Zuckerbäckerstil

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Typisches Beispiel: Wohnkomplex in Moskau, im Vordergrund die Moskwa

Der Ausdruck Zuckerbäckerstil bezeichnet abwertend einen Baustil, der sich durch eine üppige Dekoration der Gebäudeoberfäche auszeichnet, der daher als überbordend monumental bzw. als übertrieben und anachronistisch ornamental empfunden wird. Dabei erscheint die Verzierung nicht harmonisch in ein schlüssiges Ganzes eingepasst, sondern aufgesetzt.

Analogie Zuckerbäcker[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bezeichnung leitet sich ab von den oberflächlich und kleinteilig verzierten Produkten der Zuckerbäcker, d.h. also der Konditoren. Wie ein Konditor beispielsweise die Oberfläche einer Torte mit Schlagsahne, Buttercreme, Kuvertüre oder Marzipan überzieht und daraus Ornamente formt oder wie er die Oberfläche der Torte mit Formstücken aus Zucker, Zuckermasse oder Baiser-Masse besetzt und dekoriert, so werden im Zuckerbäckerstil analog Verzierungen aus Stuck (vergleichbar Sahne oder Buttercreme) oder steinerne Dekor-Elemente (vergleichbar Dekor-Formstücken aus Zucker oder Baiser) auf der Fassade, d.h. der Oberfläche des Baukörpers, angebracht.

Es handelt sich also um eine oberflächen-verhaftete Gestaltung, d.h. um reine Dekoration. Diese gestalterische Haltung steht damit in Kontrast zu anderen gestaltrischen Konzepten, z.B. dem Konzept des Styling, bei dem der zu gestaltende Körper von der gestalterischen Formensprache plastisch komplett durchformt (also nicht nur oberflächlich besetzt) wird, und zum Konzept der funktionalistischen Formgebung in der Moderne.

In der Architektur hat sie ihren Ursprung in der zunehmenden Abkopplung beziehungsweise Verselbstständigung des Fassadenentwurfs von der strukturellen Logik des Bauwerks. Damit einher geht die vor allem Ende des 19. und Anfang des 20. Jh. zu beobachtende berufliche Scheidung zwischen Architekturzeichner (Architekt) und Ingenieur.

Anwendungen des Begriffs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Zuckerbäckerstil bezeichnet man vor allem die Architektur des sozialistischen Klassizismus.[1] Allerdings wurde der Begriff in anderen Ländern von Kommentatoren in Bezug auf historistische und eklektizistische Architektur bereits verwendet, als die Sowjetunion der avantgardistischen Architektur (u.a. Konstruktivismus) als Ausdruck ihres revolutionären Programms noch offen gegenüberstand.

In weiterem Sinne meint der Begriff aber auch die Architektur des Historismus und Eklektizismus. sofern sie in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts gegenläufig zu den Tendenzen der Moderne entsteht. In Italien wird beispielsweise der Stilo Coppedè der 1910er und 1920er Jahre als Zuckerbäckerstil bezeichnet, wobei die sich hier entstandene Architektur stark an den Liberty-Stil anlehnt, die italienische Richtung des Jugendstils.[2]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lexikon der Weltarchitektur. München 1992, S. 703.
  2. Kirk, Terry: The architecture of modern Italy. 2 Bd., Bd. 2: Visions of utopia, 1900-present. New York 2005, S. 28-30.