Wolfgang Nieblich

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Wolfgang Nieblich (* 20. März 1948 in Reutlingen) ist ein deutscher Maler, Graphiker, Objektkünstler und Bühnenbildner. Er lebt und arbeitet überwiegend in Berlin.

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nieblich zog mit seinen Eltern 1954 nach Kahla (Saale). In Jena bestand er 1966 das Abitur und wurde neben dem Schulbesuch zum Facharbeiter für Datenverarbeitung und Programmierung bei Carl Zeiss Jena ausgebildet. Er studierte anschließend Mathematik an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und wurde dort 1968 aus politischen Gründen exmatrikuliert. Danach zog er nach Ost-Berlin und studierte von 1970 bis 1974 Malerei und Graphik an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Wegen Verweigerung des Wehrdienstes und des Wehrersatzdienstes musst er sein Studium abbrechen. So siedelte Wolfgang Nieblich 1975 nach West-Berlin über und arbeitete hier zunächst als Programmierer, Systemanalytiker und als anatomischer Zeichner für medizinische Publikationen. Seit 1976 ist er ausschließlich als freier Maler und Objektkünstler tätig. Seine Arbeiten wurden in zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland gezeigt. Der Schwerpunkt der künstlerischen Tätigkeit von Nieblich liegt auf dem Thema Buch.

Wolfgang Nieblich ist in einer Beziehung mit Catharine J. Nicely, die den Verlag PalmArtPress gegründet hat und unter anderem seine Bücher verlegt.[1]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nieblichs bisheriges Werk umfasst die folgenden Objekt- und Themenbereiche:

  • Objekte und Skulpturen
  • Buchobjekte
  • Kinetische Arbeiten
  • Assemblagen mit Büchern und Buchmaterialien, Bronzen, Installationen, Fotoarbeiten
  • Makulatur und andere Erzählungen, Der Schreibtisch als Bild (Assemblagen und Fotos)
  • Die unendliche Bibliothek
  • Bühnenbilder
  • Farbfelder
  • Digitale Medien
  • Architekturprojekte
  • Straßenkunst

Kataloge und Bücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1982: Vom Umgang mit Büchern. Edition Wewerka, Berlin
  • 1985: Das Buch als Objekt. Galerie Butzer, Berlin
  • 1991: BuchSkulpturen. Bertelsmann Lexikon Verlag, Gütersloh
  • 1993: Das Gedächtnis der Zeit. Städtisches Kunstmuseum Spendhaus, Reutlingen
  • 1993: Standbein – Spielbein. Städtisches Museum, Jena
  • 1996: Nur eine Welt. Galerie Horst Dietrich, Berlin
  • 1997: Ohne ISBN. Deutsches Buch- und Schriftmuseum, Leipzig
  • 1998: Die imaginäre Bibliothek. Staatsbibliothek zu Berlin, Berlin[2]
  • 1998: Farbfelder. Galerie Horst Dietrich, Berlin
  • 1999: Multiples. Edition Hauser, Berlin
  • 1999: Objekte. Edition Hauser, Berlin
  • 2000: Der schwarze Fleck (CD-ROM). Deutsches Buch- und Schriftmuseum, Leipzig
  • 2000: Farbfelder II. Edition Hauser, Berlin
  • 2000: Bronzen. Edition Hauser, Berlin
  • 2007: Bücherwelten & Andere Welten. Edition Hauser, Berlin
  • 2007–2008: Kopfwelten. Band I-IX, Edition Hauser, Berlin
  • 2008: Die verpasste Welt. Edition Hauser, Berlin
  • 2008: KunstMarktGeld. Edition Hauser, Berlin
  • 2008: MoneyArtMarket. PalmArtPress, Berlin
  • 2009: Maculatura. PalmArtPress, Berlin
  • 2010: Das ferne so Nah oder Die Currywurst. PalmArtPress, Berlin
  • 2010: Der Hecht im Schulranzen. PalmArtPress, Berlin
  • 2011: Die unendliche Bibliothek. PalmArtPress, Berlin
  • 2012: 12 Miniaturbücher. Edition Hauser, Berlin
  • 2012: Wahr oder Nicht wahr. PalmArtPress, Berlin
  • 2013: Auf Beton I. PalmArtPress, Berlin

Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

ca. 500 Ausstellungen weltweit

Straßenkunst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Beispiel eines mit einem Sinnspruch versehenen Betonklotzes während der Bauarbeiten in der Französischen Straße, Januar 2015

Nieblich hat eher durch ein Ärgernis seine Objektkunst Auf Beton ins Leben gerufen. Die oft klobigen für Baustellen im Berliner Stadtbild eingesetzten Betonblöcke waren ihm zu hässlich. Vor allem vor seiner Galerie im Ortsteil Berlin-Wilmersdorf störten die Betonquader, die oberirdisch provisorisch verlegte Rohrleitungen trugen. Er malte mit schwarzer Farbe ein Zitat aus einem Buch an die Wände. Der Baufirma gefiel die Idee, sodass Nieblich alle Betonhalter verzieren durfte. Nachdem die Rohrleitungen auf die Baustelle am Ministerium für Verteidigung umzogen, wanderten die Klötze mit den Zitaten mit. Die erste spontane Aktion führte schließlich zu einer Zusammenarbeit mit der Tiefbaufirma, die seit (Sommer 2014) auf der Museumsinsel aktiv ist. So waren bis Mitte August 2014 bereits 57 Betonsockel mit gehaltvollen Zitaten beschriftet – und zwar von allen vier Seiten und mit jeweils anderen Aussprüchen. Interessenten finden die vergänglichen Kunstwerke mittlerweile auch am Werderschen Markt und entlang des Kupfergrabens. Die folgenden Beispiele zeigen die Vielfalt der Aussagen:
„Worte sind geladene Pistolen“ (Jean-Paul Sartre), „Geld macht nicht korrupt – kein Geld schon eher“ (Dieter Hildebrandt), „Es ist nicht wenig Zeit, die wir haben, sondern es ist viel Zeit, die wir nicht nutzen“ (Seneca), „Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind“ (Albert Einstein).[1]

Diese neue inhaltsreiche Straßenkunst kommt vor allem bei Touristen gut an. Manche Passanten wünschen sich noch wesentlich mehr von den zum Nachdenken und Diskutieren anregenden Sprüchen.[1]

Alle seine beschrifteten Betonsockel hat Nieblich fotografisch festhalten lassen und bereits in Buchform (2013) veröffentlicht. Ein zweiter Band wird im Herbst 2014 erscheinen, der alle bisher beschrifteten 65 Betonklötze enthält.[3]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Anne Vorbringer: Einstein auf Beton. In: Berliner Zeitung vom 19. August 2014.
  2. Die imaginäre Bibliothek, Ausstellungskatalog
  3. Website des PalmArtPressVerlages mit dem Verlagsprogramm (Stand Ende August 2014)