Zöllner (Beruf)

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Uniform einer römischen Zollwache (Beneficarius) – Rekonstruktion im Deutschen Zollmuseum

Der Beruf des Zöllners (regional auch Mautner genannt) zählt zu den ältesten bekannten Berufen und ist schon aus der Bibel bekannt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Überall da, wo es ein geordnetes Gemeinwesen gibt, treten auch Zöllner in Erscheinung. Meist waren Zöllner bei den Bürgern unbeliebt, da sie auf Anordnung der jeweiligen Staatsmacht die Steuern oder andere Pflichtabgaben eintrieben.

Römische Antike[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im römischen Reich wurden die Steuern und Zölle in den Provinzen nicht vom Staat direkt eingezogen, sondern dieser verpachtete die Gebiete an einzelne Zollpächter (lat. publicani[1]), die sie durch Unterbeamte (die Zöllner - griech. τελώνης) eintreiben ließen, welche man aus der einheimischen Bevölkerung nahm.[2] Die Pächter mussten eine festgelegte Summe an den Staat abliefern, so dass der Staat das Risiko z. B. von Missernten auf diese abwälzen konnte.[2] Es lag somit nahe, dass die Pächter und Zöllner mehr verlangten als nötig oder gar erlaubt war, um Überschüsse aus den Einnahmen zu erzielen.[2] So wurden sie gehasst und verachtet und man versagte ihnen die bürgerlichen Ehrenrechte, z. B. wurden sie vor Gericht nicht als Zeugen zugelassen.[3]

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Ende des röm. Reiches ging das Zollrecht auf die fränkischen und später auf die deutschen Könige über.[4] Die mittelalterlichen Zölle waren Binnenzölle, die beim Passieren bestimmter Zollstätten an Land- oder Wasserwegen[5] oder auf öffentlichen Märkten erhoben wurden.[4] Es oblagen auch anderen Berufsgruppen wie dem Müller, Bäcker oder den Handwerksberufen das Recht und die Pflicht, als Eintreiber von Obrigkeitsabgaben in Erscheinung zu treten.

Moderne[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit den 1930er Jahren bis 2001 erfolgte in Deutschland die Ausbildung an sogenannten Zollschulen.

Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heute sind Zöllner festangestellte Beschäftigte der Zollbehörde des jeweiligen Landes. Sie sind häufig auch beamtet wie etwa die deutschen Zollbeamten der Bundeszollverwaltung. Sie sind mit einer Vielzahl von originären und auch übertragenen Aufgaben beschäftigt, in erster Linie Zollkontrollen, der Abgabenerhebung Steuer und Zölle, Beobachtung und/oder Schutz der Landesgrenzen (Grenzaufsicht und Grenzschutz), Verhinderung und Verfolgung von Schmuggel und vielen mehr.[6] Ihre Ausbildung erfolgt in Deutschland heute über das Bildungs- und Wissenschaftszentrum der Bundesfinanzverwaltung.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Peter Lichtenberger: WIRTSCHAFT - Das römische Steuersystem - Das Zollwesen im Römischen Reich - Die Zollerhebung. In: imperium-romanum.com. Abgerufen am 5. Februar 2018: „Die Erhebung des Zolls lag bereits in republikanischer Zeit in den Händen von publicani (Steuerpächtern). Durch diese Methode ersparte sich der römische Staat ein Heer von Steuerbeamten zu unterhalten.“
  2. a b c Fritz Rienecker, Gerhard Maier, Alexander Schick, Ulrich Wendel: Lexikon zur Bibel. R.Brockhaus, Witten 2013, ISBN 978-3-417-26550-7, Zöllner, S. 1295.
  3. J. Jeremias, Zöllner und Sünder, S. 2. Digitale Bibliothek Band 12: Religion in Geschichte und Gegenwart, S. 36196 (vgl. RGG Bd. 6, S. 1928) (c) J.C.B. Mohr (Paul Siebeck)
  4. a b Das mittelalterliche und frühneuzeitliche Zollwesen. In: Steuermuseum / Finanzgeschichtliche Sammlung Museumsführer. Bundesministerium der Finanzen, 9. Dezember 2010, abgerufen am 17. Januar 2018.
  5. Gegessen wird, wo einst Zöllner die Hand aufhielten. In: RP ONLINE. RP Digital GmbH, 7. Juli 2017, abgerufen am 17. Januar 2018: „Das Zollhaus 1257 in Monheim überwachte früher den Warenverkehr auf dem Rhein. [...] Weil es im Mittelalter wichtig war, den Rhein zwecks einträglicher Zollerhebung für die aufblühende Freiheit Monheim im Blick zu haben, baute man die damalige Zollstation unmittelbar am Strom.“
  6. Neue Aufgaben des Zolls. In: Sammlungen. Zollmuseum Friedrichs, abgerufen am 18. Januar 2018.