Abendsegler

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Abendsegler
Großer Abendsegler (Nyctalus noctula)

Großer Abendsegler (Nyctalus noctula)

Systematik
Überordnung: Laurasiatheria
Ordnung: Fledertiere (Chiroptera)
Unterordnung: Fledermäuse (Microchiroptera)
Überfamilie: Glattnasenartige (Vespertilionoidea)
Familie: Glattnasen (Vespertilionidae)
Gattung: Abendsegler
Wissenschaftlicher Name
Nyctalus
Bowdich, 1825

Die Abendsegler (Gattung Nyctalus) sind innerhalb der Fledermäuse eine Familie der Glattnasen (Vespertilionidae). Es existieren acht Arten dieses Taxons in Eurasien und dem nördlichen Afrika, davon drei auch in Europa und eine endemisch auf den Azoren.

Beschreibung[Bearbeiten]

Die Abendsegler sind gekennzeichnet durch ihre kurzen, dreieckigen Ohren mit dem pilzförmig verbreiterten Ohrdeckel (Tragus) und die am Ansatz unterseits behaarten Flügel. Ihr Fell ist an der Oberseite gelbbraun bis dunkelbraun, die Unterseite ist etwas heller.

Diese Fledermäuse sind die größten Fledermäuse Europas, sie erreichen eine Kopfrumpflänge von 50 bis 100 Millimetern, eine Schwanzlänge von 35 bis 65 Millimetern, eine Spannweite von bis zu 46 Zentimetern und ein Gewicht von bis zu 50 Gramm.

Lebensweise[Bearbeiten]

Lebensraum dieser Fledermäuse sind in erster Linie Wälder, manchmal findet man sie aber auch in offenem Gelände oder in der Nähe menschlicher Siedlungen. Tagsüber schlafen sie in Baumhöhlen, Gebäuden oder Höhlen, am frühen Abend fliegen sie auf Nahrungssuche. Diesem frühen Erscheinen verdanken sie auch ihren Namen, obwohl der Azoren-Abendsegler manchmal auch tagsüber beobachtet werden kann. Im Winter suchen sie wärmere Regionen auf, für den Großen Abendsegler ist eine Flugdistanz von über 2000 Kilometern belegt.

Die Abendsegler ernähren sich wie die meisten Fledermäusen fast ausschließlich von Insekten, vor allem aus Käfern, Libellen und Nachtfaltern. Für den Riesenabendsegler wurde in der Toskana allerdings über Kotanalysen auch Carnivorie nachgewiesen. Vor allem im Spätsommer bis Herbst erbeuten diese Tiere regelmäßig kleine Singvögel wie Rotkehlchen (Erithacus rubecula) und Blaumeisen (Cyanistes caeruleus).[1][2]

Einmal im Jahr bringen die Weibchen nach einer 70- bis 75-tägigen Tragzeit ein einzelnes Jungtier zur Welt. Sie versammeln sich dazu in Wochenstuben mit bis zu 400 Tieren in Baumhöhlen oder Gebäuden. Die Jungtiere sind mit sechs bis sieben Wochen ausgewachsen und werden ungefähr im gleichen Alter entwöhnt.

Systematik[Bearbeiten]

Phylogenetische Systematik der Gattung Nyctalus[3]
 Nyctalus 

 Chinesischer Abendsegler (Nyctalus plancyi)


     


 Großer Abendsegler (Nyctalus noctula)


     

 Nyctalus aviator


     

 Riesenabendsegler (Nyctalus lasiopterus)




     

 Kleiner Abendsegler (Nyctalus leisleri)


     

 Azoren-Abendsegler (Nyctalus azoreum)





Der Azoren-Abendsegler (Nyctalus azoreum)

Die Gattung beinhaltet acht Arten:[4]

Entsprechend einer Untersuchung von Salgueiro et al. 2007 stellt dabei der Chinesische Abendsegler (Nyctalus plancyi) die basalste Art und damit die Schwesterart der restlichen Abendsegler-Arten dar. Die restlichen Arten teilen sich auf zwei Gruppen auf, von denen eine aus dem Großen Abendsegler (Nyctalus noctula), dem Riesenabendsegler (Nyctalus lasiopterus) und der asiatischen Art Nyctalus aviator und die andere aus dem Kleinen Abendsegler (Nyctalus leisleri) und dem auf den Azoren endemischen Azoren-Abendsegler (Nyctalus azoreum) gebildet wird.[3] Der Berg-Abendsegler (Nyctalus montanus), der früher ebenfalls als Unterart des Kleinen Abendseglers betrachtet wurde, und Nyctalus furvus wurden bei dieser Untersuchung nicht betrachtet.

Belege[Bearbeiten]

  1. G. Dondini, S. Vergari: Carnivory in the greater noctule bat (Nyctalus lasiopterus) in Italy. Journal of Zoology 251 (2), 2000: S. 233–236. (Volltext; PDF; 107 kB)
  2. A. G. Popa-Lisseanu, A. Delgado-Huertas, M. G. Forero, A. Rodriguez, R. Arlettaz, C. Ibanez: Bats’ conquest of a formidable foraging niche: the myriads of nocturnally migrating songbirds. In: PLoS ONE 2(2), 2007, e205. (engl.)
  3. a b P. Salgueiro, M. Ruedi, M. M. Coelho, J. M. Palmeirim: Genetic divergence and phylogeography in the genus Nyctalus (Mammalia, Chiroptera): implications for population history of the insular bat Nyctalus azoreum. Genetica 130 (2), 2007: S. 169–181.
  4. Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder (Hrsg.): Nyctalus in Mammal Species of the World. A Taxonomic and Geographic Reference (3rd ed).

Literatur[Bearbeiten]

  • Ronald M. Nowak: Walker’s Mammals of the World. Johns Hopkins University Press, 1999, ISBN 0-8018-5789-9

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Nyctalus – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien