Allophon

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Dieser Artikel erläutert die lautliche Variante eines Phonems; die soziolinguistische Verwendung des Begriffs in Kanada wird unter Allophon (Québec) behandelt.

Als Allophon (aus griech. allo „anders als“, fone „Stimme“, bed. „andersklingend“) bezeichnet man in der Linguistik eine lautliche Variante eines Phonems. Allophone werden auch als Phonemvarianten oder subphoneme Varianten bezeichnet.

Abgrenzung zum Phonem[Bearbeiten]

Die Unterscheidung zwischen Allophon und Phonem wird vorgenommen, da ein Phonem in unterschiedlichen lautlichen (allophonischen) Varianten gesprochen (realisiert) werden kann, also ohne dass dieser lautliche Unterschied einen Einfluss auf die Bedeutung dieses Phonems hat. Durch systematische Untersuchung ihrer phonetischen Eigenschaften auf Ähnlichkeit mit anderen Aussprachevarianten, vor allem durch Minimalpaaranalyse, können Laute als Allophone bestimmter Phoneme klassifiziert werden.

Welche lautliche Variante gesprochen wird, ist bestimmt durch den Dialekt, durch Koartikulationseffekte oder durch die lautliche Umgebung eines Phonems. Was in der einen Sprache als subphoneme Variante gilt, kann in einer anderen Sprache ein eigenes Phonem sein.

Arten von Allophonen[Bearbeiten]

Es werden unterschieden:

Freie Variation
Die Varianten sind gleichberechtigte Realisationen eines Phonems, z. B. das Zungen- und Zäpfchen-r im Deutschen: vorne gerollt [r] oder hinten mit dem Gaumenzäpfchen [ʀ], oder dort gerieben [ʁ]. Die Vertauschung der Varianten führt nicht zu einer Bedeutungsänderung.
Kombinatorische Variation
Die Varianten treten in Abhängigkeit von der phonologischen Umgebung auf, z. B. der Ach-Laut im Deutschen. Er wird nach geschlossenen (hellen) Vokalen (/i/, /e/, /ei/, /eu/, /äu/) und am Silbenanfang meist durch [ç] wie in „ich“ ersetzt, nach offenen (dunklen) Vokalen (/a/, /o/, /u/, /au/) meist [χ] oder [x] gesprochen.
In einem solchen Fall stellungsgebundener Allophone spricht man auch von Allophonen in komplementärer Distribution.

Literatur[Bearbeiten]

  • Karl-Heinz Best: LinK - Linguistik in Kürze mit einem Ausblick auf die Quantitative Linguistik. 5., durchgesehene Auflage. RAM Verlag, Lüdenscheid 2008, Seite 4. Kein ISBN. Kapitel: Phonetik und Phonologie (= Phonemik) des Deutschen, Seite 3-8 und Seite 12f.
  • Hadumod Bußmann: Lexikon der Sprachwissenschaft. 4. Auflage, Verlag Kröner, Stuttgart, 2008; ISBN 3-520-45204-9, Stichwörter: Allophon, Phonem, Phonemanalyse.
  • Theodor Lewandowski: Linguistisches Wörterbuch Band 1, 2; 4. Auflage, Heidelberg 1984; ISBN 3-494-02020-5, ISBN 3-494-02021-3, Stichwörter: Allophon, Phonem, Phonemanalyse.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Allophon – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen