Nußberg (Braunschweig)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Nußberg
Nußberg mit Aussichtsplattform auf früherem Bunker

Nußberg mit Aussichtsplattform auf früherem Bunker

Höhe 93 m ü. NN
Lage Stadt Braunschweig, Niedersachsen (Deutschland)
Koordinaten 52° 16′ 14″ N, 10° 33′ 21″ O52.27055555555610.55583333333393Koordinaten: 52° 16′ 14″ N, 10° 33′ 21″ O
Nußberg (Braunschweig) (Niedersachsen)
Nußberg (Braunschweig)
Gestein Rogenstein
Erschließung Fußweg
Der Nußberg mit dem Prinz-Albrecht-Park um 1899

Der Nußberg ist eine kleine Erhebung (93 m ü. NN) im Östlichen Ringgebiet der Stadt Braunschweig am Franzschen Feld innerhalb des Prinz-Albrecht-Parks.

Geologie und Nutzung[Bearbeiten]

Der Nußberg überragt die Stadt um etwa 20 Meter. An der höchsten Stelle können die Besucher des Parks auf einer Aussichtsplattform, errichtet auf einem ehemaligen Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg, einen Blick über die Stadt haben. Im Winter wird der Berg zum Rodeln im ansonsten topografisch eher flachen Braunschweig genutzt. Im Bereich hinter der Aussichtsplattform wurden Sprünge und Rampen für Mountainbiker angelegt. Außerdem finden hier im Herbst immer wieder Veranstaltungen zum Drachensteigen statt.

Panorama-Aufnahme über das Franzsches Feld mit Blick auf die Innenstadt

Unter dem Nußberg befindet sich ein etwa 2000 m senkrecht abfallender Salzstock. Dieser Salzstock führt aufgrund der im Vergleich zum Gestein geringeren spezifischen Dichte zu einer Schwereanomalie. Der Nußberg wurde durch Salztektonik gebildet.

Name[Bearbeiten]

Als Namensgeber wird ein Braunschweiger Patrizier namens Nottberg angesehen, der 1279 als Unternehmer für den Steinbruchbetrieb in diesem Gebiet beurkundet wurde.[1] Eine Kartenskizze aus dem Jahre 1615 erwähnt den Berg als Notber. Mit Nussbäumen hat die Bezeichnung demnach nichts zu tun.

Geschichte[Bearbeiten]

An der Nordseite des Nußbergs in Richtung Gliesmarode lag gemäß Wilhelm Bornstedt[2] die Wüstung Ottonroth. Die Entstehung des Orts wird auf 800 geschätzt, urkundlich erwähnt wird er allerdings erst in der Weiheurkunde der Magnikirche von 1031. Die Siedlung lag an einem nachweisbaren Feldbach zur Wabe, war mindestens 375 Morgen groß und ist im 14. Jahrhundert in das Kloster Riddagshausen eingegangen.

Im Mittelalter wurde der Nußberg außer als Steinbruch auch als Weinberg des Klosters Riddagshausen sowie als Ackerfläche genutzt. Der abgebaute Braunschweiger Rogenstein wurde neben Kalksteinen aus dem Elm zum Bau des Braunschweiger Doms, aber auch zur Produktion von Kanonenkugeln verwendet.

Die 1944 am Ostrand des Nußbergs gebaute Bunkeranlage ist anhand der Aussichtsplattform zu erkennen, die direkt darauf eingerichtet wurde. Große Teile des Geländes sind jedoch wegen Einsturzgefährdung gesperrt.

Thingplatz[Bearbeiten]

Der Name lässt vermuten, dass es sich beim Thing um eine nordgermanische Kultstätte handelt, an der in grauer Vorzeit Recht gesprochen wurde. Das ist jedoch nicht der Fall, denn diese Anlage ist erst im 20. Jahrhundert entstanden. 1934 bis 1935 wurde nach Plänen der Architekten Ernst Zinsser und Fritz Schaller eine Freilichtbühne für bis zu 15.000 Menschen angelegt. Der in Form eines antiken Amphitheaters als Arbeitsbeschaffungsmassnahme gebaute Thingplatz von etwa 100 Metern Durchmesser wurde nach 17 Monaten Bauzeit am 18. August 1935 im Beisein des Reichsministers Bernhard Rust eingeweiht.[3][4]

Hier ließ die damalige Parteiführung die Bevölkerung zu Parteiveranstaltungen und Jubelfeiern antreten, beispielsweise am 9. November zum Jahrestag des fehlgeschlagenen Hitlerputsches des Jahres 1923. Darüber hinaus wurden dem germanischen Vorbild nachempfundene Weihespiele aufgeführt oder Theatervorstellungen gegeben.[5]

Nach 1945 wurden die Steine von Bühne und Zuschauerraum größtenteils abgetragen und zum Wiederaufbau der Stadt benutzt. Obwohl das Gebiet inzwischen bewaldet ist, sind die ehemaligen Tribünen an den zum großen Teil überwucherten Steintreppen noch gut erkennbar.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Nußberg (Braunschweig) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Buchardt Warnecke: Der Braunschweiger Nußberg und seine Umgebung. (= Stadtarchiv und Stadtbibliothek Braunschweig, Kleine Schriften 28). 2. Auflage. Braunschweig 1996, 28
  2. Wilhelm Bornstedt: Zur Urkunde von 1031: Die Gründe des Eingehens der 11. Pfarrdörfer von St. Magni und ihre Lage im heutigen Stadtbilde. Eine Siedlungsgeographie. In: Kirchenvorstand zu Magni: St. Magni 1031–1981. Braunschweig 1981, S. 22.
  3. Ralph Haas: Ernst Zinsser, Leben und Werk eines Architekten der Fünfziger Jahre in Hannover. Band I, Hannover 2000, ISBN 3-931585-11-5, S. 74.
  4. Lage des Thingplatzes auf dem Nußberg auf braunschweig.de, abgerufen am 19. Oktober 2013.
  5. Reinhard Bein: Zeitzeugen aus Stein. Band 1. Braunschweig 1930–1945. Döring, Braunschweig 1997, ISBN 3-925268-19-7, S. 23.