Zahnriemen

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Zahnriemen (in der Motortechnik auch Synchronriemen oder Steuerriemen genannt) sind Treibriemen mit Zahnung, die formschlüssig in gezahnten Riemenscheiben laufen. Sie vereinen die Eigenschaften einer Kette und eines Flachriemens.

Aufbau und Funktionsweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zahnriemen mit Trapezprofil, Längsschnitt. Zugstrang schraffiert

Auf der Innenseite des Riemens sind Zähne aus einem Elastomer ausgeformt, die in ein spezielles Zahnrad eingreifen. Als Material der Zähne kommt Gummi, Chloropren-Kautschuk, Hydrierter Acrylnitrilbutadien-Kautschuk (HNBR[1]) oder Kunststoff (Polyurethan) in Frage.

Diese Bauweise hat gegenüber Keil- oder Flachriemen, die nur mit Kraftschluss arbeiten, folgende Vorteile:

  • durch die Formschlüssigkeit der Zahnung sind hohe Kräfte bei geringerer Vorspannung übertragbar
  • weil die Zahnung Schlupf verhindert, können Zahnriemen auch zur Steuerung eingesetzt werden.

Die Kraft im Zahnriemen selbst wird durch den eingebetteten, im Vergleich zum Elastomer steifen Zugstrang übertragen, der meist aus Glas- oder Aramidfasern besteht, seltener aus Stahlseilen. Die Innenseite des Zahnriemens ist mit einem abriebfesten Gewebe beschichtet, um die Zähne vor Verschleiß zu schützen.

Bei Sonderformen sind sowohl innen als auch außen auf dem Zahnriemen Zähne aufgebracht. Diese können jeweils unterschiedliche Abstände haben. Durch geeignete Umlenkungen und Zahnformen ist sehr unterschiedliches Verhalten des Getriebes möglich. Zahnriemen lassen sich mit Schnecken und Zahnstangen kombinieren.

Zahnriemen sind unter anderem genormt in:

  • DIN ISO 5296: Zahnteilungen MXL, XXL, XL, L, H, XH, XXH (trapezförmige Verzahnung in zölligen Teilungen).
  • DIN 7721: Zahnteilungen T 2,5, T 5, T 10, T 20 (trapezförmige Verzahnung in metrischen Teilungen).
  • ISO 13050: Zahnteilungen H8M, H14M, S8M, S14M, R8M, R14M (kurvenförmige Verzahnungen in metrischen Teilungen).

Bei Nähmaschinen gab es um 1960 auch Zahnriemen aus einem bandförmigen Schnurwickel mit in Abständen umfassend aufgepressten C-Klammern aus Rundstahldraht als Zähne.

Die Zähne eines Zahnriemens verlaufen quer zu seiner Umfangsrichtung, ähnlich wie Sprossen einer Leiter. Ein Rillenriemen (Keilrippenriemen) hingegen hat zum Eingriff in eine Rillenscheibe auf seiner Innenseite längs mehrere parallele Rillen. Der quer durchgeschnittene Rillenriemen hat ein zick-zack-förmiges Profil und ist eine Bauart des Keilriemens.

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zahnriemen werden generell für zwei Zwecke eingesetzt:

  • für die Übertragung von großen Riemenkräften, bei denen Keil- oder Flachriemen durchrutschen würden (zum Beispiel als Ersatz für Kettenantriebe), oder
  • für Stelltriebe, bei denen die Zahnung verhindert, dass sich Treibrad und getriebenes Rad zueinander verdrehen.

Zahnriemen als Stelltriebe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ventilsteuerung bei Viertaktmotoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zahnriementrieb bei laufendem Motor
Offener Zahnriementrieb eines Motors mit zwei Nockenwellen (DOHC)
Von einem abgerissenen Ventilteller durchschlagener Kolben

Eine typische Anwendung für Polymergewebezahnriemen ist der Einsatz als Alternative zur Steuerkette für den Antrieb der Nockenwelle(n) von Viertaktmotoren. Zur exakten Einhaltung der Steuerzeiten darf keine Veränderung der Winkellage von Nocken- und Kurbelwelle auftreten.

Vorteile gegenüber Steuerketten

  • geräuscharm
  • bei geringer Belastung hohe Lebensdauer
  • geringere Masse, daher höhere Drehzahlen möglich
  • durch Anbringung außerhalb des Motors leichte Austauschbarkeit sowie Kontrolle auf Beschädigung
  • keine Schmierung nötig (selbstschmierend)
  • engere Umschlingungswinkel möglich
  • keine teuren (öldruckbelasteten) Kettenspanner erforderlich
  • kaum Längung während der Lebensdauer, dadurch präzise Steuerung
  • geringere Kosten

Nachteile gegenüber Steuerketten

  • höherer Verschleiß, da nur selbstschmierend
  • geringere Belastungsgrenze/Bruchdehnung (kann plötzlich reißen)
  • Riemenspannung muss regelmäßig überprüft werden
  • kann aufgrund von Unbeständigkeit gegen Öl nur außen am Motor angebracht werden, daher größere Baulänge des Motors (zusätzlich Wellendichtungen erforderlich). Ausnahme: der Ford EcoBoost-Dreizylindermotor mit 1,0 Liter Hubraum – ab 2012 unter anderem im Ford Focus eingesetzt – hat einen im Ölbad laufenden Zahnriemen.
  • höhere Wartungskosten (regelmäßiger Wechsel alle 40.000 bis 240.000 km, bei vielen Motoren sind dazu zeit- und kostenintensive Arbeiten nötig: Ablassen des Kühlmittels, Ausbau von Kühler, Kühlmittelpumpe, Lichtmaschine etc.)
  • nicht alterungsfest[2]

Reißt der Zahnriemen, werden die Ventile zum falschen Zeitpunkt geöffnet bzw. bleiben geöffnet und können mit dem Kolbenboden kollidieren (nicht bei „Freiläufern“). Das kann zu starken Beschädigungen bis hin zum Totalschaden führen. Aus diesen Gründen sind Motoren mit besonders hoch belasteten Ventiltrieben nicht mit Zahnriemen ausgestattet. Sie verwenden Steuerketten, Königswellen oder Stirnradgetriebe, deren Zuverlässigkeit erheblich höher ist. Als erster Pkw-Serienmotor mit Zahnriementrieb gilt der Glas 1000ccm von 1962. In Flugmotoren finden Ventiltriebe mit Zahnriemen und/oder Ketten keine Verwendung.

Werkzeug- und Maschinenbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zahnriemen werden in Positionierantrieben eingesetzt, da sie aufgrund der formschlüssigen (synchronen) Kopplung reproduzierbar arbeiten. Sie können weitgehend spielfrei ausgeführt werden und liefern – wenn sie eine Stahleinlage besitzen – kaum belastungsabhängige Lageabweichung. Typische Anwendungsfelder für Zahnriemenantriebe sind Positioniersysteme mit Servomotoren, Handlingmodule und andere Linearantriebe, die zum Beispiel bei Druckern, Verpackungsmaschinen oder in Industrierobotern eingesetzt werden.

Zahnriemen als Treibriemen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zahnriemenfahrrad

Wenn ein Zahnriemen weniger wegen seiner präzisen Stelleigenschaften genutzt wird, sondern die Übertragung eines Drehmoments im Vordergrund steht, so spricht man von einem Einsatz als Treibriemen. Bei Motorrädern zum Beispiel dienen Zahnriemen immer öfter zum Antrieb des Hinterrades, so bei Harley-Davidson, OCC, Buell, Kawasaki sowie der BMW F-Reihe. Der Vorteil gegenüber den herkömmlichen Stahlketten besteht im Wegfall der Schmierung, was weniger Wartungsaufwand und längere Lebensdauer bedeutet. Weiterhin kann der Antrieb wegen der Elastizität des Riemens spielfrei konstruiert werden. Die breitere Bauweise und der gegenüber einer Stahlkette etwas höhere Leistungsverlust fallen bei starken Motoren kaum ins Gewicht.

Auch beim Antrieb von Fahrrädern finden Zahnriemen ihre Anwendung, führen aber trotz ihrer Vorteile (weitgehend wartungsfrei, 2–3 mal längere Haltbarkeit als bei einem Kettenantrieb unter gleichen Bedingungen, Effizienz gleich einer neuen Kette) in Europa ein Nischendasein. Zur Aufrechterhaltung der notwendigen Riemenspannung finden Riemenspanner (Kettenspannern nachempfunden) oder in das Tretlager integrierte Kettenspanner Verwendung. Üblicherweise werden Fahrrad-Zahnriemen mit Naben- oder Tretlagerschaltungen kombiniert; es sind aber auch Riemenschaltungen daraus denkbar. Beim Radfahren wird zwar vergleichsweise wenig Dauerleistung übertragen, jedoch treten sehr hohe Anfahrkräfte auf, die einen Zahnriemen auf Dehnung belasten, die proportional den Wirkungsgrad verringert und sowohl Kunststoff-Zahnscheibe als auch Riemen verschleißen lassen.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gummi-Gleisketten, wie sie bei kleinen Baumaschinen und Modellfahrzeugen Verwendung finden, sind zwar ähnlich aufgebaut, werden aber nicht als Zahnriemen bezeichnet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Thomas Nagel: Zahnriemengetriebe. Eigenschaften, Normung, Berechnung, Gestaltung. Hanser, München 2008, ISBN 978-3-446-41380-1.
  • Raimund Perneder: Handbuch Zahnriementechnik. Grundlagen, Berechnung, Anwendungen. Springer, Berlin 2009, ISBN 978-3-540-89321-9.
  • Autodata (Hrsg.): Zahnriemen 2010. Benzin- und Dieselfahrzeuge 2000–2010. - Prüfung, Einstellung, Austausch.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Zahnriemen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. 10. Tagung „Zahnriemengetriebe“ S. 2.
  2. Wenn der Zahnriemen altert