Stiftung für Hochschulzulassung

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Sitz der SfH im Dortmunder Kreuzviertel

Die Stiftung für Hochschulzulassung (SfH), bis 2008 Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS), ist eine rechtsfähige Stiftung des öffentlichen Rechts in Deutschland mit der Aufgabe, „die die Leistungen der Stiftung in Anspruch nehmenden Hochschulen bei der Durchführung der Zulassungsverfahren zu unterstützen“ (Art. 2 Nr. 1 StV Hochschulzulassung) sowie für Studiengänge, die in das zentrale Vergabeverfahren einbezogen sind, „Studienplätze für das erste Fachsemester an staatlichen Hochschulen in Auswahlverfahren zu vergeben“ (Art. 5 Abs. 1 Nr. 1 StV Hochschulzulassung). Sie hat ihren Sitz in Dortmund (Art. 1 Abs. 1 StV Hochschulzulassung).

Von den 11.000 Studiengängen, die in Deutschland an rund 400 Hochschulen angeboten werden, sind folgende Fächer in das zentrale Vergabeverfahren der Stiftung eingebunden:

Für die Unterstützung der Hochschulen bei der Durchführung ihrer örtlichen Auswahlverfahren (örtlicher NC) steht seit dem 16. Mai 2012 ein von der Stiftung für Hochschulzulassung betriebenes Bewerbungsportal zur Verfügung. In diesem Portal geben die teilnehmenden Hochschulen ihre Studienangebote für erste berufsqualifizierende Studiengänge bekannt. Studienbewerberinnen und Studienbewerber können sich in diesem Portal registrieren und bewerben und haben die Möglichkeit, den Bearbeitungsstand ihrer Bewerbungen zu verfolgen oder die Prioritäten ihrer Studienwünsche zu verändern.

Geschichte und Aufgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um die hohen Bewerberzahlen für bestimmte Studiengänge auf die verschiedenen Hochschulen zu verteilen, wurde von der Westdeutschen Rektorenkonferenz in den 1960er Jahren die Zentrale Registrierstelle gegründet. Zuvor hatten sich Studienplatzbewerber an den einzelnen Hochschulen mit jeweils unterschiedlichen lokalen Notengrenzen einzeln bewerben müssen. Die Registrierstelle vergab Studienplätze für die medizinischen Fächer an Bewerber mit den besten Abiturnoten. Infolge des Numerus-clausus-Urteils 1972 wurde dann im Rahmen eines Staatsvertrages über die Vergabe von Studienplätzen die Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) als Nachfolgerin der Zentralen Registrierungsstelle geschaffen. Sie sollte bundesweit einheitliche Notengrenzen für besonders beliebte Studienfächer gewährleisten, in denen die Bewerberzahl die Anzahl der Studienplätze überstieg.

In der Folge wurden immer mehr Studiengänge in das zentrale Vergabeverfahren aufgenommen, weil die Zahl der Studienbewerber weiter stieg (Baby-Boomer = geburtenstarke Jahrgänge ab Ende der 1950er Jahre; steigende Abiturientenquote). Weitere Urteile zur Zulassungsproblematik veranlassten dann eine Neufassung des Staatsvertrags; dieser wurde 1978 beschlossen. Er enthielt ein erweitertes Auswahlverfahren, das aber erst im Wintersemester 1981/1982 zur Anwendung kam. Dieses beinhaltete neben der Abiturnote neue Kriterien wie Quoten nach Benachteiligung oder Ländern. Da nicht alle Studierende ihrem gewünschten Studienort zugeteilt wurden, konnte anschließend mit jemandem der Studienort getauscht werden. Zu den Stichtagen am 15. Januar und 15. Juli bildeten sich regelmäßig lange Schlangen vor dem ZVS-Gebäude, weil nicht das Datum des Poststempels, sondern das Eingangsdatum bei der ZVS maßgeblich und Telefax wegen der nötigen Unterschrift nicht zulässig war. Manche Anträge wurden gar noch wenige Minuten vor 24 Uhr abgegeben.[1]

In den 2000er Jahren sank die Zahl der Studienbewerber. Deshalb sind heute weniger Studienfächer und -plätze in das zentrale Vergabeverfahren einbezogen. So wurde z.B. 2005 der bundesweit zulassungsbeschränkte Studiengang Betriebswirtschaftslehre örtlich zulassungsbeschränkt. Lokale Zulassungsverfahren nutzt man auch zunehmend, um mehr Wettbewerb zwischen den Hochschulen zu schaffen.

Mit dem Staatsvertrag über die Errichtung einer gemeinsamen Einrichtung für Hochschulzulassung (StV Hochschulzulassung) einigten sich bis Juni 2008 alle 16 Bundesländer auf die Umwandlung der ZVS von einer Anstalt des öffentlichen Rechts in eine Stiftung. Die neue Stiftung für Hochschulzulassung hat am 1. Mai 2010 die Aufgaben der ZVS übernommen. Der Sitz der Stiftung ist ebenfalls Dortmund.

Im Jahr 2008 hatte die Vorgängerin der Stiftung rund 120 Bedienstete. Neben der Bearbeitung der Zulassungsanträge gehört die Beratung rund um die Studienaufnahme zu den Haupttätigkeiten der Stiftung. In den vierzig Jahren ihres Bestehens haben Stiftung und ZVS rund sieben Millionen Bescheide verschickt. Zurzeit werden pro Semester ungefähr 120.000 Anträge bearbeitet, wobei die meisten erst gegen Ende der maßgeblichen Fristen die Behörde erreichen.

Die Stiftung hat Stiftungsorgane nach dem Stiftungsgesetz. Sie wird geleitet durch einen Stiftungsrat,[2] der sich aus 16 Vertretern der Bundesländer und 16 Vertretern der staatlichen und staatlich anerkannten Hochschulen zusammensetzt. Die laufenden Geschäfte werden durch einen Geschäftsführer bestellt.

Die Anzahl der Studienbewerber hat sich auf Grund der doppelten Abiturjahrgänge durch die Umstellung auf das achtjährige Gymnasium und den Wegfall der Wehrpflicht vorübergehend erhöht. Bis 2015 werden daher 275.000 zusätzliche Studienplatzsuchende prognostiziert.[3]

Vergabe von Studienplätzen für die Studiengänge Medizin, Pharmazie, Tiermedizin und Zahnmedizin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die aktuelle Vergabeverordnung der Stiftung [4] für die bundesweit zulassungsbeschränkten Fächer Medizin, Pharmazie, Tiermedizin (nur zum Wintersemester) und Zahnmedizin sieht vor, dass Studienplätze im Verhältnis zu 20 Prozent nach den Abiturbesten, 20 Prozent nach der Wartezeit und 60 Prozent im Auswahlverfahren der Hochschulen vergeben werden.[5] Im Auswahlverfahren der Hochschulen legen die einzelnen Hochschulen die Kriterien der Auswahl fest und entscheiden über die Zulassung zum Studium. Die Durchschnittsnote, die weiterhin einen maßgeblichen Einfluss behalten muss, kann durch folgende Kriterien ergänzt werden: Einzelnoten des Zeugnisses, Ergebnis eines fachspezifischen Studierfähigkeitstests (z.B. Test für medizinische Studiengänge), Art der Berufsausbildung oder Berufstätigkeit, Ergebnis eines Auswahlgesprächs, sonstige durch das jeweilige Landesrecht zugelassene Kriterien, Verbindung der vorgenannten Maßstäbe. Anhand der unterschiedlichen Auswahlkriterien werden unter den Bewerberinnen und Bewerbern für die jeweilige Hochschule Ranglisten aufgestellt und die Zulassungen vergeben.

Vergabe von Studienplätzen für Studiengänge mit örtlicher Zulassungsbeschränkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sofern die Zahl der Bewerbungen die vorhandene Zahl an Studienplätzen an einer Hochschule übersteigt, wird die Einführung von örtlichen Zulassungsbeschränkungen (Orts-NC) notwendig. Mittlerweile bestehen an zahlreichen Hochschulen derartige Zulassungsbeschränkungen für die angebotenen Studiengänge. Wegen der damit verbundenen Unsicherheiten für die Studienbewerber haben diese in den letzten Jahren vermehrt mit sogenannten Mehrfachbewerbungen an verschiedenen Hochschulen sowie auf mehrere Studiengänge reagiert. Dieses Verhalten der Studienbewerber hatte bei den betroffenen Hochschulen einen deutlichen Anstieg der Bewerbungen zur Folge. Durch die Mehrfachbewerbungen sind zugleich deutlich aufwändigere und langwierige Zulassungsverfahren (Nachrückverfahren) an den Hochschulen notwendig geworden, um die vorhandenen Studienplätze tatsächlich zu vergeben, da Bewerber mit mehreren Zulassungsangeboten keine Rückmeldung über nicht genutzte Zulassungen geben mussten. Um die Vermittlung von Studienplätzen in diesen Studiengängen zu koordinieren und Mehrfachbewerbungen zu vermeiden, haben die Hochschulrektorenkonferenz und die Länder gemeinsam das Dialogorientierte Serviceverfahren konzipiert.[6] Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat die Projektentwicklung und Implementierung mit Mitteln in Höhe von insgesamt 15 Mio. Euro gefördert. Das Dialogorientierte Serviceverfahren besteht aus vier Phasen, in deren Anschluss ein Clearingverfahren [7] stattfindet. Mittels Datenabgleich zwischen den teilnehmenden Hochschulen wird eine effektive hochschul- und bewerberorientierte Vermittlung von Studienplätzen ermöglicht. Durch den Abgleich von Zulassungsangeboten können langwierige Nachrückverfahren vermieden werden. Die Koordination der örtlichen Zulassungsverfahren erfolgt unter Beachtung der Autonomie der Hochschulen und der landesrechtlichen Vorschriften.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.dradio.de/dlf/sendungen/campus/1174245/ Deutschlandfunk – „Also ich fand das ganz angenehm mit der ZVS“
  2. http://www.hochschulstart.de/index.php?id=3234 – Die Gremien der Stiftung für Hochschulzulassung
  3. Abi Eltern, Ausgabe 2010
  4. VergabeVO Stiftung (PDF; 120 kB)
  5. http://www.hochschulstart.de/index.php?id=29 – Auswahlregeln
  6. http://www.hochschulstart.de/?id=3291
  7. http://www.hochschulstart.de/index.php?id=3338