Wunder-Baum

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Dieser Artikel behandelt den Riechstoffverbreiter Wunder-Baum, zu der gleichnamigen Pflanze siehe Wunderbaum.
Wunder-Baum

Der Wunder-Baum ist ein Einweg-Riechstoffverbreiter in Form der Silhouette eines abstrakten Nadelbaumes für den Gebrauch in Kraftfahrzeugen. Grundsätzlich zielen die sogenannten Lufterfrischer auf eine Erhöhung des Wohlbefindens durch die Abgabe von Duftstoffen ab. Sie sind in verschiedenen Duftrichtungen erhältlich; die beliebtesten sind die Duftnoten Vanillaroma, Sportfrische, Neuwagen und Grüner Apfel.[1][2]

Sie können je nach Land einen anderen Namen aufweisen, zum Beispiel Wunder-Baum (in Deutschland, Schweden, den Niederlanden, Norwegen, Finnland, Dänemark), Little Trees (in den USA und Kanada), Magic Tree (in Großbritannien und Irland) oder Arbre Magique (in Frankreich, Italien, Spanien und Portugal).

Geschichtliches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Little Tree, US-amerikanische Originalversion des Wunder-Baums

Erfinder der Little Trees war Julius Sämann, ein kanadischer Biochemiker und Geschäftsmann deutsch-jüdischer[3] Abstammung, der vor den Nationalsozialisten fliehen musste. Geboren wurde er in Uffenheim, der Vater und dessen Vorfahren stammen aus Ermetzhofen.

Sämann verbrachte mehrere Jahre in Kanada, wo er die Gewinnung von Kiefernnadelöl (Oleum pini silvestris) erforschte. Nachdem sich im Jahre 1951 ein Milchfahrer über den üblen Geruch verschütteter Milch bei ihm beklagt hatte, erfand er eine Möglichkeit, das Kiefernnadelöl mit einem porösen Karton zu verbinden, um den intensiven Kiefernduft längerfristig zu binden. Ein Jahr später gründete er in Watertown im US-Bundesstaat New York die Firma Car-Freshner Corporation zur gewerblichen Produktion der Little Trees genannten Duftbäumchen.

In den Anfangsjahren wurden die Little Trees durch Taxis populär, wo sie sowohl zur Erfrischung der Innenluft, als auch häufig als Dekoration dienten. Es wurde als Extra Service verstanden, den Fahrgästen ein wohlduftendes Gefährt bereitzustellen. Zwar gab es damals schon andere Lufterfrischer, diese waren jedoch flüssiger Natur, was sie, aufgrund zu jener Zeit fehlender funktionaler Behältnisse, für die Verwendung im Auto ungeeignet machte.[4]

Die Bäumchen sind mittlerweile in über sechzig verschiedenen Duftrichtungen erhältlich. 2012 wurden Duftflacons eingeführt und 2013 Clips, welche das bekannte Tannenlogo tragen. Im Jahre 2014 folgte Invisi mit der selbstentwickelten StediScent Technologie, welche auf die Belüftungsschlitze des Autos aufgesteckt werden können und praktisch unsichtbar sind. In den USA und Kanada gibt es noch weitere Produkte, wie beispielsweise Sprühdosen.

Heute befindet sich das Unternehmen in der dritten Generation in Familienbesitz und hat Zweigwerke in Berlin (New Hampshire) und De Witt (Iowa). Weltweit werden die Vertriebspartner aus den USA beliefert. In Europa jedoch, wo sie seit den frühen 1960er Jahren erhältlich sind, gibt es Produktionsstätten in Schweden, Italien und der Schweiz für den hiesigen Markt.[5]

Funktionsweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Lufterfrischer wird in einer Kunststoffhülle verschweißt geliefert. Er besteht aus einem saugfähigen, offenporigen filzähnlichen Karton, der beidseitig bedruckt und mit Duft- und Hilfsstoffen getränkt ist.

Zum Aktivieren und Verteilen der Duftstoffe wird ein kleiner Teil der Hülle entfernt und der Aufhänger angebracht. Je nach Größe der Öffnung in der Plastikfolie und des umgebenden Luftstroms werden nun die Duftstoffe in der Umgebungsluft verteilt. Für die gleichmäßige Geruchsstoffabgabe in den Fahrzeuginnenraum soll die Hülle jede Woche einen Zentimeter nach unten gezogen werden.[6]

Nebenwirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sogenannte „Lufterfrischer“ überdecken im Vergleich zu Geruchsneutralisierern nur die Raumgerüche; sie können allergische Reaktionen und Kopfschmerzen auslösen.

Viele Verbraucher sehen die Folienhülle jedoch als Verpackungsmüll und entfernen diese, entgegen den Vorgaben des Herstellers, komplett. So wird innerhalb kurzer Zeit die größtmögliche Menge an Duftstoffen freigesetzt, der konzentrierte Geruchseindruck führt zu einer Reizüberflutung und häufig zu Kopfschmerzen.[6]

Sortiment[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben der sogenannten Classic Line mit über 40 Sorten, werden auch weitere Serien angeboten: die Cocktail Trees (Piña Colada, Mai-Tai, Margarita) sowie Sentiment (Relax, Passion, Power, Energie) und Rock Range (Citrus Flames, Born to Rock, Delicious, Wild Child).

Im Jahr 2011 wurde die Designer Edition eingeführt, welcher ein Wettbewerb vorausging.[7] Im Rahmen des Wunder-Baum Design-Wettbewerbs im Internet durften Fans ihr eigenes Bäumchen gestalten und von anderen Usern bewerten lassen. Aus über 2000 Design-Vorschlägen wurden vier Motive ausgewählt: Eis, Geisha, Roots und Letters. Dier Wettbewerb fand auf der Facebook-Seite des Unternehmens statt. Während des Wettbewerbs konnte die Seite hohe Zugriffszahlen erreichen. Über 70 000 Pageviews und über 10 000 Besucher waren zugange. Nach Unternehmensangaben treffen die Gewinner das Lebensgefühl einer trendigen, modernen Zielgruppe und begeistern durch ihr charakteristisches Design. Seit Oktober 2011 werden die Motive im Rahmen der Designer Edition im Handel angeboten.[8]

Trotz des vielfältigen Angebots werden, zumindest in Deutschland, stets dieselben Bäumchen am besten verkauft. Der Geschmack der Deutschen Verbraucher sei, so das Unternehmen, recht eingefahren. Festzustellen ist, dass im Osten generell fruchtige Sorten beliebter sind als im Westen. Unter den neuen Duftrichtungen konnte sich lediglich die Note Black Classic in die zehn beliebtesten Duftnoten einreihen. Mit einem Anteil über 27 % führt die Sorte Vanillaroma mit großem Abstand.[9]

Marken- und Designschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den USA ist das Design der Little Trees Duftbäumchen durch insgesamt sechs Bild- und Form-Marken geschützt. Abgesehen von Lufterfrischern erfassen die Markenrechte auch Sticker, Büroartikel, Bekleidung und Taschen. In Deutschland ist der Wunder-Baum durch 13 Bildmarken und eine Formmarke geschützt.[10]

Während in Deutschland bislang keine Rechtsstreits bekannt sind, ist der US-amerikanische Mutterkonzern Car-Freshner Corporation bekannt dafür, seine Markenrechte äußerst konsequent zu verfolgen. Bereits mehrmals wurde erfolgreich gegen verschiedene Unternehmen geklagt, welche die Markenrechte verletzten.[11]

2005 verklagte die Car-Freshner Corporation das Unternehmen Rite Way Wholesale and Distributors, Inc. of New York, da sie eine Kopie des Vanilla Pride Little Trees importierten und in den USA vertrieben. Das Stars & Stripes Design sowie die Vanille Duftnote wurden ebenfalls übernommen. Die Vermarktung musste eingestellt und Schadensersatz ausbezahlt werden.[12]

Im Jahr 2006 wurde Miracle Products verklagt, da sie einen Lufterfrischer namens Little Tee auf den Markt brachten und unter der Domain little-tees.com promoteten. Lediglich ein Buchstabe unterschied die Domain von jener der Little Trees. Die Car-Freshner Corporation forderte daher eine sofortige Unterlassung des Verkaufs, verbunden mit der Zerstörung der noch vorhandenen Produkte. Ebenso verlangte das Unternehmen Schadensersatz in unbekannter Höhe.[13]

Ein weiterer Fall wurde 2006 erfolgreich eingeklagt. Die im Vereinigten Königreich ansässige Firma Tetrosyl Ltd. stellte damals einen tannenförmigen Lufterfrischer her, welcher markante Elemente des Wunder-Baum aufwies. Das Produkte wurde daraufhin eingestellt.[14]

Im selben Jahr produzierte Dale Detwiler, ein in den USA bekannter Hersteller von Grußkarten und Geschenkartikeln, einen Grußkarte, welche duftete und im Dunklen leuchtete. Die Form war identisch mit jener des Wunder-Baums. Auch dieser Fall wurde erfolgreich eingeklagt.[15]

Im Oktober 2011 klagte die Car-Freshner Corporation vor dem US-District Court Northern District of New York gegen Getty Images. Gegenstand der Klage waren Fotos, auf denen Motive mit dem Wunder-Baum zu finden sind, etwa Panoramabilder aus einem Auto heraus, in dem am Rückspiegel der besagte Wunder-Baum hängt.[16]

Ebenfalls 2011 klagte die Car-Freshner Corporation gegen Beck & Call, welche eine ähnlich gestaltete Lufterfrischereihe als Werbegeschenk an ihre Kunden und Interessenten vermarktete.[17]

Der bulgarische Hersteller Balev Eood wurde aufgrund der vermeintlichen Ähnlichkeit der Areon-Lufterfrischerreihe von der Julius Sämann Ltd. vor der Norwegian Industrial Property Office (NIPO) verklagt. Es handelte sich konkret um die Reihe Areon Airplane, welche die Form eines Flugzeuges hatte. In diesem Fall scheiterte die Klage allerdings mit der Urteilsbegründung, es gäbe keine Verwechslungsgefahr. Das Unternehmen Balev Eood veränderte das Design der Areon-Lufterfrischer in der Folge dennoch grundlegend.[18]

Ende 2015 wurde ein Rechtsstreit mit dem Unternehmen Exotica Fresheners Co. zungunsten der Car-Freshner Corporation entschieden. Beanstandet wurde ein ähnliches Verpackungsdesign, wie auch die Verwendung ähnlicher Farben und Produktnamen. Exotica Fresheners Co. musste sowohl das Design ändern, als auch einen Schadensersatz von 52 000 US-Dollar an die Car-Freshner Corporation bezahlen. In der US-amerikanischen Presse wurde diese Entscheidung teilweise kontrovers diskutiert.[19][20]

Wunderbaum in der Populärkultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Wunderbaum und seine Kontur sind Teil der Populärkultur geworden. Sie spielen in zahlreichen Filmen (Repoman (1985), König der Fischer (1991), Sieben (1995)) eine wichtige Rolle oder sind (nebensächliches) Detail wie in 10 Items or Less (2006), Cleaner (2007), Der Tatortreiniger (2011) oder Ich – Einfach Unverbesserlich (2010). Wunderbäume sind in der Greaser-Subkultur, einer Jugendkultur von Kindern der Arbeiterklasse, die sich in den 1950er Jahren in den USA aus den Straßengangs bildete, von zentraler Bedeutung: Kein aufgemotztes Fahrzeug ist ohne den entsprechenden Duftbaum vollständig. Eine entsprechende Szene findet sich heutzutage in den ländlichen Gebieten Skandinaviens.

Sponsoring[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Little Trees werden oft im Motorsport promotet. Unter anderem war Little Trees 1986 offizieller Sponsor des Formel 3 Rennens in Italien. Ebenso war Little Trees Sponsor des Porsche Teams in Deutschland und ist momentan Sponsor des NASCAR Fahrers Mike Olsen.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wunder-Baum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/die-zehn-beliebtesten-wunderbaum-duefte-a-589140.html
  2. http://www.tz.de/auto/duftbaum-beliebtestenautoduefte-1047010.html
  3. http://www.genios.de/presse-archiv/artikel/COBU/20150521/dufte-dieser-fraenkische-tueftler-w/3137037871.html
  4. http://www.nytimes.com/2012/03/04/magazine/who-made-little-tree-air-fresheners.html
  5. http://www.little-trees.ie/little-trees-history
  6. a b Katharina Blansjaar: Die Tanne aus der Tüte. In: NZZ am Sonntag. Band 9, Nr. 39. Zürich 26. September 2010, S. 103 (hier online [abgerufen am 27. September 2010]).
  7. http://www.wunder-baum.de/presse-download
  8. Pressemitteilung_WUNDERBAUM_Eis.pdf
  9. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/die-zehn-beliebtesten-wunderbaum-duefte-a-589140.html
  10. https://www.designschutznews.de/2011/10/risiko-agenturfoto-wunder-baum-gegen-getty-images/
  11. https://dockets.justia.com/search?query=Julius+Samann+LTD
  12. http://www.happi.com/contents/view_breaking-news/2005-11-11/car-freshner-corp-scores-victory-over-counter/
  13. http://www.markenbusiness.com/de/news.php?newsid=4326
  14. http://oami.europa.eu/pdf/natcourt/Julius_Samann.pdf
  15. http://www.austinchronicle.com/news/2006-03-24/349745/
  16. http://www.shopsave.de/aktuelles/artikel.html?tx_news_pi1[news]=554&tx_news_pi1[controller]=News&tx_news_pi1[action]=detail&cHash=f5d249a8ba5e348a9dc077b1d9cd2304
  17. http://de.scribd.com/doc/52085715/Complaint-Freshner
  18. http://www.worldipreview.com/article/norway-court-rules-in-air-freshener-case
  19. http://www.nytimes.com/2015/11/20/nyregion/small-rival-loses-trademark-suit-involving-car-scents.html
  20. http://www.nytimes.com/2015/11/17/nyregion/car-scent-rivals-fight-in-trademark-suit.html