Zwergwildschwein

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Zwergwildschwein
Bache mit Frischling, illustriert von Joseph Wolf

Bache mit Frischling, illustriert von Joseph Wolf

Systematik
Überordnung: Laurasiatheria
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Unterordnung: Schweineartige (Suina)
Familie: Echte Schweine (Suidae)
Gattung: Sus
Art: Zwergwildschwein
Wissenschaftlicher Name
Sus salvanius
Hodgson, 1848

Das Zwergwildschwein (Sus salvanius, Syn.: Porcula salvania) ist eine Säugetierart aus der Familie der Echten Schweine (Suidae). Es ist die kleinste Schweineart und hochgradig gefährdet. Gelegentlich wird es einer eigenen Gattung Porcula zugeordnet.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Männchen erreichen eine Kopfrumpflänge von 65 bis 70 Zentimeter, die Weibchen kommen auf 55 bis 62 Zentimeter. Die Schulterhöhe beträgt 20 bis 30 Zentimeter, der Schwanz ist ein kurzer Stummel von 2 bis 3 Zentimetern Länge. Das Gewicht beträgt bei den Männchen 7,7 bis 11,8 Kilogramm und bei den Weibchen 6,6 bis 7,6 Kilogramm. Die Männchen sind robuster gebaut und haben außerdem längere Eckzähne als die Weibchen. Der Körper ist abgerundet und die Beine sind verhältnismäßig kurz. Das Fell ist graubraun gefärbt, an der Unterseite ist es etwas heller.

Verbreitung und Lebensraum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwergwildschweine sind im nördlichen Südasien beheimatet, ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet umfasste das nordöstliche Indien sowie das südliche Nepal und Bhutan. Heute leben sie allerdings nur mehr in zwei Wildparks im indischen Bundesstaat Assam. Ihr Lebensraum sind dichte, hochgewachsene Grasländer, die oft mit Bäumen und Büschen bestanden sind.

Lebensweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwergwildschweine leben in Familiengruppen aus meist vier bis fünf Tieren, die sich aus einem oder zwei Weibchen und ihrem Nachwuchs zusammensetzen. Die erwachsenen Männchen leben außerhalb der Paarungszeit einzelgängerisch, halten aber manchmal losen Kontakt zu der zugehörigen Familie. Sie sind eher tagaktiv, ruhen aber während der Mittagshitze. Aufgeschreckte Zwergwildschweine erreichen hohe Laufgeschwindigkeiten, der Naturforscher Brian Houghton Hodgson, der sie als erstes wissenschaftlich beschrieb, berichtet jedoch auch, dass sie furchtlos Störer attackieren würden.[1]

Als einzige Schweine benutzen sie das ganze Jahr über Schlafnester. Dazu graben sie eine Mulde, die mit Gräsern und anderem Pflanzenmaterial gepolstert wird. Nester werden von der Familiengruppe gemeinsam benutzt, was auch dazu beiträgt, den Wärmeverlust in kalten Nächten zu verringern.

Nahrung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwergwildschweine sind wie die meisten Schweine Allesfresser. Sie nehmen Wurzeln, Knollen, Früchte und andere Pflanzen, aber auch Insekten, Eier, kleine Wirbeltiere und Aas zu sich. Sie verbringen rund sechs bis zehn Stunden pro Tag mit der Nahrungssuche. Während der Nahrungssuche durchwühlen sie in schweinetypischer Weise den Boden. Während der Nahrungssuche halten sie durch Grunzlaute mit anderen Tieren ihrer Gruppe Kontakt.[2]

Fortpflanzung und Jungenaufzucht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach einer Tragzeit von rund 100 Tagen kommen gewöhnlich drei bis vier Junge zur Welt. Die Reproduktion ist saisonal und erreicht bei Beginn des Monsuns Ende April bis Mai ihren Höhepunkt. Die Jungtiere erreichen bei der Geburt eine Größe von 16 bis 19,5 Zentimeter und ein Gewicht von 133 bis 250 Gramm. Die Haut hat zunächst eine gräulich-rosa Färbung. Nach ungefähr 11 Tagen bekommen die Jungen ein braun-gelb gestreiftes Fell. Die Aufzucht geschieht durch die Weibchen der Familiengruppe. Die Geschlechtsreife tritt mit 13 bis 33 Monaten ein, das Höchstalter dieser Tiere kann 10 bis 12 Jahre betragen.

Zwergwildschweine und Menschen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gefährdung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwergwildschweine zählen zu den bedrohten Arten. Die Gründe dafür liegen einerseits in der Bejagung wegen ihres Fleisches, andererseits in der Zerstörung des Lebensraumes durch Siedlung, Überweidung, landwirtschaftliche Beeinträchtigung, Brandrodung und Hochwasserregulierungsprojekte. Diese Gründe haben dazu geführt, dass die Bestände drastisch zurückgingen, und Ende der 1950er-Jahre hielt man das Zwergwildschwein bereits für ausgestorben.

1971 wurde die Art von John Tessier Yandell, einem Sekretär vom Assam Wildlife Management, im Manas-Nationalpark in Assam wiederentdeckt, daneben fand man noch eine kleine Population im Barnadi-Wildreservat. Trotz laufender Schutzmaßnahmen wird die Anzahl der geschlechtsreifen Tiere auf weniger als 250 Exemplare geschätzt. Die IUCN klassifiziert das Zwergwildschwein in die Kategorie „vom Aussterben bedroht“ (critically endangered).

1977 wurden im Fell von Zwergwildschweinen drei Exemplare der ektoparasitisch lebenden Laus Haematopinus oliveri gefunden, die seitdem nicht mehr nachgewiesen wurde.

Zoohaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Zwergwildschwein war bisher nur höchst selten in westlichen Zoos zu sehen. Im 19. Jahrhundert hielten der Berliner und der Londoner Zoo diese Tiere. 1976 erhielt der Zoo Zürich das Pärchen Cal und Cutta, das sehr bekannt wurde. Cutta wurde 1977 Mutter von fünf Frischlingen, starb allerdings, als die Jungen drei Monate alt waren. Die Aufzucht der Jungen gelang jedoch. 1978 starb das letzte Weibchen, Dira, an den Folgen einer schweren Geburt.

Heute ist der einzige Halter weltweit eine Zuchtstation in Indien, die vom Durrell Wildlife Conservation Trust unterstützt wird. Dort werden dreißig paarweise gehaltene Zuchtpärchen gepflegt. Bis 2016 wurden 100 Tiere aus Nachzuchten ausgewildert.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World. Johns Hopkins University Press, Baltimore 1999, ISBN 0-8018-5789-9.
  • Annemarie und Christian Schmidt: Das Buch der Tierfamilien: Schweine und Pekaris. Kinderbuchverlag Luzern, 1991, ISBN 3-276-00105-5.
  • Tej Kumar Shrestha: Wildlife of Nepal – A Study of Renewable Resources of Nepal Himalayas. Tribhuvan University, Kathmandu 2003, ISBN 99933-59-02-5
  • J. J. C. Mallinson: The Pigmy Hog Sus salvanius in Northern Assam. Journal of The Bombay Natural History Society 68(2), 1971:S. 424–433

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sus salvanius – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelbelege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Shrestha, S. 186
  2. Shrestha, S. 186 und S. 187