Filz

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Filzmuster

Filz ist ein textiles Flächengebilde aus einem ungeordneten, nur schwer zu trennenden Fasergut; Filz ist also eine nicht gewebte Textilie. Werden fertige Gewebe (z. B. Loden) verfilzt, spricht man von Walkstoffen. Aus Chemiefasern und auch aus Pflanzenfasern entsteht Filz durch trockene Vernadelung (Nadelfilz)[1] oder durch Verfestigung mit unter hohem Druck aus einem Düsenbalken austretenden Wasserstrahlen.

Filz aus Schafswolle (Wollfilz) ist ein Walk- oder Pressfilz. Die gereinigte, gekämmte und bis zum Vlies aufbereitete und eventuell gefärbte Rohwolle wird durch eine mechanische Bearbeitung (Walken) in einen festen Verbund gebracht. Die einzelnen Fasern sind dabei miteinander ungeordnet verschlungen. Die Haare von Schafen (Wolle) haben eine schuppenartige Oberfläche, deren mikroskopisch kleine Plättchen sich beim Walken dauerhaft ineinander verhaken.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Fachliteratur wird teilweise die Meinung vertreten, dass Filze als textile Flächengebilde älter seien als Gewebe,[2] wofür aber bislang Belege fehlen. Es wurde spekuliert, dass die Wandmalereien in der der steinzeitlichen Siedlung Çatal Hüyük in Zentralanatolien um 6000 v. Chr. auf Filzteppiche zurückgehen,[3] dies ist jedoch wenig überzeugend.[4]

Bronzezeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein möglicher Filzfund aus Beyçesultan aus der Frühbronzezeit II (ca. 2600 v. Chr.) gilt als der bisher älteste Beleg für diese Technik.[5]

Bei Ausgrabungen in Käwrigul in dem vorwiegend von Uiguren bewohnten Mongolischen Autonomen Bezirk Bayingolin in West-China wurden Filzmützen aus der Zeit um 1800 v. Chr. gefunden.

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Mützen aus diesem Material wurden auch in Hünengräbern in Dänemark und Norddeutschland entdeckt. Sie stammen aus der Zeit um 1500 v. Chr.

In dem Grabhügel 3 von Bleckmar wurden in einem Frauengrab der mittleren Bronzezeit Reste einer Filzkappe gefunden. Auch Funde bei Behringen in Niedersachsen belegen, dass in Nord- und Mitteleuropa schon früh die Filz-Herstellung bekannt war.

Frühe Anhaltspunkte für die Existenz liegen, wie oben gesagt, von den Tocharern aus NW-China vor. Ab dem 3. Jahrhundert v. Chr. findet man hierzu auch Hinweise in der altchinesischen Literatur.

Eisenzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Funde in der früheren Phrygier-Hauptstadt Gordion aus der Zeit um 700 v. Chr. zeigen, dass damals im Anatolien Filze bekannt waren. Auch assyrische Texte beschreiben die Filzherstellung[6] Die reichsten Funde früher Filze stammen aus den Pazyryk-Gräbern. Die im ewigen Eis des Altai-Gebirges entdeckten Kurgane der Skythen aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. enthielten Filze erstaunlich gleichmäßer Dicke. Daraus darf auf eine weit fortgeschrittene Fertigungsmethode geschlossen werden. Diese Funde zeigen eine vielseitig Verwendung der teilweise durch Applikationen kunstvoll gemusterten Filze.

Antike[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei den Völkern der Antike waren in der klassischen Zeit Filze gut bekannt, wie mehrere Erwähnungen in der Literatur der Griechen und Römer sowie in Pompeji ausgegrabene Filzmacherwerkstätten belegen.

Als Meister der Filzherstellung in Asien galten die Mongolen und die Tibeter. Für beide Völker ergeben sich Hinweise auf eine frühe Nutzung dieses Materials, das für nomadisierende Gruppen besonders wichtig war. Sie verwendeten Filze nicht nur für ihre Kleidung, sondern auch für die Herstellung ihrer Zelte und Jurten.

Herstellungsmethoden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nassfilzen (auch unter dem Begriff Walkfilze zusammengefasst) des ungebundenen Vlieses mit warmem Wasser (Dampf) und Seife (alkalische Filzhilfe) ist die traditionelle, handwerkliche Verarbeitung der Wolle oder von Tierhaaren. In Kombination mit warmem Wasser und Seife stellen sich die Schuppen in der obersten Schuppenschicht der Haare (Cuticula) auf. Gleichzeitig durchgeführtes Walken bewirkt ein gegenseitiges Durchdringen der einzelnen Fasern. Die aufgestellten Schuppen verkeilen sich so stark ineinander, dass sie nicht mehr zu lösen sind. Das Werkstück schrumpft dabei stark und es ergibt sich ein festes textiles Flächengebilde. Die endgültige Form kann dabei nahtlos aus einem Stück herausgearbeitet werden. Da Walkfilze aus tierischen Fasern, zum Teil unter Beimischung von Zellwolle, bestehen, handelt es sich dabei um ein Naturprodukt, das biologisch abbaubar ist.

Beim Trockenfilzen wird die trockene Wolle mit Hilfe spezieller Filznadeln in eine Form gebracht. Diese Methode ist der Vorläufer des Vernadelns mit einem Nadelbalken. Nadelfilz wird mechanisch mit zahlreichen Nadeln mit Widerhaken hergestellt. Hierbei sind die Widerhaken umgekehrt wie bei einer Harpune angeordnet, so dass die Fasern in den Filz gedrückt werden und die Nadel leicht wieder herausgeht. Durch wiederholtes Einstechen werden die Fasern miteinander verschlungen und eventuell anschließend chemisch oder mit Wasserdampf nachbehandelt. Solche Nadelvliesstoffe lassen sich nicht nur aus Wolle, sondern aus praktisch allen anderen Fasern herstellen. Nadelfilz ist der heute übliche industriell hergestellte Filz. Außerdem ist noch das Verhaken mit einem gepulsten Wasserstrahl. Hier können auch Fasern ohne Schuppenstruktur eingesetzt werden, etwa Polyamid und Polyester.

Die kunsthandwerkliche Tradition des Filzens wird in jüngerer Zeit von vielen Menschen und Kleinbetrieben wiederentdeckt. Dabei entsteht eine Gebrauchskunst, die vor allem robuste und wärmende Kleidungsstücke umfasst, zum Beispiel Schals, Jacken, Westen, Hüte, Hausschuhe und Pantoffeln, aber auch figürliche Arbeiten einschließt.

Eigenschaften von Filz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Der einzige Einzelnachweis "Filz-Lexikon by Tomako" bezieht sich lediglich auf Filz aus Wolle. Ob die Angaben dort, beispielsweise zur Entflammbarkeit, auch für Filze aus anderen Materialien gelten, ist ungewiß. Im übrigen ist die angegebene Internetseite keine zuverlässige Informationsquelle.
  • Elastizität: Filz ist dehnbar, druckelastisch und widerstandsfähig, sodass kaum Knitter entstehen.
  • Isolationsfähigkeit: Zum einen ist Filz schallhemmend, zum anderen isoliert er gegen Hitze und Kälte. Das Material besitzt eine feuchtigkeitsabweisende Komponente, zugleich auch eine hohe Saugfähigkeit, die es dem Stoff erlaubt Flüssigkeiten aufzunehmen und wieder abzugeben. Außerdem gewährleistet die gegebene Polsterung Schutz vor mechanischer Belastung.
  • Schwere Entflammbarkeit: Filz ist in der Regel nicht brennbar. Sogar bei direkter Feuereinwirkung wird der Stoff ab ca. 320 Grad nur verkohlen.[7]

Anwendungsgebiete[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Filzhut

Schädlinge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ursache von Löchern im Filz aus Naturfasern können Motten sein.

Reinigung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei oberflächlichem Schmutz reicht es aus, eine Bürste zur Hand zu nehmen oder den Filz abzusaugen. Eine Handwäsche ist ebenso möglich. Dazu sollte der Filz zunächst benässt, anschließend mit Shampoo oder Vollwaschmittel eingerieben und hinterher ausgespült werden. Nach dem Trocken kann der Filz wieder in Form gestrichen werden, sollte das nicht funktionieren, kann ein Bügeleisen mit leichtem Dämpfen Abhilfe schaffen.

Übertragene Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die kaum trennbaren Filzfasern liefern das Sprachbild für die Bedeutung Filz im übertragenen Sinne. Darunter wird verstanden, dass eine Gruppe von Personen durch – vor allem finanzielle – Abhängigkeiten in einer undurchschaubaren und vielfältigen Weise verknüpft ist (siehe auch: Klüngel, Korruption, Seilschaft). In ähnlicher Weise verwendet man das Sprachbild als Adjektiv und bezeichnet etwa ein System als „verfilzt“.

DIN-Normen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Filz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Alfons Hofer: Textil- und Modelexikon. 7. Auflage. Band 1, Deutscher Fachverlag, Frankfurt am Main 1997, ISBN 3-87150-518-8, S. 284.
  2. Catherine Breniquet: Weaving in Mesopotamia during the Bronze Age: Archaeology, techniques,iconography. In: C. Michel, M.-L. Nosch (Hrsg.): Textile Terminologies in the Ancient Near East and Mediterranean from the Third to the First Millennnia BC. Oxford, Oxbow 2010, S. 54 mit detaillierter Widerlegung. (jstor.org)
  3. M. Burkett: An early Date for the Origins of Felt. In: Anatolian Studies. Band 27, 1977, S. 1–115.
  4. Catherine Breniquet: Weaving in Mesopotamia during the Bronze Age: Archaeology, techniques,iconography. In: C. Michel, M.-L. Nosch (Hrsg.): Textile Terminologies in the Ancient Near East and Mediterranean from the Third to the First Millennnia BC. Oxford, Oxbow 2010, S. 56. (jstor.org)
  5. Irene Good: Textiles. In: Daniel T. Potts (Hrsg.): A companion to the archaeology of the ancient Near East. (= Blackwell Companions to the Ancient World). Oxford, Blackwell 2012, ISBN 978-1-4051-8988-0, S. 343.
  6. Nicholas Postgate: Wool, Hair and Textiles in Assyria. In: Catherine Breniquet, Cécile Michel (Hrsg.): Wool Economy in the Ancient Near East. Oxford, Oxbow 2014. (jstor.org)
  7. Eigenschaften v. Filz. Filz-Lexikon by Tomako, abgerufen am 18. Februar 2015.