Platzpatrone

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Unter einer Platzpatrone oder Manöver- bzw Darstellungsmunition versteht man eine Patrone, die beim Auslösen des Schusses kein Geschoss bzw. Projektil freisetzt und abfeuert. Der Knall der Explosion der Treibladung simuliert einen tatsächlich gefeuerten scharfen Schuss. Weiter alternative Bezeichnungen sind Knall-, Salut- und Übungspatrone, in der Schweizer Armee auch Markiermunition.

Platzpatronen dienen aus Sicherheits- oder Kostengründen bei militärischen Gefechtsübungen als Ersatz für scharfe Munition und können zusammen mit dem Lasersimulator (zum Beispiel Ausbildungsgerät Duellsimulator oder Multiple Integrated Laser Engagement System) verwendet werden. Im militärischen Zeremoniell werden Platzpatronen bei Salutschüssen oder Ehrensalven verwendet.

Im Sport dienen sie als Startsignal. In Schreckschusspistolen dienen sie auch zum Verschießen von Leuchtmunition.

Im Trockenbau werden Platzpatronen, neben Luftdruck, als Treibladung für Bolzensetzgeräte verwendet.[1]

In der Tierschlachtung werden Platzpatronen als Treibladung für Schlachtschussapparate verwendet[2].

In der Schädlingsbekämpfung werden Platzpatronen (in der Regel Systeme Auber und Bruja - 9 x 17 mm gelb[3][4][5]) als Ladung für Wühlmausschussgeräte verwendet.[6]

Im Aufbau unterscheidet sich eine Platzpatrone von einer scharfen Patrone durch das Fehlen eines Geschosses und die dadurch notwendigen Modifikationen: Viele Platzpatronen haben einen gekrimpten Hülsenmund (beispielsweise 7,62 × 51 mm oder 9 mm Platzrand für Revolver), also eine oben zusammengefaltete Hülse. Andere Patronen wie zum Beispiel 9 mm Platz P.A.K für Pistolen haben eine Plastikkappe, die, wie die Krimpung auch, dem Fixieren des Pulvers und dem Druckaufbau dient.

Ein weiteres Merkmal bei Kalibern, die aus scharfen Waffen verschossen werden, ist meist eine Tastsicherung, um ein Verwechseln mit scharfer Munition auszuschließen (zusätzliche Tastmerkmale wie Rillen oder ähnliches). Munition, die ausschließlich für Salutwaffen vorgesehen ist, hat meist keine zusätzliche Kennzeichnung, da konstruktive Merkmale an Waffen und Munition ein Verschießen von scharfer Munition aus Salutwaffen verhindern.

Bei Gasdruck- und Rückstoßladern, wie zum Beispiel dem Gewehr G36, muss oft ein Manöverpatronengerät auf die Laufmündung geschraubt werden, um einen ausreichenden Druck zum selbsttätigen Laden der Waffe zu erzeugen. Außerdem vermindert das Manöverpatronengerät die Verletzungsgefahr. Die Manövermunition muss ggf., neben dem Knalleffekt, die Energie aufbringen um die Mechanik der Waffe zu bedienen bzw. das Mündungsfeuer simulieren.

Platzpatronen sind jedoch nicht gefahrlos. Durch die Pulvergase, mitgerissene Patronenteile oder Fremdkörper sowie durch den Druck der austretenden Gase können bei aufgesetzten Schüssen beziehungsweise unmittelbarer Nähe zu Personen schwere Verletzungen (vor allem an den Augen) oder gar der Tod verursacht werden.

Nach dem deutschen Waffengesetz ist jegliche Munition, die kein Geschoss enthält, also auch die Knallpatrone, als Kartusche definiert.[7] Der Erwerb von Platzpatronen mit entsprechender PTB-Zulassung ist in Deutschland ab 18 Jahren möglich. Nicht PTB-zugelassene Platzpatronen (z. B. auch die abgebildete Manöverpatrone) fallen unter dieselben Erwerbsvoraussetzungen wie "scharfe" Munition.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Platzpatrone – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.hilti.at/holat/page/module/product/prca_rangedetail.jsf?lang=de&nodeId=-466124 Kartuschen für Bolzensetzgeräte
  2. http://www.janeschitz.de/ePaper/index.html Geräte und Kartuschen Seite 62
  3. [1]
  4. [2]
  5. [3]
  6. http://shop.hbl-handel.de/product_info.php?info=p143_Wuehlmausschussgeraet.html Beschreibung Schussgerät
  7. http://www.gesetze-im-internet.de/waffg_2002/anlage_1_81.html