White Christmas

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Dieser Artikel bezieht sich auf das Lied, das Musical siehe White Christmas (Musical); siehe auch Weiße Weihnachten.

White Christmas ist der Titel eines von Irving Berlin komponierten Weihnachtslieds. Die 1947 veröffentlichte Version, gesungen von Bing Crosby, gilt mit geschätzten 50 Millionen verkauften Singles als die meistverkaufte Single aller Zeiten.[1]

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten]

Der erfolgreiche Komponist Irving Berlin konnte weder Noten lesen noch schreiben, er überließ die Niederschrift seiner Werke daher seiner Sekretärin Helmy Kresa. Ihr präsentierte er am 8. Januar 1940 seine neue Komposition White Christmas mit insgesamt 48 Takten, die sie dann in Notenform brachte.[2] Zu ihr bemerkte er, es handele sich bei diesem Titel „nicht nur um den besten Song, den ich jemals geschrieben habe, sondern es ist der beste Song, den jemals jemand geschrieben hat“.[3] Als Berlin den Song dann – gekürzt um die ursprünglich geplanten Eingangsverse – dem eher wortkargen Crosby erstmals vorstellte, war dieser bereits auf Anhieb überzeugt: „Darüber brauchst Du Dir keine Sorgen zu machen.“[4]

Studio-Aufnahme[Bearbeiten]

Bing Crosby hat den Song am 25. Dezember 1941 in seiner NBC-Radioshow erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Im Jahr darauf kam es dann zu der Aufnahmesession vom 29. Mai 1942 (Decca DLA3009) in den Decca-Studios in New York City für den geplanten Film Holiday Inn (deutscher Titel: Musik, Musik) mit Crosby und Fred Astaire, für den neben White Christmas noch 5 weitere Songs an jenem Tag aufgenommen wurden; insgesamt verwandte die Produktion im Film 12 Berlin-Songs mit Crosby. Es spielte das John Scott Trotter Orchestra, die Chorbegleitung stammte von den Ken Darby Singers.

Veröffentlichung[Bearbeiten]

Die saisonale Decca-Single White Christmas / Let’s Start The New Year Right (#18429) wurde im August 1942 veröffentlicht, parallel zum Film Musik, Musik (Holiday Inn), der in den USA am 4. August 1942 in die Kinos kam. Der Traum von einer weißen Weihnacht verfing im amerikanischen Hochsommer noch nicht; erst am 3. Oktober 1942 erschien der Titel erstmals in der Pop-Hitparade, wo er am 31. Oktober den ersten Rang erreichte, den er für 11 Wochen innehatte. In den folgenden Jahren kam der romantische Weihnachtssong noch 16 mal in die Top30 und erreichte noch zweimal die Spitze der Charts, nämlich 1945 und im Januar 1947. Am 19. März 1947 musste Crosby in selber Formation den Song nochmals aufnehmen (Decca L4374), weil das Master aus dem Jahr 1942 durch die häufige Benutzung beschädigt war. Beim nahezu identischen Arrangement wurde jedoch der Violinenpart verstärkt. Dies ist die auf fast allen Platten und CDs ausschließlich benutzte Originalaufnahme und hat den Titel zum Erfolg geführt. Nicht zuletzt durch die jährlich wiederkehrende Veröffentlichung zu Weihnachten hat der Song einen immensen Umsatzerfolg erzielen können.

Den Soundtrack zierten viele Irving-Berlin-Lieder, wobei White Christmas die prominenteste Position einnimmt – das Lied erklingt bereits im Vorspann und dann immer wieder im Film, gesungen (einmal von Bing Crosby, einmal von Martha Mears) und in einer instrumentalen Fassung. Der Film Holiday Inn erhielt 1943 den Oscar für den besten Filmsong.

Verkaufserfolg[Bearbeiten]

Die Verkaufszahlen sind widersprüchlich. Fest steht, dass dieses Weihnachtslied zu den meistverkauften Singles aller Zeiten gehört. Seine saisonale Orientierung wird den Verkaufserfolg jedes Jahr erneut verbessern. In den ersten fünf Jahren wurden sieben Millionen Exemplare, bis 1968 insgesamt 30 Millionen in Nordamerika verkauft, weltweit weitere 32 Millionen Exemplare.[5] Die Mehrzahl der Quellen geht von weltweit 50 Millionen Singles aus, das Guinness-Buch legt sich auf 30 Millionen (und über 100 Millionen in allen Sprachen) fest.[6] David A. Jasen geht von 30 Millionen Singles aus.[7] White Christmas ist ungeachtet der großen Differenzen im Plattenumsatz das wertvollste Song-Urheberrecht weltweit, zumal es alljährlich zu neuen Plattenverkäufen und insbesondere Rundfunkaufführungen kommt.

Dank der ungebrochenen Popularität von White Christmas wurde der Song ein zweites Mal Grundlage für einen Musikfilm, dieses Mal direkt unter dem Titel White Christmas (deutsch Weiße Weihnachten) und wieder mit Crosby in der Hauptrolle, dem jetzt Danny Kaye zur Seite stand. Als der Film im Herbst 1954 in die Kinos kam, wurde er ein Kassenschlager. Rechtzeitig zum Kinostart des Films brachte auch Frank Sinatra, mittlerweile bei einem neuen Plattenlabel – Capitol Records –, eine weitere Single-Version von White Christmas heraus. Im Jahre 1957 sangen beide Künstler den Titel als Duett in Sinatras Fernsehshow auf ABC-TV, ein Höhepunkt für Sinatra, der Crosby immer sehr verehrt hatte.

Statistik[Bearbeiten]

Bing Crosby war nicht nur mit dieser Single erfolgreich. Insgesamt kamen 396 seiner Titel in die Hitparaden, darunter befanden sich 38 Nummer-eins-Hits. Der Komponist Irving Berlin verfasste der ASCAP zufolge 812 Songs, von denen 451 zu Hits wurden. Die ASCAP veröffentlichte im Jahre 1998 eine Mitteilung, wonach White Christmas das erfolgreichste Weihnachtslied aller Zeiten sei mit weltweit 500 Versionen[8], das etwa 125 Millionen Tonträger in allen Sprachen weltweit umgesetzt hat. Es wurde im Jahre 2001 von der RIAA auf Platz Zwei in die Liste Songs of the Century aufgenommen.

Auch andere Weihnachtslieder erzielten im Hinblick auf ihren saisonalen Wiederholungseffekt überdurchschnittliche Umsätze. Gene Autrys Rudolph, the Red-Nosed Reindeer brachte es auf 8 Millionen, Bing Crosbys Silent Night (die englischsprachige Version von Stille Nacht, heilige Nacht) kam auf 7 Millionen.

Besonderes[Bearbeiten]

Am 29. April 1975 wurde das Lied als Zeichen der Evakuierung der US-Soldaten aus Saigon im Radio gesendet und war somit der Startschuss der Operation Frequent Wind.

Literatur[Bearbeiten]

  • Jody Rosen: White Christmas: ein Song erobert die Welt. Blessing, München 2003, ISBN 3-89667-172-3.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Roy J. Harris, Jr.: The Best-Selling Record of All, 'White Christmas' and the reasons it endures, Wall Street Journal, 5. Dezember 2009
  2. Publishers Weekly, Reed Music Information, 2002
  3. The Christian Science Monitor, Mark Luce, 2002
  4. Joseph Murrells, Million Selling Records, 1985, S. 35
  5. Joseph Murrells, a.a.O., S. 34
  6. Das Guinness Buch der Rekorde, 1988, S. 279
  7. David A. Jasen, Tin Pan Alley, An Encyclopedia of The Golden Age of American Song, 2003, S. 96
  8. ASCAP-Eintrag für White Christmas