.45-70 Government

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.45-70 Government
.45-70-Patrone
Allgemeine Information
Hülsenform: Randpatrone
Maße
⌀ Hülsenhals: .478 inch, 12,15 mm
⌀ Geschoss: .458 inch, 11,6 mm
⌀ Patronenboden: .608 inch, 15,4 mm
Hülsenlänge: 2.105 inch, 53,5 mm
Patronenlänge: 2.732 inch, 69,4 mm
Gewichte
Geschossgewicht: 405 Grains, 26,2 g / 500 Grains, 32,3 g
Pulvergewicht: Schwarzpulver 70 4,5 g / Karabiner 55 Grains, 3,6 g
Technische Daten
Geschwindigkeit V0: mit 26,2-g-Geschoss , 1320 ft/s, 402 m/s
Geschossenergie E0: 2130-4111 J
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Die .45-70 Government Zentralfeuer-Gewehrpatrone, auch als .45-70-405 bezeichnet, wurde Anfang der 1870er-Jahre gleichzeitig mit dem Springfield-Model-1873-Gewehr als Ordonnanzpatrone für die US-Armee entwickelt.

Geschichte[Bearbeiten]

.45-70 links im Vergleich zur .50-70-Patrone

Der Vorgänger der .45-70 war die kurzlebige .50-70-425-Patrone, die 1866 eingeführt und vor allem in auf Hinterladung umgebauten Vorderladergewehren, der Springfield Allin Conversion Model 1866 und Model 1868 Rifle und dem Springfield Model 1870 Carbine verwendet wurde. Da diese Waffen ballistisch nicht befriedigten, wurde die Entwicklung einer Waffe und der dazugehörigen Munition in einem kleineren Kaliber und einer höheren Mündungsgeschwindigkeit verlangt, damit eine gestrecktere Flugbahn erreicht wird. Die Waffe wurde in der Springfield Armory (Massachusetts) entwickelt und hergestellt. Mit der Entwicklung und Produktion der Munition wurde das Frankford Arsenal (Pennsylvania) in der Nähe von Philadelphia in Pennsylvanien beauftragt, das diese ab 1874 auch serienmäßig herstellte. Diese .45-70-Zentralfeuerpatrone mit einer Schwarzpulverladung von 70 Grains wurde die Ordonnanzpatrone für das US Springfield Rifle Musket Model 1873 und seine nachfolgenden Varianten. Für den Springfield-Model-73-Karabiner und das Kadettengewehr war die Pulverladung auf 55 Grains (3,6 g) reduziert, diese leichteren Waffen wären sonst nur schwer zu beherrschen gewesen.

Die .45-70 blieb die Ordonnanz-Gewehrpatrone der US-amerikanischen Armee, der Navy und der Marineinfanterie, bis sie 1894 mit der Einführung des Krag-Gewehres im Kaliber .30-40 Krag abgelöst wurde. Sie wird deshalb auch „.45-70 Government“ genannt. Für sekundäre Truppen blieb sie bis ins 20. Jahrhundert im Dienst, zudem wurde sie an das US-Departement des Innern für die mit Remington-Keene-Repetierern bewaffnete Indian Police abgegeben, später kam noch die National Guard und Milizen einzelner Staaten dazu.

Technik[Bearbeiten]

Die vollständige Bezeichnung der Patrone war .45-70-405, .45 (11,4 mm) für das Kaliber, 70 Grains (4,5 g) Schwarzpulverladung und 405 Grains (26,2 g) Geschossgewicht. Anfangs wurden Kupferhülsen, später Messinghülsen verwendet. Die Hülsen sind leicht konisch, direkt vor dem Hülsenboden beträgt der Durchmesser 12,75 mm, am vorderen Ende sind es 12,15 mm.

Die bis 1887 hergestellten Hülsen bestanden aus einer „Bloomfield's Gilding Metal“ genannten Kupferlegierung. Sie hatten bis 1882, wie die .45-Colt-Revolverpatronen, innenliegende Benet-Zünder. Diese frühen Patronen sind am flachen Hülsenboden und an den seitlichen Einpressungen hinten an der Hülse zum Fixieren der von oben eingeschobenen Zündkapsel zu erkennen. Das vorne runde Geschoss aus Weichblei wog 405 Grains und hatte ein Kaliber von .458 Inch (11,6 mm).

Schachtel für .45-70-Übungspatronen

Ab 1882 wurde auf Boxer-Zündung umgestellt, was das Wiederladen der Munition im Felde erlaubte. Gleichzeitig wurde für die Infanteriegewehre ein schwereres Geschoss von 500 Grains eingeführt, das bessere Resultate im Salven-Weitschuss auf Gruppenziele bringen sollte.

Ab 1888 wurden die Hülsen aus Messing hergestellt, bis 1900 waren diese verzinnt, ab 1900 bis zum Produktionsende waren sie blank.

Weitere in der Armee verwendete Munitionstypen der .45-70 waren:

  • Blinde Manöverpatronen
  • Multiball-Patronen mit zwei Rundkugeln
  • Schrotpatronen, bei diesen war das Schrot in einer hohlen Holzkugel geladen
  • Übungspatronen Armory Practice mit 5 Grains Pulverladung und einer Rundkugel von 140 Grains

Neben dem Frankford Arsenal wurde die Munition von folgenden Fremdlieferanten an die US-Armee geliefert:

  • Winchester Repeating Arms, New Haven, CT
  • Union Metallic Cartridge Company, Bridgeport, CT
  • United States Cartridge Company, Lowell, MA
Moderne .45-70-Patronen mit Flachkopf-Teilmantelgeschoss, Patronenlänge 64,4 mm

Zivile Verwendung[Bearbeiten]

Wie alle US-Armeepatronen wurde die .45-70 auch im zivilen Bereich verwendet. Diverse Firmen wie Remington, Sharps und Winchester mit dem Unterhebelrepetierer Model 1886 stellten Einzellader und Repetierer für diese Patrone her. Als Jagdmunition war sie zum Abschuss von allem in Nordamerika vorkommenden Wild geeignet, wegen der bogenförmigen Schussbahn war sie jedoch auf eine praktische Schussdistanz von 120 m beschränkt.

Auch heute wird die Patrone mit diversen Ladungen und Geschossgewichten von 300 bis 500 Grains angeboten und diverse Firmen wie Ruger, Thompson Center Arms, Marlin Firearms stellen Jagdgewehre im Kaliber .45-70 her.

Von Schwarzpulverschützen wird sie heute in diversen Laborierungen selbst geladen und auch als blinde Patrone für historische Anlässe verwendet.

Die US-amerikanische Firma Magnum Research Inc. in Fridley, MN hat sogar einen fünfschüssigen 2,4 kg schweren Revolver im Angebot, der wie die von Thompson Center Arms hergestellte einschüssige Contender-Kipplaufpistole moderne .45-70-Patronen verschießt, die mit einer Geschossenergie von 2700 J etwa doppelt so stark sind wie eine .44-Magnum-Patrone.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Joe Poyer, Craig Riesch: The .45-70 Springfield. North Cape Publications, Tustin, CA 1996, ISBN 1-882391-25-X.
  •  John E. Parsons, John S. du Mont: Firearms in the Custer Battle. The Stackpole Company, Harrisburg, PA 1953, ISBN None. Library of Congress Catalog Card number 53-10563.
  •  Norm Flayderman: Flaydermans Guide to Antique Firearms. Krause Publications, Iola, WI 2001, ISBN 0-87349-313-3.

Weblinks[Bearbeiten]