhof-Umfelds aus dem Jahr 1940 auf einem Container des Industriepfads bei der Hugo-Lutter-Straße.
Informationstafel zum Projekt der Stadterneuerung bei dem neu geschaffenen Jugendplatz mit Skaterhalle, rechts eine Kleingartensiedlung.
Eine erhaltene Ladelehre auf der ehemaligen Bahnstrecke vor dem Birkenwäldchen.

Der Westbahnhof war ein bis in die 1980er Jahre genutzter Industriebahnhof an der Ringbahn im westlichen Stadtgebiet Braunschweigs und ist seit 2007 die Bezeichnung für ein Projekt der Stadterneuerung im gesamten Umfeld des Bahnhofsgeländes. Unter dem Titel „Kultur – Gewerbe – Freizeit“ wurden mit Hilfe europäischer Fördermittel die Bedingungen für die ansässigen Gewerbebetriebe verbessert sowie Grün- und Erholungsflächen geschaffen und für soziale Einrichtungen wie einen Jugendplatz, einen Mehrgenerationenpark und einen „Garten ohne Grenzen“ genutzt. Bereits bald nach der Streckenstilllegung wurde die frühere Bahntrasse zu einem Fuß- und Radweg und zum Freilichtmuseum umgebaut.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ringbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Westbahnhof entstand mit der 1884[1] erfolgten Gründung der Braunschweigischen Landes-Eisenbahn-Gesellschaft und erschloss ein seinerzeit aufblühendes Industriequartier im Südwesten der Kernstadt. Außer der bereits sehr stark vertretenen metallverarbeitenden Industrie siedelten sich andere transportintensive Gewerbetreibende wie Holzhandel und Zuckerindustrie entlang der Bahntrasse an. Der Bahnhof diente später ausschließlich dem Güterverkehr und verfügte über ausgedehnte Gleisflächen zum Rangieren und Abstellen der Waggons. Er war über die Ringbahn mit dem damaligen Hauptbahnhof, dem am Standort des heutigen Hauptbahnhofs gelegenen Ostbahnhof, dem Güterbahnhof in Gliesmarode und dem an der Taubenstraße gelegenen Nordbahnhof und über eine eigene Strecke mit dem Norden und Süden des heutigen Niedersachsens verbunden.

Nach seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde ein neues Behelfsgebäude errichtet. Durch den Neubau eines Güterbahnhofs beim heutigen Hauptbahnhof und den in den späteren Jahren nachlassenden Bedarf an eigenen Gleisanschlüssen verlor die Ringbahn an Bedeutung und wurde 1986 endgültig stillgelegt. Im Umfeld des Westbahnhofs siedelten sich verschiedene Gewerbetreibende an, die teilweise lediglich die alten Industriebrachen nutzten und wenig zu einer neuen Baukultur beitrugen. Das Bahngelände verwilderte und es entstand das heute noch vorhandene Birkenwäldchen.

Nachnutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine frühere Fußgängerbrücke dient nun als Aussichtsplattform über das Ringgleis.

Bereits 1995 gab es von engagierten Bürgern Vorschläge, die Industriebrachen für Freizeitzwecke zu nutzen, woraus sich letztlich das Braunschweiger Ringgleis entwickelte.

Hauptartikel: Ringgleis und Braunschweiger ZeitSchiene

Das gesamte Westliche Ringgebiet wurde 2001 in das Bundesprojekt Soziale Stadt aufgenommen, das neben Maßnahmen zur Wohnraumentwicklung auch die Gestaltung des öffentlichen Raums umfasste. Ab 2007 wurden speziell für die Verbesserung des Umfelds des ehemaligen Westbahnhofs Fördergelder des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung beantragt und bewilligt. Die gesamte Maßnahme verlief unter starker Bürgerbeteiligung, die sich in einem Sanierungsbeirat manifestierte und zahlreiche bereits bestehende Einrichtungen wie das Mehrgenerationenhaus, das Familienzentrum Schwedenheim, Kulturschaffende und die Bezirksheimatpflege einbezog. Zur Koordinierung wurde ein Quartiersmanagement im Mehrgenerationenhaus eingerichtet.[2] Bis 2014 wurden wesentliche Maßnahmenziele umgesetzt und am 30. Oktober 2015 auf dem gesamten Gelände mit einem „WESTival“ der Öffentlichkeit präsentiert.[3]

Projekt Stadterneuerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausschnitt aus einer Informationstafel der Stadt Braunschweig zum Projekt der Stadterneuerung.
Eine von fünf Stahlkonstruktionen mit Informationstafeln - hier zur Ringbahn und dem Ringgleis.
Das Kontorhaus am Jödebrunnen beim WESTival 2015.

Verbesserung der Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das bestehende Gewerbegebiet Büchnerstraße wurde über eine neue Zuwegung an den Pippelweg angeschlossen und ist damit von den städtischen Hauptverbindungsstraßen leichter und ohne Verkehr durch Wohngebiete erreichbar. Die Ansiedlung weiterer Firmen wurde gefördert. Zwischen Blumenstraße und Helenenstraße wurde ein Wohnbaugebiet ausgewiesen und entwickelt.

Jugendplatz und Skaterhalle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Östlich des Ringgleises im Bereich des Blumenteichs wurde ein Jugendplatz mit einer aufwendig gestalteten Skaterhalle, einem Bolzplatz, einem Basketball-Feld, einer Biker-Strecke und einem großzügigen Freigelände angelegt. Der Teich wurde in das Gelände integriert, das zu der benachbarten Kleingartensiedlung mit einer Lärmschutzwand abgeschlossen ist. Diese wird für Graffiti genutzt. Die Halle ist mit einer selbsttätigen Beleuchtung ausgestattet und bietet auch Raum zum Chillen. In einem roten Container können Materialien für die Jugendarbeit gelagert werden.

Garten ohne Grenzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Südlich der bestehenden Blumenstraße wurde ein Gartengelände angelegt, das vor allem eingewanderten Menschen zur Verfügung steht, die ihren Lebensabend in Deutschland verbringen möchten. Das Projekt wird von der Altenhilfeplanung der Stadt Braunschweig, dem Seniorenbüro der Stadt Braunschweig, der AWO und der Caritas betreut. Das Gelände verfügt über ein feststehendes Gartenhaus.

Mehrgenerationenpark/Bewegungsparcours[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen Jugendplatz und dem früheren Westbahnhof ist ein über 12.000 m² großes Gelände des sogenannten Birkenwäldchens als Mehrgenerationenpark ausgewiesen worden. Es verfügt über mehrere Stationen einfallsreicher und ausgefallener Bewegungsstationen, die ausdrücklich für kleine und erwachsene Menschen gestaltet wurden.

Industriepfad[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entlang des Ringgleises wurden fünf containergroße Stahlkonstruktionen installiert, in denen Informationen zur Industriegeschichte des Quartiers präsentiert werden. Damit wird der Bogen zwischen der aktuellen Erlebniswelt und der früheren Lebensader des Stadtteils gespannt.

Grünverbindung am Jödebrunnen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der historische Jödebrunnen mit dem anliegenden Kontorhaus lag Jahrzehnte abseits der Wege und das Umfeld verwilderte. Die Stadt erwarb 2011 das Gelände und erschloss es durch eine neue Zuwegung von der Büchnerstraße aus. Eine weitere Zuwegung entlang des alten Verlaufs der Pipen ist geplant. Brunnengelände und Häuschen werden damit unmittelbar in den Industriepfad einbezogen. Eine weitere Nutzung des Hauses wird durch einen Verein geplant.

Weitere Projekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • In einem ehemaligen Fabrikgebäude wird die Ansiedlung eines Kulturzentrums für mehrere hundert Besucher geplant.[4]
  • Die ehemalige Fliegerhalle wird als Kletterparcours genutzt werden.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Westbahnhof (Braunschweig) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ringbahn der Braunschweiger Landeseisenbahn. Abgerufen am 20. März 2016.
  2. Quartiersmanagement. Abgerufen am 21. März 2016.
  3. Westbahnhof-Fest WESTival. Abgerufen am 20. März 2016.
  4. Kultur für alle. Abgerufen am 21. März 2016.


Koordinaten: 52° 15′ 5″ N, 10° 30′ 15″ O