Ringgleis

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Verlauf des Ringgleises
Ringgleis im Bereich Ernst-Amme-Straße
Ringgleis kreuzt den Pippelweg

Das Ringgleis ist eine Bahntrasse in Braunschweig, die auf etwa acht Kilometern zu einem Geh- und Radweg ausgebaut wurde. Der Weg führt durch Wohn- und Gewerbegebiete sowie Grünflächen und vernetzt nahegelegene Park- und Grünanlagen.

Der erste Abschnitt der im Westlichen Ringgebiet verlaufenden Trasse wurde 2003 im Bereich des Westbahnhofs eingeweiht und zunächst als „Westliches Ringgleis“ bezeichnet.[1] Bis 2011 erfolgte der Ausbau von der Oker im Norden gegenüber dem Heizkraftwerk Braunschweig-Mitte bis zum Messegelände Harz + Heide im Süden. In weiteren Bauabschnitten wurden eine neue Brücke über die A 391 und 2016 die Okerquerung am Heizkraftwerk errichtet.

Bei der ursprünglichen Idee ging es um eine Revitalisierung der Brachflächen auf den stillgelegten Strecken des Ringgleises, später wurde das Konzept auch um die noch aktiven Strecken ausgedehnt, um dort angrenzend einen Geh- und Radweg zu schaffen, und schließlich insgesamt einen Weg rund um die Braunschweiger Innenstadt zu realisieren.

Der südliche Teil des Ringgleises ab dem Westbahnhof ist zugleich Teil des Projekts Braunschweiger ZeitSchiene.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ringbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das westliche Ringgleis war Teil der Strecke mit der Streckennummer 1903, die Ende des 19. Jahrhunderts von der Braunschweigischen Landes-Eisenbahn-Gesellschaft errichtet wurde. Sie bildete zusammen mit anderen Strecken rund um die Braunschweiger Innenstadt eine annähernd ringförmige Bahnanlage mit mehreren Stationen wie dem südlichen Hauptbahnhof, Ostbahnhof, Nordbahnhof und Westbahnhof.[2] Der westliche Streckenkörper diente dem Güterverkehr, der am Westbahnhof einen bedeutenden Umschlagpunkt erhielt und erst in den 1980er Jahren stillgelegt wurde.[3] Der im Norden früher durch eine Brücke daran anschließende Abschnitt wird weiter zur Versorgung des Heizkraftwerks Mitte genutzt und aus den östlichen Bahnstrecken angefahren.

Engagement für die Umnutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits 1995 regte die Bürgerinitiative Braunschweiger Forum eine Diskussion um die mögliche öffentliche Nutzung der Bahntrasse als Alternative zu einer Veräußerung an Privatanleger an.[4] In den folgenden Jahren wurden die politischen Gremien und die Öffentlichkeit für die Nutzung als Geh- und Radweg interessiert und zahlreiche Aktionen rund um das Ringgleis veranstaltet. Im Jahr 2001 wurde durch die Einbindung des Ringgleises seitens der Stadt Braunschweig in das Programm „Soziale Stadt“ ein Konzept entwickelt und mit der Ausführungsplanung begonnen.[5]

Westliches Ringgleis und Umbau Westbahnhof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der geplante Endausbau des Ringgleises in einem Container am Westbahnhof.

2000 kaufte die Stadt Braunschweig die ersten Abschnitte der Trasse von der Deutschen Bahn. 2003 wurde der erste, vier Kilometer lange Abschnitt des Geh- und Radwegs im Westlichen Ringgebiet nördlich des ehemaligen Westbahnhofs fertiggestellt. Auf dessen Areal begannen die ersten Räumungsarbeiten 2006.

Im April 2007 wurde der Abschnitt zwischen der Broitzemer Straße und der Hugo-Luther-Straße der Öffentlichkeit übergeben. Beim Ausbau des Abschnitts Hugo-Luther-Straße-Arndtstraße wurden zwei Einmannbunker entdeckt, die zukünftig Teil der ZeitSchiene werden.[6][7] Mit der Enthüllung des ersten Dekadensteins am 13. April 2008 am Westbahnhof wurde die Braunschweiger ZeitSchiene eröffnet.[8]

Als Nächstes wurde der Teilabschnitt zwischen Celler Straße und Ernst-Amme-Straße fertiggestellt und somit die Lücke zum derzeit nördlichen Ende des Ringgleises bis an die Oker geschlossen.

Im Herbst 2009 wurde am südlichen Ende des Ringgleises der Teilabschnitt von der Arndtstraße zum Harzstieg in der Gartenstadt fertiggestellt und zum Befahren und Begehen freigegeben.

2017 erhielt der bereits asphaltierte Teil des westlichen Ringgleises zwischen Triftweg und Kälberwiese eine gelbe Beschichtung. Dadurch soll sich das Ringgleis deutlich von den Kfz-Straßen abgrenzen.[9] Auf dem Gelände des Westbahnhofs wurde zeitgleich eine historische Drehscheibe eingebaut, die sich vorher in der Nähe an einem Industriegebäude befand. Dieses musste für den Bau des Soziokulturellen Zentrums abgebaut werden. Die Drehscheibe ist die einzige ihrer Bauart, die noch in Braunschweig erhalten ist.[10]

Südliche Verlängerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ringgleis-Brücke über die A 391 und die Alte Frankfurter Straße

Ab dem Frühjahr 2010 wurde die südliche Verlängerung bis über die A 391 erstellt. Am 17. April 2010 wurde die alte Bahnbrücke über die A 391 bis auf die Widerlager entfernt. Die neue Fußgänger- und Fahrradbrücke wurde in zwei Teilstücken angeliefert und Weihnachten 2010 mit einem Kran über die A 391 gelegt. Ende März 2011 wurde die Brücke für Fußgänger und Radfahrer freigegeben. Im Sommer 2011 wurde auf der Ostseite der A 391 der Anschluss an den Südsee und an die Otto-von-Guericke-Straße fertiggestellt.[11] Die Herstellung einer neuen Rampe zwischen Frankfurter Straße und Bahndamm sowie der Lückenschluss zum Harzstieg waren die letzten Arbeiten in diesem Bereich und wurden im Februar 2012 abgeschlossen.

Im Herbst 2017 wurde der Bau der Verlängerung vom bisherigen Endpunkt direkt östlich der A 391 bis zur Echobrücke einschließlich einer Verbindungsrampe zum Kennelweg begonnen und am 21. Februar 2018 eröffnet.[12]

Nördliche Trasse und Okerquerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Brückenschlag über die Oker beim Heizkraftwerk 2016

Für den geplanten Ausbau des Ringgleises im nördlichen Teil bis zum Mittelweg erfolgte 2016 der entscheidende Brückenschlag über die Oker. Die 1995 zurückgebaute Eisenbahnbrücke beim Heizkraftwerk Mitte wurde durch eine neue Stahlfachwerkbrücke ersetzt und diese am 19. September 2016 offiziell dem Verkehr übergeben.[13]

Im November 2017 wurde der Abschnitt zwischen Mittelweg und Luftschifferweg freigegeben. Dieser verläuft am Nordbahnhof und durch den Nordpark. Der Parkabschnitt trägt den Namen Ballonwiese.[14] Anfang 2018 wurde der Abschnitt auf dem ehemaligen Gelände des Pressehauses zwischen Hamburger Straße und Mittelweg der Öffentlichkeit übergeben.

Planung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Südlicher Abschnitt des Ringgleises am Kennel

Im Mai 2011 veröffentlichte die Stadt Braunschweig einen Masterplan für das Ringgleis.[15] Dabei wurde das komplette Ringgleis in die Planungen einbezogen, zur Herstellung eines Geh- und Radwegs um die gesamte Innenstadt Braunschweigs. Im neuen Konzept wird den einzelnen Abschnitten des Ringgleises jeweils ein Motto zugewiesen: Das westliche Ringgleis wird zum Sozialgleis, das südliche Ringgleis wird zum Bahngleis, das östliche Ringgleis zum Parkgleis und das nördliche Ringgleis zum Gleis durch Technik und Natur. Der fertige Ringgleisweg soll eine Strecke von rund 19 Kilometern umfassen.[16]

Derzeit geht man von einer Fertigstellung des gesamten Ringgleises im Jahr 2019 aus. Ursprünglich sollte das Projekt erst 2030 vollständig abgeschlossen sein.[17] In weiteren Schritten sollen Abschnitte des Ringgleises asphaltiert werden.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ringgleis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Website des Ringgleises, abgerufen am 27. Juli 2012
  2. Eisenbahnatlas Deutschland 2007/2008. Schweers + Wall, Köln 2007, ISBN 978-3-89494-136-9, S. 135
  3. Die Geschichte des Braunschweiger Ringgleises. Abgerufen am 17. Februar 2016. Flyer im PDF-Format auf braunschweig.de
  4. Das Ringgleisprojekt-Die Chronik ab 1994. Abgerufen am 5. Dezember 2015.
  5. Soziale Stadt: Projektbeschreibung Westliches Ringgleis
  6. @1@2Vorlage:Toter Link/www.newsclick.de(Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven: Newsclick: 1,7 Millionen für das Westliche Ringgebiet)
  7. @1@2Vorlage:Toter Link/www.newsclick.de(Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven: Newsclick: Erster Einmann-Bunker von der Arndtstraße gerettet)
  8. Chronik der Stadt Braunschweig
  9. Regional Braunschweig: Westliches Ringgleis: Asphalt hat jetzt gelbe Beschichtung
  10. Regional Braunschweig: „Drehscheibe Westbahnhof“ – Neue Attraktion am Ringgleis
  11. Braunschweiger Zeitung: Neue Brücke für das Ringgleis wird gebaut
  12. RegionalBraunschweig: Südliches Ringgleis von A391 bis Echobrücke freigegeben
  13. Ringgleis freigegeben. Stadt Braunschweig, abgerufen am 20. September 2016.
  14. News38: Da isser: Erster Abschnitt am nördlichen Ringgleis fertig
  15. Masterplan der Stadt Braunschweig zur Entwicklung des Ringgleises
  16. Beschreibung des Ringgleises bei braunschweig.de, abgerufen am 19. September 2015
  17. Braunschweiger Zeitung: Oberbürgermeister: Ringgleis soll schon 2019 fertig werden


Koordinaten: 52° 15′ 6,8″ N, 10° 30′ 12,2″ O