Wilhelm von Vangerow

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Wilhelm Gottlieb Vangerow, ab 1798 von Vangerow, (* 4. Juli 1745 in Stettin; † 6. Oktober 1816 in Magdeburg) war königlich preußischer Regierungspräsident in Magdeburg, Rechtswissenschaftler und Historiker.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vangerow entstammte einer neumärkischen Schultzenfamilie. Er war ein Mitschüler Gottfried August Bürgers auf dem Pädagogium in Halle (Saale).[1] Seit 1762 studierte Vangerow die Rechtswissenschaften an der Universität Halle, 1766 wurde er Referendar am Kammergericht Berlin und 1770 kam er als Regierungsrat an die Kriegs- und Domänenkammer in Magdeburg.[2] Im Jahr 1781 wurde Vangerow dort Oberlandesgerichtspräsident. Am 31. Mai 1791 verheiratete er sich in zweiter Ehe auf dem Rittergut Zschortau bei Leipzig mit Johanne Charlotte Volkmann, geb. am 19. März 1770 in Leipzig, Tochter des aus einer angesehenen Hamburger Patrizierfamilie stammenden Leipziger Universalgelehrten und Reiseschriftstellers Johann Jacob Volkmann und seiner Frau Henriette Eleonore von Welck.

Als solcher wurde er im Jahr 1791 Pupillenrat im Pupillenkollegium und Konsistorialrat sowie Direktor des Magdeburgischen Almosen-Kollegiums, denn um die Armen hatte er sich schon seit 1785 gesorgt,[3] mit dem Prädikat eines Geheimen Justizrats. Im Jahr 1795 wurde er Regierungsdirektor in Magdeburg und 1797 Regierungspräsident.[4]

Vangerow stiftete 1786 eine freiwillige Arbeitsanstalt. 1787 gründete er die Magdeburger Erwerbsschule, die 1793/94 auf seine Initiative in die „Königlich-Magdeburgische Provinzial-Kunstschule“ mit Ausrichtung auf die Förderung von Manufakturen und Gewerbe umgewandelt und 1887 in „Kunstgewerbe- und Handwerkerschule Magdeburg“ umbenannt wurde.[5][6]

Vangerow wurde am 6. Juli 1798 in Berlin – auch aufgrund seiner besonderen Verdienste in der Armenpflege und im Schulwesen – in den preußischen Adelsstand erhoben. Er war Verfasser mehrerer juristischer Schriften. Zu seinen umfangreichen Tätigkeiten gehörte u. a. die Mitgliedschaft in der „Literarischen Gesellschaft“ und die Redaktion der „Magdeburgischen gemeinnützigen Blätter“ (1789/90). Er war eine wichtige Persönlichkeit in Magdeburg für das literarische Leben und das Kulturleben seiner Zeit.

Im Jahr 1802 kaufte sich Vangerow ein Anwesen in Buckau, zu dem viele Magdeburger Bürger pilgerten.[7]

Seine Söhne waren der ostfriesische Landdrost Christoph Friedrich Wilhelm von Vangerow (1775–1824)[8] und Wilhelm Eduard von Vangerow (1785–1833), königlich preußischer Vizepräsident des Oberlandesgerichts Marienwerder, Kammerherr und Ritter des Johanniterordens.[9]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Entwurf des Wechselrechts, 1773
  • Theorie der gerichtlichen Dekretierkunst, 1782
  • Über die Erlernung der Landesgesetze in den Volksschulen, 1789
  • Geschichte und Verfassung des Armen-, Waisen- und Krankenhauses und der damit verbundenen Armenanstalten in Magdeburg, Verlag Pansa, Magdeburg 1793
  • Über die Erwerbsschule in Magdeburg. Zum Andenken ihrer 25jährigen Stiftungsfeier am 1. November 1812. Zum Besten der Anstalt, 1812
  • Entwurf zur Vervollständigung der Einrichtung des Armenwesens im Allgemeinen und in besonderer Beziehung auf die Stadt Magdeburg und deren Vorstädte, 1818.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die im Kurfürstentum Sachsen gelegene Gemeinde Tragarth pflanzte im Frühjahr 1800 zum „Vergnügen“ des preußischen Regierungspräsidenten am Weg, der vom Dorf bis zum Steindamm vor dem Rittergut führte, auf eigene Kosten italienische Pappeln. Vangerow verpflichtete sich schriftlich, dass er keine Ansprüche auf diese Pappeln als Gemeindeeigentum erheben wird. 1805 verkaufte Vangerow dieses Rittergut in Tragarth an Johann Joseph Ackermann.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alexander Krause: Trostlos zagende Armuth. Wilhelm Gottlieb von Vangerow (1745–1816) und die Armenfürsorge in Magdeburg um 1800, Staatsexamensarbeit an der Universität Magdeburg, Mitteldeutscher Verlag, Magdeburg 2007, ISBN 3898124762 bzw. ISBN 978-3898124768 (Inhalt)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Helmut Scherer: Gottfried August Bürger. Der Dichter des Münchhausen, Seite 330, Verlag Scherer, 1995, ISBN 3894330333 bzw. ISBN 9783894330330 (Auszug)
  2. Christoph Weidlich: Biographische Nachrichten von den jetzt lebenden Rechts-Gelehrten in Teutschland, 2. Teil, Hemmerdesche Buchhandlung, Halle 1781, Seite 423, 1781 (Digitalisat)
  3. Helmut Asmus, Manfred Wille: 1200 Jahre Magdeburg. Von der Kaiserpfalz zur Landeshauptstadt, Band 2, Seite 213, Verlag Scriptum, 2002 (Auszug)
  4. Georg Christoph Hamberger, Johann Georg Meusel: Das gelehrte Teutschland, Band 8, Meyersche Buchhandlung, Lemgo 1800, Seite 183 (Digitalisat)
  5. Theodor von Schön, Albrecht Hoppe: Persönliche Schriften. Die autobiographischen Fragmente, Band 1, Seite 77, Verlag Böhlau, 2006, ISBN 3412233056 ISBN 9783412233051 (Auszug)
  6. Freier Geist in engen Mauern. Magdeburg im Zeitalter der Aufklärung. Beiträge zum kulturellen Themenjahr 2004 „Aufklärung durch Bildung“ des Landesprojektes „Sachsen-Anhalt und das 18. Jahrhundert“, Beiträge zur Regional- und Landeskultur Sachsen-Anhalts, Heft 41, Seite 24, Landesheimatbund Sachsen-Anhalt e.V. (Hg.), 2006, ISBN 3928466909 bzw. ISBN 9783928466905 (Auszug)
  7. 10 Jahre Stadtsanierung Buckau, Seite 20 (PDF-Datei; 7,20 MB)
  8. Biografie
  9. Friedrich August Schmidt, Bernhard Friedrich Voight: Neuer Nekrolog der Deutschen, Erster Teil (11. Jg., 1833), Seite 417 (Nr. 181), Verlag Bernhard Fr. Voigt, Weimar 1835 (Digitalisat)