Adjunkt (Syntax)

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Der Begriff Adjunkt bezeichnet in verschiedenen modernen Syntaxtheorien syntaktische Einheiten, die in einer gegebenen Struktur frei zusetzbar sind. Im Gegensatz dazu steht v.a. der Begriff des Komplements. Der traditionelle Begriff der Angabe aus der Grammatik des Deutschen wird häufig mit Adjunkt gleichgesetzt, obwohl sich die Definitionen unterscheiden.

Beispiel[Bearbeiten]

In (1) ist Hans das Subjekt und Peter ein Komplement, während gestern und im Park Adjunkte sind:

  1. Hans hat Peter gestern im Park gesehen.
  2. Hans hat Peter gestern gesehen.
  3. Hans hat Peter gesehen.
  4. *Hans hat gestern im Park gesehen.
  5. *Hans hat Peter gestern Karl gesehen.

Während die Adjunkte wie in (2) und (3) auch fehlen können, wird der Satz ungrammatisch, wenn das Komplement fehlt (4). Während die Zahl der Adjunkte im Satz nicht beschränkt ist, wird der Satz ungrammatisch, wenn mehr als ein Komplement vorhanden ist, wie in (5), da sehen aufgrund seiner Valenz genau ein Komplement benötigt.

Rolle in Grammatiktheorien[Bearbeiten]

Transformationsgrammatik[Bearbeiten]

In der Transformationsgrammatik und ihren Nachfolgern Rektions- und Bindungstheorie und Minimalismus ist ein Adjunkt ein Element, das zu einem anderen Element hinzutritt, ohne als Spezifizierer oder als Ergänzung (Komplement) zu fungieren. Somit wechselt der komplexe Ausdruck nach Hinzufügung des Adjunkts nicht seine ursprüngliche Kategorie (Projektionsprinzip).

Strukturelle Linguistik[Bearbeiten]

In der strukturellen Linguistik (Z. Harris, J. Lyons usw.) bezeichnet „Adjunkt“ »syntakt. fakultative oder periphere Ausdrücke« (Lyons 1983). »An adjunct is by definition a 'modifier' attached to a 'head', upon which it is dependent and from which it can be 'detached' without any consequent syntactic change in the sentence« (J. Lyons 1968, 344; die dt. Ausgabe (1971) übersetzt 'adjunct' als 'Adjunktion').

Lyons zählt zu den Adjunkten:

  • interne Attribute der Nominalphrase (z. B. eine schöne Frau)
  • interne Adverbialergänzungen der Verbalphrase (z. B. Er formuliert bestens)
  • Satzadverbiale (spezielle Adverbialangaben bezüglich Ort, Zeit, Bedingung, Ergebnis usw, z. B. Deshalb ging Peter am Samstag im Zoo spazieren)

Literatur[Bearbeiten]

  • J. Lyons, Introduction to Theoretical Linguistics. Cambridge 1968; dt.: Einführung in die moderne Linguistik. 1971
  • H.-J. Heringer, Theorie der deutschen Syntax. 1970
  • J. Lyons, Semantik. Bd. II. München 1983
  • Helmut Glück (Hg.), Metzler-Lexikon Sprache. 2000

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]