Albert Calmette

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Léon Charles Albert Calmette

Léon Charles Albert Calmette (* 12. Juli 1863 in Nizza; † 29. Oktober 1933 in Paris) war ein französischer Arzt, Bakteriologe und Immunologe.

Er entdeckte den Bacillus Calmette-Guérin, einen Impfstoff gegen Tuberkulose und entwickelte das Calmette-Serum gegen die Wirkung von Schlangenbissen.

Calmette wollte Arzt und Seefahrer werden. Er besuchte ab 1881 die Schule für Schiffsärzte in Brest. Ab 1883 diente er in Hongkong, wo er Erkenntnisse über die Malaria gewann; er schrieb darüber 1886 seine Doktorarbeit. Später diente er in Westafrika in Gabun und Französisch-Kongo, wo er die Malaria, die Schlafkrankheit und Pellagra studierte.

Nach seiner Rückkehr nach Frankreich im Jahr 1890 traf er mit Louis Pasteur und Émile Roux zusammen, deren Mitarbeiter er wurde. Pasteur beauftragte ihn, 1891 in Saigon eine Zweigstelle des Institut Louis Pasteur zu gründen.

Dort entdeckte er die Toxikologie als Forschungs- und Betätigungsfeld. Er untersuchte die Wirkungen von Schlangen- und Bienengiften sowie von Pflanzengiften.

1894 kehrte er nach Frankreich zurück. Er entwickelte das Calmette-Serum gegen die Wirkung von Schlangenbissen. Ebenfalls arbeitet er mit an der Entwicklung eines Serums gegen die Pest. In Portugal half er bei der Bekämpfung einer Pestepidemie in Porto.

1895 wurde ihm die Führung des Instituts in Lille anvertraut. 1909 baute er eine weitere Niederlassung in Algier auf. 1904 gründete er die „Ligue du Nord contre la Tuberculose“ in Lille, die bis heute besteht.

Ab 1918 war er als Direktor am Institut in Paris tätig.

Calmette ging in die Geschichte der Medizin hauptsächlich wegen seines Kampfes gegen die Tuberkulose ein. Er erarbeitet mit Camille Guérin nicht nur einen wirksamen Impfstoff, sondern auch ein Impfprogramm gegen die zur damaligen Zeit für die massenhaft betroffenen Menschen tödliche Krankheit.

Das Impfprogramm erlitt 1930 einen Rückschlag anlässlich des als Lübecker Impfunglück bekannt gewordenen Skandals, bei dem 72 Kinder wegen fehlerhafter Sera des Instituts starben. 1932 wurde in vielen Ländern zwar die Massenimpfung von Kindern wieder aufgenommen, doch Calmette war von dem Skandal schwer getroffen worden. Er starb ein Jahr später in Paris.

Albert Calmette war der Bruder von Gaston Calmette (1858–1914), dem Herausgeber der Zeitung Le Figaro.

Literatur[Bearbeiten]

  • Bernard, N., and Negre, L. 1940. Albert Calmette,sa vie, son oeuvre scientifique. Masson et Cie, Paris.
  • Calmette, L.C.A. The treatment of animals poisened with snake venom by the injection of anti-venomous serum. The Lancet, 1896, 2: 449–450.

Weblinks[Bearbeiten]