Gewandhaus Museum Inneringen

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Gewandhaus Museum Inneringen
Gewandhaus Museum Inneringen.JPG
Daten
Ort Hettingen-Inneringen, Deutschland
Art Modemuseum
Eröffnung 16. Mai 2015
Betreiber Gewandhaus e. V.
Leitung Dagmar Kuster
Ilse Wolf, Katja Morrison (künstlerische Gestaltung)
Website gewandhaus-inneringen.de
Das Gewandhaus vor der Renovierung

Das Gewandhaus Museum Inneringen ist ein 2015 eröffnetes Modemuseum in Inneringen, einem Stadtteil von Hettingen im Landkreis Sigmaringen in Baden-Württemberg (Deutschland). Es widmet sich der Mode- und Kostümgeschichte der vergangenen 500 Jahre. Initiatoren und Gründerinnen waren Ilse Wolf aus Inneringen und ihre in Neuseeland lebende Tochter Katja Morrison in Zusammenarbeit mit der Stadt Hettingen und weiteren ortsansässigen Vereinen.[1]

Gotik-Zimmer, Wandmalerei von Katja Morrison
Rokoko-Zimmer, Kostüme von Ilse Wolf und Katja Morrison
Renaissance-Zimmer, Kostüme von Ilse Wolf und Katja Morrison, Wandmalerei von Katja Morrison
Spanische Mode, Kostüm von Ilse Wolf und Katja Morrison
Mode-Reigen durch fünf Jahrhunderte von Ilse Wolf, Detail Rokoko
Mode-Reigen durch fünf Jahrhunderte von Ilse Wolf, Detail Renaissance
Augsburger Geschlechtertanz von Ilse Wolf, Detailansicht
Augsburger Geschlechtertanz von Ilse Wolf, Detail Jungfern

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das städtische Museum befindet sich in der Sigmaringer Straße 9, einem aufwändig sanierten Fachwerkbau aus dem Jahr 1790 mit seinen hohen Räumen und den besonderen Dielenböden an der Ortsdurchfahrt von Inneringen auf der Schwäbischen Alb. Inhaberin des Gebäudes, das in früheren Zeiten höher gestellten Persönlichkeiten diente, ist die Stadt Hettingen. Das Museum befindet sich in der rechten Haushälfte. Im linken Teil sind der Musikverein Inneringen und die Freiwillige Feuerwehr Inneringen mit ihrem Feuerwehrhaus untergebracht.[2][3][4]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebäude aus dem 18. Jahrhundert, das bereits zum Abriss bestimmt war, wurde seit 2013 von der Stadt Hettingen aufwändig saniert und am 16. Mai 2015 feierlich eröffnet. Gefördert wurde das Gewandhaus Museum über die LEADER Aktionsgruppe Oberschwaben aus Mitteln der Europäischen Union und des Landes Baden-Württemberg. 75 Prozent der Gesamtkosten wurden von LEADER übernommen. Ein Förderverein wurde ins Leben gerufen, der bis dato 94 Mitglieder zählt. Alle Mitglieder im Förderverein Gewandhaus e. V. arbeiten auf ehrenamtlicher Basis.[5]

Im Gewandhaus waren beide Künstlerinnen federführend für die Innen- und Außengestaltung der elf Zimmer verantwortlich und in den zwei Jahren der Renovierung und Entstehung uneigennützig tätig.

In jahrzehntelanger Arbeit haben die Künstlerinnen 25 prunkvolle Gewänder entworfen und genäht. Im Gewandhaus Museum werde diese prächtigen Roben nun dauerhaft ausgestellt. Jeder Raum wurde im Stil einer Modeepoche ausgestattet und zelebriert den einstigen Glanz des europäischen Hochadels. Um den Eindruck der Dreidimensionalität zu verstärken, bemalte Kunsthistorikerin Katja Morrison die Tapeten in illusionistischer Wandmalerei. Ihre handwerkliche Leistung führt den Betrachter in eine Zeitreise durch die faszinierende Geschichte der Mode. Ihre aufwändigen Wandmalereien wurden von ihr in Neuseeland auf Tapete gemalt und nach Deutschland verschickt.

Ausstellungsbereiche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mode-Reigen durch fünf Jahrhunderte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ilse Wolf schuf diese im Gewandhaus präsentierte Ausstellung. Sie ist eine Schau von 150 Figurinen in der Mode vergangener Epochen und war über die Jahre in zahlreichen Schlössern und historischen Gebäuden zu sehen. Die Künstlerin benötigte sieben Jahre für die Vollendung dieses Projektes.

Augsburger Geschlechtertanz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ilse Wolf gestaltete ebenfalls den „Augsburger Geschlechtertanz“ mit Figuren in historischen Kostümen nach dem gleichnamigen Gemälde von Narziß Renner aus dem Jahr 1522. Eine Kopie hängt in der Städtische Kunstsammlungen in Augsburg und zeigt Bürgermacht und Bürgerpracht der Patrizier Augsburgs von der Gotik bis zur Reformation. Ilse Wolf formte die historischen Gewänder der Einzelpersonen exakt nach. Zugleich malte sie den Raum mit Stadtpfeifern und Stadtansichten des mittelalterlichen Augsburgs aus.

Stoffkabinett[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stoffe, Borten, Kleidungsstücke vergangener Zeiten mit zahlreichen Gaben aus Inneringer Haushalten ergaben eine interessante Sammlung für Ilse Wolf. Hier werden Tradition, Brauchtum und Handarbeitstechniken vergangener Zeiten ästhetisch dokumentiert.

Lebensgroße historische Kostüme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinsam haben Ilse Wolf und Katja Morrison die 25 im Gewandhaus ausgestellten historischen Kostüme geschaffen. Ursprünglich wurden die tragbaren Kostüme für den Karneval in Venedig entworfen. Eine Arbeitszeit von drei bis vier Wochen wurde für jedes Kostüm benötigt. Diese historischen Prunkgewänder wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet (Deutsches Theater München, Venezianische Messe in Ludwigsburg und Karneval in Venedig) und mehrfach in Rundfunk, Fernsehen und Presse vorgestellt. In jedem Raum stehen speziell entworfene Holzbücher auf Sockeln und erklären kurz die Geschichte des jeweiligen Raumes oder der im Raum dargestellten historischen Persönlichkeit. Diese Bücher wurden von Katja Morrison in Neuseeland angefertigt und bemalt. Der Besucher erhält den Eindruck interaktiv einen Codex aus der jeweiligen Zeit aufzuschlagen.

Sammlung „Napoleon I. von Frankreich“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dieser Raum reflektiert den Empirestil Napoleons I. von Frankreich in Malerei, Möbelkunst und Architektur. Vor einem Spiegel steht seine Frau Joséphine de Beauharnais im kunstvoll nachgebildeten Krönungsgewand. Eine Vitrine zeigt den Stammbaum Napoleons, dessen Miniaturen minutiös von Ilse Wolf auf Eier gemalt worden sind. Die ovoide Form galt schon immer als klassischer Grund in Kunst und Architektur. Die Künstlerin hat ebenso die Krönung Napoleons nach dem berühmten Gemälde von Jacques-Louis David auf ein Straußenei gemalt. Der originale Bleistift Napoleons, eine Nachbildung seiner Totenmaske und diverse Flaschen aus dem Weinkeller seines Exils auf St. Helena runden unter anderem die Sammlung ab. Ilse Wolfs Tochter Bärbel Wolf-Gellalty hat sich einst auf die Spuren Napoleons begeben und diesen Fundus zusammengetragen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Informationen zum Gewandhaus Museum Inneringen auf der Internetseite der Stadt Hettingen
  2. Das Gewandhaus ist seit Pfingsten geöffnet. In: Schwäbische Zeitung
  3. Sabine Rösch: Im Museum Gewandhaus gibt es Führungen. In: Schwäbische Zeitung vom 5. Februar 2014
  4. Sabine Rösch: Bürger verschönern Gewandhausanlage. In: Schwäbische Zeitung vom 29. Oktober 2014
  5. Sabine Rösch: Förderverein unterstützt Wolf-Museum. In: Schwäbische Zeitung vom 24. Januar 2014

Koordinaten: 48° 11′ 16″ N, 9° 16′ 39″ O