Banana Yoshimoto

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Banana Yoshimoto (jap. よしもと ばなな Yoshimoto Banana, * 24. Juli 1964 in Tokio) ist eine japanische Schriftstellerin. Ihr wirklicher Name lautet Mahoko Yoshimoto (吉本 真秀子 Yoshimoto Mahoko).

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Sie ist die Tochter von Takaaki Yoshimoto (auch bekannt als Ryūmei), einem einflussreichen Denker der japanischen Neuen Linken, Dichter und Literaturkritiker,[1] und von Kazuko Yoshimoto, einer Haiku Dichterin. Inspiriert durch ihre ältere Schwester Haruno Yoiko, einer erfolgreichen Mangaka, suchte Yoshimoto etwas, das ihr selbst Spaß machte und fing mit etwa fünf Jahren an zu schreiben. Während sie die Oberschule besuchte, zog sie mit ihrem Freund zusammen und studierte schließlich an der Nihon Daigaku japanische Literatur. Nach ihrer Ausbildungszeit befragt, antwortet sie in einem Interview: „I didn't do much sports, just stayed up until late, writing novels. As a result I was dozing in class every day. In addition to that, booze came into my life at university. It's almost like I went to university to learn how to drink. Still I have no regrets about those days (…) though I wish I had studied a bit harder then“.[2]

Für ihre Abschlussarbeit, die Erzählung Moonlight Shadow, bekam sie 1986 den Dekanspreis der Universität (学部長賞). Nach ihrem Studium jobbte sie zunächst als Kellnerin im Restaurant eines Golfclubs in Tokio, wo sie während ihrer Arbeitspausen die Erzählung Kitchen verfasste.[3] Für ihr erstes Werk Kitchen erhielt sie 1987 den 6. Kaien-Literaturpreis für Debütanten (海燕新人文学賞, Kaien Shinjin Bungakushō) und ein Jahr später den 16. Izumi-Kyōka-Literaturpreis der Stadt Kanazawa.[4] Für Utagata und Sanctuary wurde ihr 1988 der 89. Künstlerpreis des Bildungsministers für Debütanten verliehen. Mit Tsugumi gewann sie 1989 den 2. Yamamoto Shūgorō Preis (山本周五郎賞), mit Amrita den 5. Murasaki-Shikibu-Literaturpreis. Furin to nanbei erhielt im Oktober 2000 den 10. Bunkamura Prix des Deux Magots.

Im Jahr 2000 heiratete sie Tahada Hiroyoshi, einen Komplementärmediziner,[5] mit dem sie einen Sohn hat. Die Hochzeit kommentiert Yoshimoto auf ihrer Homepage in drei knappen Sätzen: „We were married in August 2000. We only had the wedding ceremony. I married him because I thought that I could get on well with him (…).“[6]

Banana ist Yoshimotos Künstlername. Über die Gründe der Wahl dieses extravaganten Namens ist viel spekuliert worden. Manche Kritiker wollen darin eine Abgrenzung Yoshimotos zu der gewichtigen Rolle ihres Vaters sehen. Yoshimoto selbst hat derartige Spekulationen immer bestritten und gibt an, sie habe sich wegen der Schönheit der roten Blüten des Bijinsho (Red Banana Flower) für ihren Künstlernamen entschieden.

Merkmale und wiederkehrende Motive in den Werken Bananas sind:

  • Tod (insbesondere der Verlust dem Erzähler nahestehender Personen)
  • Japanische Ich-Erzählung (Shishōsetsu 私小説)[7]
  • Eine für Japan ungewöhnlich offene Darstellung nicht-linearer Sexualität
  • Übernatürliche Phänomene (z.B. das Erleben desselben Traumes durch zwei Personen)
  • Nähe zum Genre des Shōjo Manga

Werke[Bearbeiten]

  • 1986 Moonlight Shadow (ムーンライト・シャドウ, Mōnraito shadou)
  • 1988 Kitchen (キッチン)
    • dt. Kitchen. Übersetzt von Wolfgang E. Schlecht. Zürich, Diogenes 1994, ISBN 3-257-22700-0
  • 1988 Utakata/ Sanctuary (うたかた/サンクチュアリ, ~ sankuchuari)
  • 1988 Kanashii yokan (哀しい予感)
  • 1989 Tsugumi (つぐみ)
  • 1989 Shirakawa Yofune (白河夜船)
    • dt. Dornröschenschlaf. Drei Erzählungen von der Nacht. Übersetzt von Annelie Ortmanns. Zürich, Diogenes, 2001 ISBN 3-257-23264-0
  • 1990 N.P.
  • 1993 Tokage (とかげ)
    • dt. Eidechse. Erzählungen. Übersetzt von Anita Brockmann und Annelie Ortmanns. Zürich, Diogenes 2005 ISBN 3-257-06478-0
  • 1994 Amurita (アムリタ)
  • 1994 Marika no nagai yoru/ Bari yume nikki (マリカの永い夜/バリ夢日記)
  • 1996 SLY sekai no tabi 2 (SLY 世界の旅2)
  • 1996 Hachikō no saigō no koibito (ハチ公の最後の恋人)
  • 1999 Honeymoon (ハネムーン, hanemūn)
  • 1999 Hardboiled/ Hardluck (ハードボイルド/ハードラック, Hādoboirudo hādorakku) Übersetzt von Annelie Ortmann, Zürich, Diogenes ISBN 978-3-257-23482-4
  • 2000 Furin no nambei (不倫と南米)
    • darin:  Yoshimoto Banana: A little Darkness. In: Michael Emmerich (Hrsg.): Parallel Text. Short stories in Japanese. 1 Auflage. Penguin Books, New York 2011 (Originaltitel: 小さな闇, übersetzt von Michael Emmerich), ISBN 978-0-14311-833-6, S. 7-34.
  • 2000 Karada wa zenbu shitte iru (体は全部知っている)
    • dt. Mein Körper weiß alles: 13 Geschichten. Übersetzt von Annelie Ortmann und Thomas Eggenberg. Zürich, Diogenes 2010 ISBN 3-257-06751-8
  • 2000 Hinagiku no jinsei (ひな菊の人生)
  • 2002 Niji ()
  • 2002 Ōkoku sono 1: Andromeda Hights (王国 その1 アンドロメダ・ハイツ, Andoromeda haitsu)
  • 2002 Aruzenchin Babaa (アルゼンチンババア)
  • 2003 Hagoromo (ハゴロモ)
    • dt. Federkleid. Übersetzt von Thomas Eggenberg. Zürich, Diogenes 2008 ISBN 3-257-06579-5
  • 2003 Dead end no omoide (デッドエンドの思い出, deddo endo ~)
  • 2004 Ōkoku sono 2: itami, ushinawareta mono no kage, soshite mahō (王国 その2 痛み、失われたものの影、そして魔法)
  • 2004 Umi no futa (海のふた)
  • 2004 Hatsukoi (はつ恋)
  • 2004 Nankuru nai (なんくるない), 2004
  • 2005 Ōkoku sono 3: himitsu no hanazono (王国その3 ひみつの花園)
  • 2005 Mizuumi (みずうみ)
  • 2006 Iruka (イルカ)
  • 2008 Kanojo ni tsuite

Hörbuch[Bearbeiten]

  • Hard-boiled, Hard Luck. Erzählung über die Unvermeidlichkeit des Verlassens und die Kunst des Loslassens; Hörbuchfassung. Sprecherin: Regula Siegfried. Regie: Pierre Kocher ISBN 3-257-06396-2
  • Eine geheimnisvolle Erfahrung. Hörbuchfassung, Sprecherin: Franziska Pigulla, Audiobuch Verlag 2005, ISBN 3-89964-151-5
  • Starke Stimmen. Jessica Schwarz liest Kitchen. Regie: Sabine Buß. Köln, Random House Audio 2006, ISBN 386604190X
  • Dornröschenschlaf. Sprecherin: Anna Thalbach. Süddeutsche Zeitung GmbH, München 2006. Bibliothek der Erzähler Band 4, ISBN 3-86615-361-9

Verfilmungen[Bearbeiten]

  • 1989 Kitchen, Regie: Morita Yoshimitsu
  • 1990 Tsugumi, Regie: Ichikawa Jun
  • 1997 Kitchen, unter dem Titel Aggie et Louie, Gemeinschaftsproduktion Japan - Hongkong, Regie: Yim Ho
  • 2007 Aruzenchin Babaa, Regie: Nagao Naoki

Literatur[Bearbeiten]

  • Michiko Mae: Banana Yoshimoto: Postmodernes Kulturphänomen oder eine "neue Literatur"? In: Japanische Schriftstellerinnen 1890-2006 (Eduard Klopfenstein, Hrsg.), in: Zeitschrift der Schweizerischen Asiengesellschaft, Asiatische Studien LXI-2-2007, S. 607-641, Verlag Peter Lang AG, Bern, ISSN 0004-4717.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Biografischer Abriss Takaaki
  2. FAQ in the interviews: "How did you spend your school days?". Abgerufen am 6. März 2012.
  3. GEE, Alison Dakota (1997): A Taste for the Unusual. In: Asiaweek 9, S. 50-51. Hongkong: Asiaweek.
  4. Offizielle Webseite der Stadt Kanazawa
  5. Biografischer Abriss Yoshimotos (japanisch)
  6. Banana Yoshimoto Official Site | Faq
  7. Interview mit Yoshimoto Banana, Yoshimoto gibt an, dass ihre Werke im Gegensatz zur Ich-Erzählung eher zum Genre Gūwa (Fabel, Parabel) gehören.
  8. Sly bei Diogenes