X-Bar-Theorie

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Die X-Bar-Theorie (auch: X-Bar-Syntax) wurde 1977 von Jackendoff basierend auf Noam Chomsky formuliert.[1] Sie ist ein Teil einer linguistischen Theorie und besagt, dass die syntaktischen Strukturen aller natürlichen Sprachen gemeinsamen Bauprinzipien unterliegen.

Laut der Theorie bestehen alle natürlichen Sprachen aus Phrasen, die hierarchisch gegliedert sind. Diese können abstrakt in einer Baumstruktur, dem sogenannten X-Bar-Schema dargestellt werden. So enthält zum Beispiel eine Verbalphrase wie „überreichte dem Minister die Petition“ einen sogenannten Phrasenkopf – hier das Wort „überreichte“. Dieser fordert weitere Satzglieder, Argumente genannt. Im vorigen Beispiel fordert der Phrasenkopf (X) „überreichte“ die Argumente direktes (P″) (hier: „die Petition“) und indirektes (hier: „dem Minister“) Objekt (P′). Eine Phrase, die alle geforderten Argumente aufweist, heißt maximal (X″). Phrasenkopf und maximale Phrase teilen sich eine Reihe von Merkmalen, die deshalb auch Kopfmerkmale genannt werden. Im Beispiel bestimmt der Kopf „überreichte“ u. a. die Person- und Numerusmerkmale der Verbalphrase. Man sagt daher auch, dass die Verbalphrase die maximale Projektion des verbalen Kopfes sei.

X-Bar-Schema[Bearbeiten]

Der Kern der X-Bar-Theorie, das sog. X-Bar-Schema, kann in einer rekursiven Version folgendermaßen formuliert werden:

  1. X′ → { X, P″ }
  2. X′ → { X′, P″ }
  3. X″ → { X′, ( P″) }

X steht hierbei für eine Menge von Kopfmerkmalen. Regel 1 besagt, dass ein Phrasenkopf X zusammen mit einer weiteren maximalen Phrase P″, die von X gefordert wird, eine Phrase X′ bilden. X′ und X haben die gleichen Kopfmerkmale. P″ heißt Ergänzung bzw. Komplement.

Regel 2 erlaubt rekursiv weitere Phrasen P″. Diese werden als Angaben bezeichnet.

Regel 3 schließlich erlaubt die Bildung einer maximalen Phrase X″ aus der Zwischenebene X′ und einem weiteren Argument P″, das jedoch auch fehlen kann (verdeutlicht durch runde Klammern). P″ heißt Spezifikator oder Spezifizierer. Die Mengenschreibweise in den Regeln 1) bis 3) soll verdeutlichen, dass die Abfolge von X bzw. X′ und P″ prinzipiell beliebig ist, der Phrasenkopf also sowohl vor seinem Argument als auch danach stehen kann.

Instanzen des X-Bar-Schemas[Bearbeiten]

Instantiiert man obiges X-Bar-Schema mit konkreten syntaktischen Kategorien – beispielsweise Verb (V) und Nominalphrase (N″) –, so erhält man folgende Phrasenstrukturregeln:

  1. V′ → { V, N″ }
  2. V′ → { V′, N″ }
  3. V″ → { V′ }

V steht hierbei z. B. für die Merkmalsmenge {kategorie=verb, person=1, numerus=plural, tempus=prät, modus=indikativ }.

Da das X-Bar-Schema prinzipiell übergeneriert – also mehr Argumente zulässt, als tatsächlich gefordert werden –, muss es durch andere Mechanismen wieder beschränkt werden.

Kritik[Bearbeiten]

Da die X-Bar-Theorie von einem syntaktischen Grundverständnis ausgeht, das jedem Menschen angeborenen ist, ist sie in der Linguistik umstritten. Beweise für diese Annahme konnten bislang nicht geliefert werden. Dieser generelle Konflikt fand in den sogenannten Linguistic Wars seinen Höhepunkt. Darüber hinaus ist auch die Zahl und Zuordnung der Kategorien umstritten. [1]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Noam Chomsky (1970): Remarks on Nominalization. In: R. Jacobs und P. Rosenbaum (eds.): Reading in English Transformational Grammar. Waltham: Ginn, S. 184-221.
  • W. Culicover (1977): \bar X-Syntax: A Study of Phrase Structure. Cambridge, Massachusetts, USA: MIT Press.
  • Ray Jackendoff (1977): Constraints on Phrase Structure Rules. In: P. W. Culicover u.a. (eds.): Formal Syntax. New York, S. 249-283.
  • Hadumod Bußmann: Lexikon der Sprachwissenschaft, 3. Aufl. 2002, ISBN 3-520-45203-0: Eintrag X-Bar-Theorie.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Achim Stenzel: Die Entwicklung der syntaktischen Kategorien Nomen und Verb. Bei ein- und zweisprachigen Kindern. Gunter Narr Verlag, Tübingen 1997, ISBN 978-3823347170