Wilhelm Hornung

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Einzug des Königs Karl von Württemberg in Tübingen am 1. Juni 1865. Das Atelier von Hornung & Sinner in der Wöhrdstraße (heute Uhlandstraße) ist als Pavilion ganz links am Bildrand zu sehen. (Kolorierter Holzschnitt von Wilhelm von Breitschwert)
Rückseite eines Porträtfotos von Sophie Bülow mit Sohn Friedrich, Kabinettformat von Wilhelm Hornung, 1882
Sophie Bülow mit Sohn Friedrich, Fotografie von Wilhelm Hornung, 1882

Paul Wilhelm Hornung (* 1834; † Juli 1884 in Tübingen)[1] war ein württembergischer Fotograf in Tübingen. Sein Sohn war der Tübinger Fotograf Julius Wilhelm Hornung.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zusammenarbeit mit Paul Sinner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Paul Wilhelm Hornung, der sich Wilhelm Hornung nannte, war ursprünglich Maler. 1864 lernte er Paul Sinner kennen, der damals in Stuttgart wohnte. Als Sinner beim Tübinger Gemeinderat eine Erlaubnis zur Heirat mit der Tochter eines Tübinger Metzgers beantragte[2], befürwortete Hornung dies als Mitglied des Tübinger Gemeinderates.

Vermutlich noch vor November 1864, nachdem sich Sinner mit seiner Frau in Tübingen niedergelassen hatte, vereinbarten Hornung und Sinner ihre Zusammenarbeit. Im Dezember stellte Hornungs Schwiegervater, der Glasermeister Wilhelm Kieß, einen Antrag auf Bauerlaubnis eines Atelierpavillons im Garten seines Wohnhauses in der „oberen Wöhrdstraße“ (der heutigen Uhlandstraße). Im Gemeinderat gab es Bedenken gegen den Bau wegen des „unförmlichen Dachs“ und allgemein, da es sich um ein neues Viertel mit repräsentativen Häusern handelte.[3] Im März 1865 wurde die Genehmigung erteilt. Das Atelier mit dem Namen „Hornung & Sinner, Maler und Photographen, Neckarvorstadt“ nahm am 5. Mai 1865 den Betrieb auf.[4] Es war das erste Bau eines Fotoateliers in Tübingen. Der Atelierpavillon befand sich südwestlich des Hauses von Glasermeister Kieß am Rande des Platzes, an dem 1873 das Uhland-Denkmal aufgestellt wurde.[5] Das niedrige Gebäude hatte Wände aus „Riegelfachwerk und Glas […] auf Fußmauern“. Das Dach des Pavillons war mit „Breitziegeln und Glas“ gedeckt. Der Geschäft machte den Eindruck eines gemeinsamen Unternehmens, in Wirklichkeit gehörte es Hornung. Paul Sinner war Hornungs Angestellter, bis er sich zwei Jahre später in Tübingen als Fotograf niederließ. Es ist anzunehmen, dass Hornung das Fotografieren von Sinner erlernt hat.[4]

Aus den ersten Jahren der Tätigkeit sind Fotos von Trachten bekannt. Eine günstige Gelegenheit hatte sich dazu im Sommer 1865 bei der Huldigungsreise des neuen Königs von Württemberg Karl geboten. In Tübingen präsentierten sich 34 Bauernpaare in Steinlachtal-Trachten, die damals kaum mehr getragen wurden.[6] Die Fotos wurden dann im Sinners Laden in der Neckargasse verkauft.

Alleinige Geschäftstätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Trennung von Sinner betrieb Hornung den „geheizten Glassalon“ allein, bis er 1874 sein Wohnhaus in der Uhlandstraße 11 aufstockte und ein Atelier im Dachgeschoss errichtete.[4][7]

Bereits in den ersten Jahren war Hornung nach Einschätzung von Wolfgang Hesse auf dem Gebiet der Porträtfotografie erfolgreicher als Sinner.[8] Im Laufe der Jahre ist Hornung zum führenden Porträtfotografen in Tübingen geworden. Hornungs zweite Spezialität waren Witz- und Scherzmontagen für Studentenverbindungen. Zu seinen Kunden gehörten auch Vereine und Belegschaften von Firmen.[7]

Hornung befasste sich auch mit der Postkartenfotografie: Fotomontagen mit lokalem Zuschnitt. Anhand einzelner Motive ist ersichtlich, dass er eigene Fotos anderen Herstellern für die Gestaltung von Postkarten zur Verfügung stellte.[9] Hornung vernachlässigte das Fotografieren von Trachten. Er machte es nur gelegentlich und überließ es dieses Genre Sinner.[10]

Anlässlich des Deutsch-Französischen Krieges schuf Hornung ein Denkblatt in Anlehnung an ein Werk des Fotografen Friedrich Brandseph, das er aus aus Fotografien (im Visitformat) aller im Kriege gefallener Mitglieder der Tübinger Verbindung Normania abbildete. Auf dem als „Ehrenmal“ bezeichneten Blatt waren auch neben der Namen der Gefallenen auch die Namen der bedeutungsvollen Schlachten. Trotz ehrerbietigen Anpreisungen dieses Werkes, das bei der Osianderschen Buchhandlung zu kaufen war, genoss Hornung nicht die öffentliche Anerkennung, die Paul Sinner zuteilwurde.[11]

Außer der Maler- und Fotografentätigkeit war Hornung – typisch für Handwerker damaliger Zeit – Hopfenbauer. Der Hopfen wurde in Waldhäuser Ost angebaut und in seinen Speichern in der Wöhrdstraße getrocknet.[12] Hornung vernachlässigte auch sein Erscheinungsbild in der Öffentlichkeit nicht und war langjähriger Vorstand des Gesangsvereins „Sängerkranz“ und Obmann des Bürgerausschusses.[13]

Nachdem Wilhelm Hornung 1884 im Alter von 50 Jahren verstorben war, übernahm sein Sohn Julius Wilhelm das Fotoatelier.[14] Der Sohn führte die Tradition des Vaters im gleichen Atelier fort und behielt in den ersten Jahren den Namen des Vaters bei, was gelegentlich zu Verwechslungen bezüglich der Urheberschaft führte.

Bekannte Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1871 Ehrenmal an die gefallen Mitglieder der Verbindung „Normania“.
  • In der William C. Darrah Carte de visite-Collection aus der Zeit von 1860-1900 werden in der Bibliothek der Pennsylvania State University Fotografien Hornungs aufbewahrt, die in der Zeit um 1880 aufgenommen wurden.[15]
  • 1881 Foto von der Einweihungsfeier des Hölderlin-Denkmals im [Alten] Botanischen Garten in Tübingen.[16]
  • 1882 Porträtfoto der Sophie Bülow, geb. Haug mit ihrem Sohn Friedrich, Ehefrau des Oskar von Bülow.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wolfgang Hesse: Ansichten aus Schwaben. Kunst, Land und Leute in Aufnahmen der ersten Tübinger Lichtbildner und des Fotografen Paul Sinner (1838-1925), Gebrüder Metz, Tübingen 1989, ISBN 3-921580-79-X.
  • Udo Rauch, Antje Zacharias (Hrsg.): … und grüßen Sie mir die Welt. Tübingen – eine Universitätsstadt auf den Postkarten. Stadtmuseum Tübingen, 2007, ISBN 978-3-910090-78-1.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wilhelm Hornung – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen und Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wolfgang Hesse: Ansichten aus Schwaben …. S. 101.
  2. Wolfgang Hesse: Ansichten aus Schwaben …. S. 36 (Stadtarchiv Tübingen A70/F5/120/1 – Der Gemeinderat hat in der Sitzung vom 18. Juni 1864 dem Antrag Sinners stattgegeben).
  3. Das Viertel lag zwischen der Altstadt und dem 1861 eröffneten Bahnhof.
  4. a b c Wolfgang Hesse: Ansichten aus Schwaben …. S.37.
  5. Der Platz erhielt 1959 den Namen Platz der Stadt Monthey.
  6. Wolfgang Hesse: Ansichten aus Schwaben …. S. 51.
  7. a b … und grüßen Sie mir die Welt. Tübingen – eine Universitätsstadt auf den Postkarten, S. 18.
  8. Wolfgang Hesse: Ansichten aus Schwaben …. S. 39.
  9. … und grüßen Sie mir die Welt. Tübingen – eine Universitätsstadt auf den Postkarten, S. 34.
  10. Wolfgang Hesse: Ansichten aus Schwaben …. S. 50.
  11. Wolfgang Hesse: Ansichten aus Schwaben …. S. 71.
  12. … und grüßen Sie mir die Welt. Tübingen – eine Universitätsstadt auf den Postkarten. S. 82.
  13. Wolfgang Hesse: Ansichten aus Schwaben …. S. 46.
  14. Wolfgang Hesse: Ansichten aus Schwaben …. S.35 mit Berufung auf „Tübinger Chronik“ vom 20. und vom 22. Juli 1884.
  15. Liste der Fotografien (Memento vom 26. März 2011 im Internet Archive).
  16. Wolfgang Hesse: Ansichten aus Schwaben …. S. 44.