al-Quds-Universität

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جامعة القدس
al-Quds-Universität
Logo
Gründung 1984
Ort Ostjerusalem und andere
Leitung Sari Nusseibeh
Studenten 9.200
Mitarbeiter 900
Website [1]

Die al-Quds-Universität (arabisch ‏جامعة القدس‎ djamiat al-quds) ist eine palästinensische Universität mit Standorten in und um Jerusalem. Sie ist die einzige arabische Universität in Jerusalem.[1]

Überblick[Bearbeiten]

Sie wurde 1984 als loser Zusammenschluss von vier dislozierten Hoch- und Berufsschulen gegründet. Präsident ist seit 1995 der bekannte Politiker und Philosophieprofessor Sari Nusseibeh. Er machte aus den Kollegs an vier zwischen 1978 und 1982 gegründeten Standorten in Ostjerusalem (Kunst, islamische Archäologie), Abu Dis (Technologie), al-Bireh (Schwesternschule) und Beit Hanina (Theologie) eine einheitliche Universität mit den Fakultäten Kunst, Zahnheilkunde, Technik, Islamische Theologie, Medizin, Pharmazie, Jura und Gesundheitswesen.[2]

Politik[Bearbeiten]

Da Nusseibeh für eine friedliche Lösung des Nahost-Konflikts eintritt, duldet er auch keine gewalttätigen Aktionen seiner Studenten oder radikal-islamische Einflussnahme auf das Campusleben.[3] Die Universität betreibt in al-Bireh den Bildungsfernsehsender al-Quds Educational TV, der es 1997 erstmals wagte, die Misswirtschaft der Palästinensischen Autonomiebehörde unter Jassir Arafat zu kritisieren.[2] Im Sommer werden auch Kurse für Gäste angeboten, in denen Arabisch oder palästinensische Geschichte gelehrt wird.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Mauer beim Fußballplatz (März 2006)

Während andere palästinensische Universitäten in den 70er-Jahren des 20. Jahrhunderts entstehen konnten, war eine solche in Jerusalem nicht erwünscht. Obwohl sich der größte Teil der Gebäude inzwischen außerhalb der Stadtgrenzen befindet, wurde das Hauptbüro in Ostjerusalem belassen. Es gab mehrere Versuche, die Universität mit juristischen Mitteln zu schließen. Ein Angriffspunkt ist, dass die Universität in Jerusalem ohne israelische Lizenz arbeitet und dass sie eine verbotene Einrichtung der Palästinensischen Autonomiebehörde sei.[4] Trotz oder wegen der Friedensinitiativen des Präsidenten, wurde laut Nusseibeh die Universität immer wieder Ziel von Maßnahmen der israelischen Polizei und Armee. Am 29. März 2002 wurden die Einrichtungen in al-Bireh von der israelischen Armee besetzt und schwer beschädigt. Die Schule für Gesundheitswesen wurde verwüstet und als temporäres Gefängnis verwendet. Die Einrichtung vom im gleichen Gebäude untergebrachten al-Quds TV wurde aus dem Fenster geworfen und zerstört.[5][6]

Am 10. Juli 2002 wurde das Direktionsgebäude in Ostjerusalem mit dem Büro von Sari Nusseibeh auf Anordnung der Sicherheitsministers Uzi Landau geschlossen und Computer und Ordner konfisziert. Begründet wurde das mit „verbotenen Aktivitäten für die PLO″, weil Nusseibeh zu diesem Zeitpunkt deren Vertreter für Jerusalem war. Genau an diesem Tag befand er sich in Athen, um eine Friedensintiative mit Ami Ajalon zu unterzeichnen. Nach internationalen Protesten musste Landau zehn Tage später die Sperre des Büros wieder aufheben.[7] Die Daten wurden vom Inlandsgeheimdienst ausgewertet und erst später wieder retourniert.[8] Wegen der restriktiven Kontrollen an der Grenze zu Jerusalem, ist es manchen Studenten nicht mehr möglich, ihre Fakultäten innerhalb der Stadtgrenze zu erreichen. Einige Kurse mussten daher von Beit Hanina nach Abu Dis verlegt werden.

2003 wollte Israel seine Schutzmauer mitten durch das Universitätsgelände von Abu Dis bauen. Begründet wurde dies mit der dort festgelegten Grenze zwischen Jerusalem und Abu Dis und einer dort geplanten Umfahrungsstraße. Dadurch hätte der Campus ein Drittel seiner Fläche verloren. 34 Tage mit friedlichen Protestaktionen, vor allem wegen der geplanten Teilung des Sportplatzes, führten zur Intervention der US-Außenministerin Condoleezza Rice und veranlassten Israel, die Mauer weiter westlich, aber direkt neben der Universität zu bauen. Nun ist der Sportplatz ein Teil des Campus, wenn auch hinter der 8 Meter hohen Mauer aus Beton.[9] Sollte die Straße doch noch gebaut werden, muss die Mauer jedoch versetzt werden.[10]

Wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage der Palästinenser, gibt es momentan Finanzierungsprobleme. Die Universität finanziert sich aus Studiengebühren und Spenden. Vielen ist es nicht möglich, höhere Beiträge zu zahlen, weshalb es immer wieder zu Problemen bei der Bezahlung der Gehälter der Angestellten kommt.

Der Ruf der medizinischen Fakultät ist einer des besten in der gesamten arabischen Welt. Seit einigen Jahren verweigert jedoch das israelische Gesundheitsministerium Absolventen der al-Quds-Universität die Teilnahme an der israelischen Zulassungsprüfung, die ausländischen Ärzten die Arbeit in Israel ermöglicht. Dies mit der Begründung, dass die Universität nicht im Ausland liegt - nicht wegen der Lage in Abu Dis, sondern wegen der Gebäude in Ost-Jerusalem. In Ost-Jerusalem herrscht aber wegen des dortigen Ärztemangels großer Bedarf an palästinensischen Ärzten.[11]

In der Nacht vom 28. auf den 29. Februar 2012 schlossen Beamte des israelischen Kommunikationsministeriums mit Hilfe einer Razzia durch israelische Soldaten den al-Quds-Fernsehsender in al-Bireh, konfiszierten Sendeanlagen und Computer. Als Grund dafür wurden fehlende Lizenz und Verwendung unerlaubter Frequenzen angegeben.[12]

Eine Partnerschaft mit der amerikanischen Brandeis University endete im November 2013 in einem Skandal, als Mitglieder des Islamischen Jihad unter der Studentenschaft auf dem Campus eine Demonstration im Stil von Nazi-Aufmärschen abhielten und die Reaktion der Universitätsleitung als unangemessen angesehen wurde.[13][14]

Fakultäten[Bearbeiten]

Die Universität besitzt folgende Fakultäten mit den angegebenen Instituten:

  • Geisteswissenschaften (Englisch, Arabisch, Sozialarbeit, Geschichte, Sport, Politik, Entwicklung, Kunst, Musik, Medien, Philosophie, Angewandte Soziologie)
  • Wirtschaft (Marketing, Finanzwesen, BWL, Buchhaltung, Ökonomie)
  • Islamisches Recht und Da'wa
  • Zahnheilkunde
  • Erziehungswesen (Methodik, Kindergartenpädagogik, Psychologie)
  • Ingenieurwesen (Elektronik, Material, Kommunikation, Computer)
  • Gesundheitsberufe (Radiologie, Labor, Physiotherapie, Krankenpflege)
  • Rechtswissenschaften
  • Medizin
  • Pharmazie
  • Volksgesundheit
  • Wissenschaft und Technik (Informatik, Lebensmitteltechnologie, Umwelttechnik, Physik, Biologie, Mathematik, Chemie)
  • Koran und Islamische Studien

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Generaldelegation Palästinas: Universitäten (Version vom 31. Dezember 2008 im Internet Archive) (abgerufen am 7. Oktober 2008)
  2. a b Sari Nusseibeh, Anthony David: „Es war einmal ein Land. Ein Leben in Palästina“. Kunstmann, 2008. ISBN 978-3888975103
  3. Sari Nusseibeh, Anthony David: „Es war einmal ein Land. Ein Leben in Palästina“. S. 399
  4. Sari Nusseibeh, Anthony David: „Es war einmal ein Land. Ein Leben in Palästina“. S. 400-401
  5. Destruction of Palestinian Civil Institutions During the Israeli Incursion: The Case of Al Quds University in Ramallah (Version vom 1. September 2006 im Internet Archive)
  6. Sari Nusseibeh, Anthony David: „Es war einmal ein Land. Ein Leben in Palästina“. S. 461-462
  7. New York Times: Israelis Shut the Jerusalem Office of a Moderate Palestinian (engl. 2002)
  8. Sari Nusseibeh, Anthony David: „Es war einmal ein Land. Ein Leben in Palästina“. S. 465-467
  9. Sari Nusseibeh, Anthony David: „Es war einmal ein Land. Ein Leben in Palästina“. S. 493-497
  10. Mittwoch, 30. Juni 2004 – Newsletter der Botschaft des Staates Israel
  11. Israel bars Al-Quds University doctors from practicing in East Jerusalem, Ha-Aretz am 13. Februar 2012
  12. Israelische Razzia bei TV-Sendern der Palästinenser, Die Presse am 1. März 2012
  13. Brandeis University suspends its partnership with Al-Quds University effective immediately. In: Brandeis Now. Abgerufen am 19. November 2013.
  14. Brandeis University suspends its partnership with Al-Quds University effective immediately – 2013-11-18. In: Brandeis Now. Abgerufen am 19. November 2013.