Zigarettenwährung

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Jugendliche handeln mit Zigaretten auf dem Schwarzmarkt, Westdeutschland 1948

Zigarettenwährung war ein auf dem Schwarzmarkt im Nachkriegsdeutschland gebrauchter Begriff.

Da nach dem Krieg die Reichsmark (RM) im von den Alliierten besetzten Deutschland durch Inflation beständig an Wert einbüßte, wurde der direkte Warentausch bei den Menschen immer beliebter. Auch die Wertvergleichsfunktion (eine der Geldfunktionen) wurde von Waren übernommen – hauptsächlich von Zigaretten; diese waren ausgesprochen knapp und wurden gerne gehandelt. Die „Zigarettenwährung“ war verbreitet. Eine Zigarette entsprach im Oktober 1946 einem Geldwert abhängig vom Ort von ungefähr 2,50 bis 10 RM,[1] was einer heutigen Kaufkraft von 9 bis 36 Euro entsprechen würde. Die Preise waren in Berlin mit seinem sowjetisch besetzten Umland fast doppelt so hoch wie in Süddeutschland, wo durch die US-amerikanische Besatzung mehr Nachschub möglich war.[2][3]

Mit der Währungsreform am 20. Juni 1948 in den Westzonen und der Währungsreform in der Sowjetischen Besatzungszone am 23. Juni 1948 normalisierten sich die Verhältnisse wieder.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christoph Maria Merki: Die amerikanische Zigarette – das Maß aller Dinge. Rauchen in Deutschland zur Zeit der Zigarettenwährung (1945–1948). In: Thomas Hengartner, Christoph Maria Merki (Hrsg.): Tabakfragen. Rauchen aus kulturwissenschaftlicher Sicht. Zürich 1996, S. 57–82.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Willi A. Boelcke: Der Schwarzmarkt 1945–1948: Vom Überleben nach dem Kriege. Georg Westermann Verlag, 1986, ISBN 3-07-508814-5, S. 106.
  2. Bernd Sprenger: 60 Jahre Währungsreform – 1948 und die wirtschaftspolitischen Folgen. (PDF) In: Bernd Sprenger, Bodo Herzog: Währungsreform und Soziale Marktwirtschaft. Berlin 2008, ISBN 978-3-940955-10-4, S. 7–27.
  3. Zigaretten-Währung. In: Die Zeit. Nr. 20/1948.