Alt-Heidelberg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Alt-Heidelberg (Begriffsklärung) aufgeführt.

Alt-Heidelberg ist ein Schauspiel von Wilhelm Meyer-Förster, das am 22. November 1901 am Berliner Theater zum ersten Mal aufgeführt wurde. Der Titel geht auf Joseph Victor von Scheffels Gedicht Alt-Heidelberg, du feine zurück. Meyer-Förster dramatisierte damit seine Erzählung Karl-Heinrich (1898).

Handlung[Bearbeiten]

Ich habe nur dich lieb gehabt, Käthie, Von allen Menschen nur dich. Studentenpostkarte mit Zitat aus Alt-Heidelberg

Alt-Heidelberg ist die Geschichte vom Heidelberger Studentenleben des Erbprinzen Karl-Heinrich aus dem fiktiven Herzogtum Sachsen-Karlsburg (abgeleitet von Sachsen-Coburg). Karl-Heinrich wird Mitglied in dem fiktiven Corps Saxonia Heidelberg, taucht in das studentische Verbindungswesen ein und verliebt sich in die Wirtstochter Käthie (siehe auch Filia hospitalis). Doch nach vier Monaten ruft ihn die Staatsräson zurück in die Heimat zu einer standesgemäßen Heirat. Er verlässt Heidelberg und Käthie, um die Nachfolge seines Vaters anzutreten. Die Steigerung bis zum tränenreichen Abschied der Liebenden wurde zum Genuss für das Publikum.

Karl Heinrich. Wir behalten uns, Käthie. Ich vergesse dich nicht und du mich nicht. Wir sehen uns nicht wieder, aber wir vergessen uns nicht. Meine Sehnsucht nach Heidelberg war die Sehnsucht nach dir, – und dich hab' ich wiedergefunden. (Küßt sie lange.) Leb wohl, Käthie. (Er geht.)
Käthie (steht mit schlaff herabhängenden Armen, sieht ihm nach).
Karl Heinrich (wendet noch einmal). Ich habe nur dich lieb gehabt, Käthie, von allen Menschen nur dich. (Küßt sie, geht.)
Käthie (steht stumm, starrt ihm nach, sekundenlang. Dann schlägt sie die Hände vor das Gesicht und schluchzt bitterlich).

Rezeption[Bearbeiten]

Alt-Heidelberg ist eines der meistgespielten deutschen Theaterstücke in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, auch wenn es Bertolt Brecht ein „Saustück“, Alfred Döblin einen „Leierkasten“ und Kurt Tucholsky einen „alten Schmachtfetzen“ nannte.

Das Stück machte den Namen Heidelberg weltweit populär und wurde im Japan der Meiji-Zeit zur Pflichtlektüre japanischer Deutschstudenten.

Bertolt Brecht stellte die Episode zwischen dem jugendlichen Prinzen und seinem unterwürfigen alten Diener als Inbegriff überalterter Standesgrenzen dar, der das Publikum zu seinem Unverständnis auch nach dem Ersten Weltkrieg noch Beifall klatschte. Aber das Bewusstsein, dass solche Gegensätze in der wirklichen Welt überwunden waren, beförderte den Publikumserfolg jedoch noch.

Das Schauspiel war Vorbild für die überaus erfolgreiche Broadway-Operette The Student Prince von Sigmund Romberg (1924), in der ein Chor von Studenten in Couleur (einer der wenigen am Broadway erfolgreichen Männerchöre) das Geschehen mit Studentenliedern untermalte. Das Stück wird auch heute noch bei den Heidelberger Schlossfestspielen u. a. in Englischer Sprache mit Amerikanischen Schauspielern aufgeführt [1].

Die Operette wurde mehrfach verfilmt: als Stummfilm 1915 unter der der Regie von John Emerson und 1927 von Ernst Lubitsch unter dem Titel Old Heidelberg sowie 1954 als Musikfilm von Richard Thorpe. Das Schauspiel gibt es in der Filmfassung Alt Heidelberg aus dem Jahre 1959 von Ernst Marischka mit Christian Wolff in der Rolle des Karl-Heinrich und Gert Fröbe als Dr. Jüttner.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Oliver Fink: Memories vom Glück. Wie der Erinnerungsort Alt-Heidelberg erfunden, gepflegt und bekämpft wurde. Verlag für Regionalkultur, Ubstadt-Weiher 2002. ISBN 3-89735-209-5.

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. http://www.theaterheidelberg.de/servlet/PB/menu/1363025_l1/index.html