Zuckerbäckerstil

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Begründung: keine bzw. zuwenige seriöse Quellen House1630 (Diskussion) 23:13, 29. Sep. 2016 (CEST)
Typisches Beispiel: Wohnkomplex in Moskau, im Vordergrund die Moskwa

Der Ausdruck Zuckerbäckerstil bezeichnet abwertend einen Baustil, der sich durch eine üppige Dekoration der Gebäudeoberfäche auszeichnet, der daher als überbordend monumental bzw. als übertrieben oder anachronistisch ornamental empfunden wird. Dabei wird die Verzierung als nicht harmonisch in ein schlüssiges Ganzes eingepasst, sondern wie aufgesetzt angesehen.

Analogie Zuckerbäcker[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bezeichnung leitet sich ab von den oberflächlich und kleinteilig verzierten Produkten der Zuckerbäcker, d.h. also der Konditoren. Wie ein Konditor beispielsweise die Oberfläche einer Torte mit Schlagsahne, Buttercreme, Kuvertüre oder Marzipan überzieht und daraus Ornamente formt oder wie er die Oberfläche der Torte mit Formstücken aus Zucker, Zuckermasse oder Baiser-Masse besetzt und dekoriert, so werden im Zuckerbäckerstil analog Verzierungen aus Stuck (vergleichbar Sahne oder Buttercreme) oder steinerne Dekor-Elemente (vergleichbar Dekor-Formstücken aus Zucker oder Baiser) auf der Fassade, d.h. der Oberfläche des Baukörpers betrachtet.

Es handelt sich um eine Bezeichnung für eine oberflächen-verhaftete Gestaltung, im Sinne einer reinen Dekoration. Diese gestalterische Haltung wird damit in Kontrast zu anderen gestalterischen Konzepten gesehen, z.B. dem Konzept des Styling, bei dem der zu gestaltende Körper von der gestalterischen Formensprache plastisch komplett durchformt (also nicht nur oberflächlich besetzt) wird, und zum Konzept der funktionalistischen Formgebung in der Moderne.

In der Architektur wird der Ursprung in der zunehmenden Abkopplung beziehungsweise Verselbständigung des Fassadenentwurfs von der strukturellen Logik des Bauwerks gesehen. Damit einher geht die vor allem Ende des 19. und Anfang des 20. Jh. zu beobachtende berufliche Scheidung zwischen Architekturzeichner (Architekt) und Bauingenieur.

Anwendungen des Begriffs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Zuckerbäckerstil wird beispielsweise die Architektur des sozialistischen Klassizismus bezeichnet.[1] Allerdings wurde der Begriff in anderen Ländern von Kommentatoren in Bezug auf historistische und eklektizistische Architektur bereits verwendet, als die Sowjetunion der avantgardistischen Architektur (u.a. Konstruktivismus) als Ausdruck ihres revolutionären Programms noch offen gegenüberstand.

In weiterem Sinne meint der Begriff die Architektur des Historismus und Eklektizismus. sofern sie in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts gegenläufig zu den Tendenzen der Moderne entsteht. In Italien wird beispielsweise der Stilo Coppedè der 1910er und 1920er Jahre als Zuckerbäckerstil bezeichnet, wobei die sich hier entstandene Architektur stark an den Liberty-Stil anlehnt, die italienische Richtung des Jugendstils.[2]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lexikon der Weltarchitektur. München 1992, S. 703.
  2. Kirk, Terry: The architecture of modern Italy. 2 Bd., Bd. 2: Visions of utopia, 1900-present. New York 2005, S. 28-30.